Teams wollen finanzielles Fair Play

Chancengleichheit

Teams wollen finanzielles Fair Play

Deutsche Klubs fordern ein Ende der Abhängigkeit von einzelnen Mäzenen.

Viele Fußball-Clubs machen Millionenverluste, einige hängen gar am Tropf einzelner Geldgeber - nun aber will die UEFA mit verschärften Regeln vieles geraderücken. Ab der Saison 2012/13 möchte der europäische Dachverband durch ein neues "finanzielles Fairplay" als Lizenzierungs-Voraussetzung die Chancengleichheit zwischen den Topligen wiederherstellen.

Heftiger Streit
Im Mai soll der Plan festgelegt werden, über die Details wird aber noch heftig gestritten. Offen ist auch der künftige Umgang mit Großinvestoren. "Da muss es zum Kompromiss kommen. Und wir aus deutscher Sicht werden darauf drängen, dass es nicht so bleibt, wie es jetzt ist", betonte Christian Müller, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL).

Vor allem in England sind viele Premier-League-Clubs nach dem Vorbild von Chelsea von einzelner Investoren abhängig. In Deutschland sprachen sich die Profivereine jüngst klar gegen den Einstieg von Investoren aus, die gleichzeitig die Mehrheit der Clubanteile übernehmen würden.

Man müsse sich die Frage stellen, ob "Erlöse aus dem Verkauf von Fußball-Produkten" gleichzusetzen seien mit "Kapitalzufuhren von Leuten, die Fußball als Kunst betrachten oder Ziele auf anderen Märkten verfolgen", sagte Müller auf dem Sportbusiness-Kongress (SpoBiS) am Montag in München. Wenn reiche Club-Eigentümer wie Chelseas Roman Abramowitsch auch in Zukunft ihr Geld willkürlich in Transfers und Gehälter pumpen könnten, "dann ist der ganze Wurf des Financial Fairplay völlig misslungen".

"Break-Even Rule"
Ab 2012 soll die Einführung der "Break-Even Rule" für eine neue Wettbewerbs-Balance innerhalb des europäischen Vereinsfußballs sorgen. Zunächst sollen alle Vereine in Champions- und Europa League dazu verpflichtet werden, ein Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben zu erzielen - ohne das Zutun von Investoren. Unterschieden werden soll zwischen "guten" und "schlechten" Investitionen: Aufwendungen für Jugendarbeit oder die Infrastruktur stehen dann Spielerkäufen und Gehältern gegenüber.

Als schädlich für die Bilanz gilt nur letzteres. "Man darf nicht dauerhaft über seine Verhältnisse leben", sagte Müller. Von entscheidender Bedeutung, aber ebenfalls nach wie vor offen ist, wie hoch die Norm verfehlt werden darf.

"Es geht um einen systemischen Ansatz: sich einzugestehen, dass das Verhalten eines Clubs und dessen Rüstungsverhalten, das gar nicht durch Einnahmen refinanziert werden kann, auch Auswirkungen auf andere Vereine hat", betonte Müller, der auch Mitglied der UEFA-Lizenzierungskommission ist.

Umdenken in England
Immerhin: Die Hoffnung auf eine Einigung ist da. Selbst in der Premier League hätte sich inzwischen die Vernunft durchgesetzt, sagte die britische Wirtschaftsexpertin Julie Clark. "Wir sind ein Land der Extreme. Unsere Clubs tendieren dazu, immer größer werden zu wollen", meinte Clark. "Sportlich bringt das zwar Spannung, aber die finanziellen Gegebenheiten haben den Vereinen gezeigt, dass es nicht ewig so weitergehen kann."