Österreich im Zentrum des Betrugs

Sport-Wett-Skandal

Österreich im Zentrum des Betrugs

Europol: 380 Spiele manipuliert - Auch Rapid-Spiele wurden gekauft.

Tiefschlag für den internationalen Fußball. Die europäische Polizeibehörde Europol hat den größten Wettskandal der Fußballgeschichte aufgedeckt:

  • Weltweit wurden 680 Fußballspiele manipuliert.
  • Die „gekauften“ Matches fanden zwischen 2008 und 2011 statt.
  • Davon wurden 380 in Europa ausgetragen, der Rest in Afrika, Asien und Amerika.
  • Insgesamt stehen 420 Funktionäre, ehemalige oder heutige Spieler und Schiedsrichter in 15 Ländern unter Verdacht, Geld genommen zu haben.
  • Alleine in Europa sollen Betrüger acht Millionen Euro mit Wetten kassiert haben.
  • 50 Menschen wurden bereits verhaftet.
  • Österreich steht im Zen­trum der Ermittlungen: Die höchste Summe an Bestechungsgeldern ist bei uns geflossen. 140.320 Euro soll ein Kapfenberg-Spieler für das Match vom 28. Oktober 2009 erhalten haben. Das Spiel zwischen dem Kapfenberger SV und der Wiener Austria soll manipuliert worden sein.

Europa-League-Quali von Rapid: zwei Spiele geschoben

„Wir ermitteln derzeit gegen 20 Personen aus dem heimischen Profifußball wegen Betruges im Zusammenhang mit manipulierten Spielen und Geldwäscheverdacht. Jedoch nicht nur gegen Spieler“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hansjörg Bacher, zu ÖSTERREICH. Gemeinsam mit deutschen Kollegen habe man eine Ermittlungsgruppe gebildet, deren Erkenntnisse auch in die Untersuchungen von Europol einfließen.

Besonders heikel: Bei den manipulierten Spielen soll es sich auch um WM- und EM-Qualifikationen sowie Champions- und Europa-League-Partien handeln. Konkret sollen die Begegnungen zwischen Rapid Wien und KF Vllaznia Shkodër manipuliert worden sein. Bei dem Hinspiel sowie beim Rückspiel im Juli 2009 gewannen die Österreicher (5:0, 0:3). Der Verdacht: Die Albaner bekamen Mafiageld, damit sie die Spiele – ohne Wissen Rapids – verlieren.

Asien-Mafia soll weltweit Mittelsmänner haben
So lief der Betrug: Die zen­trale Steuerung schreiben die Fahnder einem Kartell in Asien zu. Von Singapur aus wurden den Spielern oder Offiziellen bis zu 100.000 Euro pro Match gezahlt, um die Partien zu beeinflussen.

„Für uns steht fest, dass es sich um den größten Fall aller Zeiten in diesem Bereich handelt“, so Europol-Chef Rob Wainwright am Montagmorgen. Insgesamt sei dies „ein trauriger Tag für den europäischen Fußball“.

Höchste Prämie für Österreicher
Vorneweg – es gilt die Unschuldsvermutung. Doch der Ex-Kapfenberg-Profi Mario M. soll die höchste Prämie (140.320 Euro Bestechungsgeld) erhalten haben. Obwohl das Bundesliga-Spiel Kapfenberg gegen Austria Wien am 28. Oktober 2009 dann nicht wie ausgemacht endete. Wettpate Šapina soll dadurch 312.000 Euro verloren und M. einen Tag später das Geld von Kollegen eingesammelt und retour gebracht haben. 2009 sollen auch diese Spiele manipuliert worden sein:

Kapfenberg – Red Bull (0:4): Mehrere Spieler cashten 80.000 Euro ab, damit sie mit mehr als drei Toren Unterschied verlieren.

Kapfenberg – Rapid (0:1): Die Wettmafia verlor aber, weil nur ein Tor in dem Spiel fiel.

Red Bull Juniors – Hartberg (7:0): Mehrere Spieler bestochen, Betrüger kassierten 650.000 Euro.

Rapid – Shkodër (5:0,3:0): Zudem stehen die Europa-League-Quali-Siege von Rapid gegen Vllaznia Shkodër im Visier. Die ­Albaner sollen die Resultate verkauft haben. Rapid trifft keine Schuld.

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