Marko Arnautovic: "Unser Baby-Glück"

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Marko Arnautovic: "Unser Baby-Glück"

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Top-Kicker Marko Arnautovic im großen Team-und Privat-Talk.

Er war der Bad Boy des Fußballs. Jetzt erklärt Marko Arnautovic, wie er aus den Negativschlagzeilen gekommen ist und was ihn motiviert.

Harte Arbeit. Alle Augen sind am Freitag auf ihn und seine Kollegen gerichtet: In Liechtenstein stellt sich das Fußball-Nationalteam der nächsten Runde in der Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich. Österreich ist Tabellenführer und geht somit als Favorit ins Rennen. Wie er mit dieser Rolle umgeht, erklärt Top-Kicker Marko Arnautovic (25) vorab im Interview mit ÖSTERREICH am Sonntag: "Wir dürfen nicht übermütig werden. Wir sind noch nicht am Ziel. Es wird noch richtig harte Arbeit, bis wir uns wirklich für die EM in Frankreich qualifiziert haben." Trainer Marcel Koller zollt Arnautovic Riesenrespekt: "Seine Arbeit ist überragend!" Wie sehr die Nation hinter dem Team stehe, zeige sich an den stets ausverkauften Stadien: "Da sieht man, dass wir eine Fußballnation sind."

Großes Glück. Arnautovic, der derzeit in Großbritannien beim Verein Stoke City in der englischen Premier League unter Vertrag ist, ist seit heute wieder im Land. Und er hat besondere Nachrichten im Gepäck, wie er ÖSTERREICH am SONNTAG verrät: "Ich werde zum zweiten Mal Vater", kann er das kleine Familiengeheimnis nicht zurückhalten - so groß ist die Vorfreude. Denn: "Meine Kinder und meine Familie sind mein Leben", so der Fußball-Star, der jahrelang mit Skandalen und Skandälchen für Aufregung sorgte. Diese Zeiten seien allerdings ein für alle Mal vorbei, versichert der 25-Jährige. Und er erklärt: "Ja, ich bereue schon einiges. Aber das ist mein altes Ich. Ich habe früher einfach nicht so viel nachgedacht, bevor ich gesprochen habe."

Neues Leben. Das Leben in England genießt der 25-Jährige jedenfalls im großen Stil. Dort lebt er "nicht in einem Schloss, aber in einem großen Haus. Warum auch nicht? Ich habe nichts zu verstecken. Ich bin Fußballer und kann mir das auch gönnen. Warum sollte ich in einer Einzimmerwohnung leben?"

Arnautovic: "Die Bundes-Hymne singe ich traditionell. Warum nicht?"

ÖSTERREICH: Österreich geht als Tabellenerster in die nächste EM-Qualifikationsrunde. Träumen Sie schon von Frankreich?
Marko Arnautovic: Natürlich ist es ein Kindheitstraum, einmal bei einer Europa-oder Weltmeisterschaft dabei zu sein. Wir haben jetzt die große Chance, uns für die EM zu qualifizieren. Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Spiel gegen Liechtenstein wird sehr wichtig: Diese Mannschaft wird alles tun, um nicht zu verlieren. Und wir werden alles tun, um zu gewinnen. Aber der Trainer wird uns gut auf dieses Spiel einstellen.

ÖSTERREICH: Wie wichtig ist die Arbeit des Trainers? Wie stolz sind Sie auf ihn?
Arnautovic: Die Arbeit von Marcel Koller ist überragend. Ich bin stolz, das Team ist stolz, und ich glaube, ganz Österreich ist stolz auf ihn. Der Trainer macht einen richtig guten Job und hat es geschafft, uns als Team so erfolgreich zu machen. Das Publikum dankt uns das mit ausverkauften Stadien. Alle stehen hinter uns. Die Menschen haben Spaß, Fußball zu gucken - da kann man mit Stolz sagen, dass wir ein Fußballland sind. Aber wir dürfen nicht übermütig werden: Wir sind noch nicht am Ziel. Es wird noch richtig harte Arbeit, bis wir uns wirklich für die EM in Frankreich qualifiziert haben.

ÖSTERREICH: Wie singen Sie eigentlich die Hymne? Mit der Töchter-Passage oder traditionell?
Arnautovic: Ich singe die Hymne traditionell, und es gibt auch keinen Grund, das zu ändern. Denn ich singe sie schon immer so.

ÖSTERREICH: Geändert hat sich Ihr Auftritt: Sie sind ruhiger geworden. Was ist der Grund? Weil Sie erwachsen geworden sind?
Arnautovic: Ja, ich bin erwachsen geworden. Und es gibt einen weiteren Grund, den ich Ihnen erzähle: Ich werde im Sommer zum zweiten Mal Vater. Was ich sagen will: Ich habe also in Zukunft meinen zwei Kindern gegenüber Verantwortung. Ich will meinen Kindern ein Vorbild sein. Dementsprechend muss ich mich auch benehmen. Denn meine Kinder und meine Familie sind mein Leben. Was war, was ich früher gemacht und gesagt habe, kann ich nicht ändern. Aber jetzt bin ich glücklich mit meiner Familie in England. Fußballerisch könnte es mir zwar etwas besser gehen -das ist momentan ein Auf und Ab. Aber das gehört dazu. Mein Leben ist perfekt.

ÖSTERREICH: Bereuen Sie Dinge, die Sie früher gesagt haben?
Arnautovic: Ja, ich bereue schon einiges. Aber das ist mein altes Ich. Ich habe früher einfach nicht so viel nachgedacht, bevor ich gesprochen habe. In Österreich kennt man mich nur als Bad Boy. Doch ich habe diese alten Zeiten jetzt hinter mir gelassen. Jetzt hatte ich sicherlich schon seit drei Jahren keinen Skandal. Darauf bin ich wirklich stolz und glücklich darüber. Meine Frau hat mir sehr geholfen, dass ich so ruhig geworden bin. Früher, als ich immer wieder verbale Aussetzer hatte, hat meine Frau immer gleich gefragt, warum ich das gemacht habe. Ich konnte es nicht erklären. Aber diese Zeiten sind vorbei. Ich bin anders geworden. Und ich bin glücklich, dass es so ist.

ÖSTERREICH: Wie leben Sie denn in England? Es heißt, Ihr Haus ist schlossartig!
Arnautovic: Ich wohne in einem Haus in der Nähe von Manchester. Meine Frau und ich sprechen ganz gut Englisch, somit ist das Leben für uns dort nicht sehr schwer. Aber ich kann Ihnen sagen: In der Gegend sind alle Häuser groß. Ich wohne nicht in einem Schloss, aber - so wie andere Fußballer, die auch dort wohnen - in einem großen Haus. Warum auch nicht? Ich hab nichts zu verstecken. Ich bin Fußballer und kann mir das auch gönnen. Warum sollte ich in einer Einzimmerwohnung leben, wenn ich in einem Haus leben kann? Ich bin zufrieden. Und jetzt freue ich mich schon sehr auf Österreich und darauf, wieder einmal in der Heimat zu sein!

Iris Brüggler

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