Kurz vor der 
Fußball-EM: ÖFB-Boss vor Rücktritt?

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Kurz vor der 
Fußball-EM: ÖFB-Boss vor Rücktritt?

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Ein Richter konstatiert „dubiose Geldflüsse“ an Leo Windtner. Ist der ÖFB-Boss jetzt noch tragbar?

Jetzt erfasst der FIFA-Skandal auch Österreich: ÖFB-Präsident Leo Windtner hat ein Gerichtsverfahren verloren, in dem er den Erhalt von 100.000 Euro erklären wollte. Der Richter sagte in der Urteilsbegründung, der Geldfluss an Windtner sei „dubios“ und könne „den Verdacht der Bestechlichkeit“ erwecken. Steht jetzt der ÖFB-Chef kurz vor der EURO vor dem Rücktritt?

Die Vorgeschichte ist fast ein Jahr alt: Das Magazin News deckte auf, dass kurz vor der Wiederwahl von Sepp Blatter zum FIFA-Präsidenten eine höchst dubiose Zahlung von 100.000 Dollar für einen Verein „Hope for Future“ an ÖFB-Präsident Leo Windtner geflossen sei. ÖSTERREICH berichtete groß darüber – auch auf der Titelseite mit der Zeile „100.000 Dollar für Österreichs Fußball-Boss“. Windtner klagte nicht News, sondern ÖSTERREICH – weil er vor Gericht klarstellen wollte, dass nicht er persönlich die 100.000 Dollar kassiert hätte, sondern sie einem besonders förderwürdigen Jugend-Projekt in Afrika zugutekamen.

Blatter-Skandal: Länderchefs traten in Serie zurück

Danach überstürzten sich die Ereignisse: Das FBI nahm zahlreiche FIFA-Funktionäre fest, weil sie Gelder als Bestechungszahlung für ihr Stimmverhalten kassiert hatten, es gab Anklagen gegen Blatter und zahlreiche FIFA-Funktionäre, weltweit traten Fußballchefs in Serie zurück oder wurden gesperrt – von UEFA-Chef Platini bis zum Chef des DFB.

Auch in Wien nahm das ­Gerichtsverfahren „Windtner ­gegen ÖSTERREICH“ vor dem Landesgericht für Strafsachen seinen Lauf. Viele Dokumente wurden vorgelegt – doch statt der von ÖFB-Präsident Windtner erhofften Klärung, dass mit der 100.000-Dollar-Förderung alles rechtens sei, wurde die Zahlung immer dubioser.

Es stellte sich heraus, dass ÖFB-Präsident Windtner die 100.000-Dollar-Förderung der FIFA offenbar namens des ÖFB angefordert hatte, obwohl es keinen Beschluss der ÖFB-Gremien für eine Unterstützung von Windtners Privat-Initiative „Hope for Future“ gab. Als die FIFA – nach Windtners Interventionen – das Geld zunächst an den ÖFB überwies, kam es im ÖFB zu heftigen ­Konflikten. Offenbar weil einige ÖFB-Landesvertreter bereits damals den Verdacht der Korruption hegten. Prompt sandte der ÖFB die 100.000 Dollar an die FIFA wieder zurück.

Die 100. 000 Dollar waren plötzlich verschwunden

Nun geschah das Unglaubliche: Die FIFA überwies – nach einem persönlichen Gespräch zwischen dem der schweren Korruption verdächtigen Sepp Blatter und Windtner – das Geld an den Windtner-Verein.

Seither sind die 100.000 Dollar verschwunden. Es fehlt jede Dokumentation, wann sie wohin weiter überwiesen wurden und was damit gefördert oder finanziert wurde.

In seiner letzten Aussage vor Gericht verwickelte sich Windtner immer mehr in Widersprüche, prompt fällte der angesehene Wiener Richter Dr. Stefan Apostol ein für den ÖFB-Chef verheerendes Urteil:

Die Klage Windtners gegen ÖSTERREICH wurde vollinhaltlich abgewiesen, alle in ÖSTERREICH abgedruckten Recherchen würden „auf Fakten“ beruhen.

ÖFB braucht kurz vor der EURO neuen Präsidenten

Apostol ging in seiner Urteilsbegründung mit dem ÖFB-Chef hart ins Gericht: Die Art und Weise, wie die Zahlung der FIFA an den Windtner-Verein erfolgt sei, könne man als „dubios“ bezeichnen. Da es weder Vertrag noch Kontrolle für die Mittelverwendung der 100.000 Dollar gab, könne man – so der Richter wörtlich – durchaus die Ansicht vertreten, dass die Vorgangsweise nicht „ordnungsgemäß“ aussehe und den „Verdacht der Bestechlichkeit“ erwecke.

Leo Windtner ging in Berufung, das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der ÖFB-Chef ahnt freilich, dass sein Rücktritt nun wohl unvermeidlich ist.

Ein Fußball-Präsident, der kurz vor der Wahl von Blatter zum FIFA-Präsidenten von diesem statutenwidrig 100.000 Dollar erhält und dem daraufhin ein Gericht bescheinigt, dass dies den „Verdacht der ­Bestechlichkeit“ begründe, ist definitiv untragbar. Die ÖFB-Länderchefs, die von dem Urteil erst schrittweise erfahren, überlegen nun eine ÖFB-Krisensitzung. Der Fußballbund braucht kurz vor der EURO einen neuen Präsidenten.

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