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Österreichs Fußball Spielwiese für Wettbetrüger?

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Aus Deutschland kommen Vorwürfe an die österreichische Justiz. Die Ermittlungen in Graz zum Wett-Skandal dauern noch an.

"Es dauert noch", fasst der Sprecher der Staatsanwaltschaft Manfred Kammerer den Stand der Voruntersuchung im Wettbetrugverdacht bei zwei Spielen des SK Sturm Graz zusammen. Gewartet worden war auf Material aus dem deutschen Hauptprozess - die Akten liegen nun zwar seit Mai vor, leider gebe es keine Protokolle mit den Aussagen der Angeklagten. Damit sei der Wissensstand wie vor der Anklageerhebung in Deutschland, so Kammerer am Mittwoch. Neue Ermittlungsaufträge seien erteilt worden.

Gehören geschobene Spiele zum Alltag?
Wieder in Diskussion gebracht wurde die Causa vom deutschen Magazin "Der Spiegel", das in seiner jüngsten Ausgabe die EM zum Anlass nimmt, um die Frage zu stellen, ob im Gastgeberland geschobene Spiele zum Alltag gehörten. Unter Berufung auf ein internes Dokument eines Wett-Überwachungsunternehmens wird behauptet, dass "die Erstliga-Stadien in Österreich in den vergangenen Jahren eine Spielwiese für Manipulatoren gewesen seien". Den Behörden wird in der Wettbetrug-Affäre, die eindeutig nach Österreich hineinspiele und in Deutschland mit Verurteilungen geendet habe, "überschaubarer Aufklärungseifer" vorgeworfen - was Kammerer zurückweist.

"In Deutschland ging es um ein ganzes Netz, bei uns um zwei Spiele", so der Vertreter der Grazer Anklagebehörde, der einräumt, den deutschen Kollegen die Übernahme des hiesigen Verfahrens angeboten zu haben, aber damit nicht durchgekommen zu sein. So beschloss man, das Verfahren in Deutschland abzuwarten, auch weil das System der Wettbetrügerei ein sehr kompliziertes sei.

Es geht um zwei Sturm-Spiele
Im Frankfurter Urteil wird zwar auch auf die beiden Sturm-Spiele von 2006 eingegangen - neue Beweismittel wurden aber durch die fehlenden Protokolle nicht erbracht. Mit anderen Worten: In Graz muss die Staatsanwaltschaft weiter ermitteln, denn die Papiere aus Frankfurt enthalten keine Informationen, die für das Verfahren gegen den ehemaligen Sturm-Trainer Mihailo Petrovic und den Mittelfeldspieler Bojan Filipovic von Relevanz wären. In einer Videokonferenzschaltung hatte Filipovic im November 2007 ausgesagt, es sei mit ihm über Betrug nie gesprochen worden und er habe kein Geld bekommen.

Nach Ansicht des Frankfurter Landgerichts seien 60.000 Euro, die ein Rettungssanitäter vor zwei Jahren nach Graz bringen sollte, für Petrovic und Filipovic bestimmt gewesen. Zu einer Auszahlung war es nie gekommen, weil das Sturm-Spiel anders als angeblich geplant endete. Auch im zweiten Spiel war das Ergebnis nicht das verabredete gewesen.

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