Nach Gruselkick: Das sagen die Bullen

"Ausgefuchster Gegner"

Nach Gruselkick: Das sagen die Bullen

Die Salzburger brauchen ein starkes Rückspiel, um die Champions League zu erreichen.

Ernüchternder Kick auf dem Feld, völlige Leere auf den Plätzen. Nach dem Geisterspiel hat der serbische Meister Roter Stern Belgrad weiter alle Chancen im Play-off-Rückspiel, ein 1:1-Unentschieden würde schon reichen, um die CL-Träume der Bullen erneut platzen zu lassen. Trainer Marco Rose zeigte sich nicht unzufrieden, vermisste gegen die defensiven Serben vor allem den letzten Nachdruck im Angriff: "In der einen oder anderen Aktionen hat die Überzeugung gefehlt."

"Jetzt wartet ein echtes Endspiel auf uns", reagierte der Bullen-Coach enttäuscht. Der 41-Jährige lobte zudem den Gegner, der gut gestanden sei und deshalb wenig zugelassen habe. Im Rückspiel am kommenden Mittwoch muss vor eigenem und - wohl auch lautstarkem - serbischen Publikum ein Sieg her, um im elften Anlauf endlich die ersehnte Gruppenphase der Champions League erreichen zu können.

Junuzovic angeschlagen

Ex-Nationalspieler Zlatko Junuzovic musste bereits in der 46. Spielminute für Xaver Schlager Platz machen. "Momentan fühlt es sich nicht gut an. Ich hoffe, der Muskel hat nur zugemacht.", so der 31-Jährige. Heute sollen genauere Untersuchungen stattfinden, wie es um den Zustand des rechten Oberschenkels von Bremens Neuzugang weitergeht.  "50:50" seien die Chancen weiterhin, erklärte der Mittelfeldmann, der eine Oberschenkelblessur davontrug und um seinen Einsatz im Rückspiel bangen musste. Auch ihm gelang es nicht, an diesem Abend für Akzente zu sorgen. "Roter Stern hat sehr gut verteidigt, uns die Räume sehr eng gemacht. Wir sind nicht so in die gefährliche Zone gekommen, wie wir uns das vorgestellt haben", meinte der Ex-ÖFB-Teamspieler. "Natürlich haben wir uns ein etwas besseres Ergebnis erhofft", bestätigte Innenverteidiger Marin Pongracic.

Reinhold Yabo, der an der Seite von Munas Dabbur stürmte, stellte nach dem Geisterspiel (Rose: "Eine komische Atmosphäre mit einem atmosphärisch passenden 0:0") vor rund 250 Zuschauern fest: "Wenn wir einmal durch waren, dann hat auch die Sauberkeit gefehlt, der letzte Pass oder der Abschluss." Rose war klar, dass seine Truppe nicht ihren besten Tag erwischt hatte. "Ich kenne meine Jungs, weiß, was sie vorne abfeuern können, deshalb weiß ich schon: Es hat die Überzeugung gefehlt, dem Gegner Probleme zu bereiten", betonte der Deutsche. Hannes Wolf mutmaßte: "Wir waren vielleicht im Umschalten zu inkonsequent."

Sportdirektor Christoph Freund versuchte, auch Positives zu sehen. "Es war kein beeindruckendes Spiel, aber wir haben in drei Quali-Partien kein Tor bekommen. Das sagt auch vieles aus", meinte er im Hinblick auf das siebente von acht Saisonpflichtspielen ohne Gegentreffer. "Das gibt auch Selbstbewusstsein", bekräftigte Yabo. Allerdings stand erstmals 2018/19 auch in der Offensive die Null.

Freund attestierte Roter Stern einen gut umgesetzten Plan. "Das ist eine ganz abgefuchste Truppe, die auf Konter lauert, die nicht viel fürs Spiel tut. Es ist nicht leicht. Da spielst du gegen sieben, acht Spieler, die fast nie aus ihrer eigenen Hälfte rauskommen und nur auf Konter lauern", gab er zu Protokoll.

Roter Stern mit Defensivkonzept

Roter-Stern-Coach Vladan Milojevic war dementsprechend "zufrieden" mit seinem Team, das von etwa 4.000 in Stadionnähe postierten Fans angefeuert wurde. "Man darf nicht vergessen, dass Salzburg eine sehr gute Mannschaft ist, die fast das Europa-League-Finale erreicht hat", verwehrte er sich gegen Kritik an seiner defensiven Taktik. Sie machte es wohl erst möglich, dass die Fans des Meisterpokalgewinners 1991 zumindest eine Woche lang davon träumen dürfen, beim siebenten Versuch erstmals in die Champions-League-Gruppenphase einzuziehen.

Außenverteidiger Stefan Lainer versuchte das Geschehen richtig einzuordnen: "Das Ergebnis ist gut. Du hast auswärts 0:0 gespielt, wir müssen nur zuhause gewinnen", erklärte der ÖFB-Teamkicker und verwies auf die Bedeutung der Partie. "Es geht um die Champions League, da steht sehr viel auf dem Spiel. Ich glaube, dass man das gemerkt hat, dass das irgendwo im Hinterkopf ist. Dass man da nicht wie in einem Gruppenphasenspiel einfach alles nach vorne werfen kann. Man muss da mit Hirn spielen. Deswegen war das heute schon eine reife Leistung", sagte der 25-Jährige. Sein Fazit: "Zuhause müssen wir natürlich auch mehr Druck nach vorne ausüben. Da wartet ein hartes Stück Arbeit auf uns."

Torhüter Cican Stankovic, der zwei gute Chancen der Serben nach Standardsituationen vereitelte (Yabo: "Sensationell") und gegenüber Alexander Walke wohl auch im Rückspiel erste Wahl ist, gelobte für die Heimpartie Besserung: "Wir sind eine offensiv sehr starke Mannschaft, und das werden wir am Mittwoch zeigen." Davon war auch Rose überzeugt: "Wir müssen gewinnen, und wir wissen, dass wir dazu in der Lage sind."