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F1 in Aufruhr

Ecclestone findet Honda-Ausstieg "eine Schande"

Der Honda-Ausstieg aus der Formel 1 schockiert die Motorsportwelt. Nur F1-Zampano Ecclestone kritisiert Honda und bleibt ruhig: "Wir haben keine größere Krise".

Der zweitgrößte japanische Autobauer Honda zieht sich vollständig aus dem Formel-1-Renngeschäft zurück. Er reagiere damit auf die schwierigen Geschäftsbedingungen, sagte Vorstandschef Takeo Fukui am Freitag in Tokio. Der Konzern habe auch keine Pläne, weiterhin andere Rennställe mit Motoren zu versorgen. Eine Rückkehr in den Sport könne einige Zeit dauern. "Honda muss sein Kerngeschäft und sein langfristiges Bestehen sichern", sagte Fukui weiter. Das Engagement in der Rennklasse kostet den Hersteller nach Schätzungen jährlich etwa eine halbe Milliarde Dollar (rund 390 Mio. Euro).

Honda könnte neu übernommen werden
Über die Zukunft des Renn-Teams Honda Racing F1 und des Motorenlieferanten Honda Racing Development werde bald verhandelt, sagte Fukui. Ein Verkauf des Rennstalls sei nicht auszuschließen. Die beiden Teamchefs Ross Brawn und Nick Fry sind nach Angaben aus Renn-Kreisen bereits auf der Suche nach einem Käufer. Sollte die Suche nach einem Monat erfolglos bleiben, werde das Honda-Team jedoch aufgelöst, sagte ein Mitglied eines konkurrierenden Rennstalls auf einem Treffen der Teamvereinigung FOTA am Donnerstag und berief sich dabei auf Äußerungen der beiden Manager.

Eine anderer Experte sagte, den Teammitgliedern sei mit einer Frist von drei Monaten ab Jänner gekündigt worden, sollte kein Käufer gefunden werden. Die neue Saison beginnt am 29. März in Australien. Das Rennen im japanischen Suzuka soll wie geplant stattfinden.

Konzern-Entschuldigung bei Piloten
Honda-CEO Fukui entschuldigte sich in der Folge bei seinem bisherigen Piloten Jenson Button. "Es ist wirklich schade und es tut mir wirklich sehr leid für Jenson Button", meinte Fukui. "Wir hatten aber keine Wahl bei den derzeitigen finanziellen Bedingungen." Auch die Zukunft des 25-jährigen Neffen des verstorbenen Ayrton Senna, Bruno Senna, ist damit wieder völlig offen. Senna war als Favorit für den zweiten Platz neben Button gehandelt worden, allerdings hatte sich auch der Rennstall Scuderia Toro Rosso von Dietrich Mateschitz für den Brasilianer interessiert.

Die Branche fürchtet nach dem Rückzug von Honda, dass angesichts der desolaten Lage der Autobauer weitere Teams folgen könnten. Honda gehört neben Toyota zu den großen Geldgebern des Rennsports. Wie so gut alle Autobauer kämpft im Moment auch Honda mit massiven Absatzschwierigkeiten.

Lauda und Berger warnen
Ähnliche Meinungen vertreten auch Österreichs Formel-1-Legenden Niki Lauda und Gerhard Berger: Lauda äußerte Verständnis über die Honda-Entscheidung. "Ich hoffe nur, dass das nicht ansteckend ist." Berger wurde konkreter und warnte: "Das ist erst der Anfang." Der Tiroler empfiehlt dem F1-Zirkus "aufzuwachen". "Es sollen nicht alle mehr Geld ausgeben, als man einnehmen kann. Die Formel 1 muss einfach wieder zurückkommen auf ein normales Kostenmaß, das dann einfach wieder zu rechtfertigen ist."

Auch Wurz betroffen
Bei Honda war heuer Alexander Wurz als Testpilot tätig, der Niederösterreicher steht Testfahrertätigkeiten für ein anderes Team zwar offen gegenüber, wird sich aber nicht krampfhaft um einen neuen Job in der Formel 1 bemühen, meinte er.

Ecclestone beruhigt
Formel-1-Boss Bernie Ecclestone versucht hingegen alles, um die Situation zu kalmieren. Er sieht die Motorsport-Königsklasse trotz des Ausstiegs von Honda nicht in Gefahr. "Die Formel 1 ist in keiner größeren Krise als jede andere Firma der Welt", sagte der Brite am Freitag in einem BBC-Interview. Die weltweite Wirtschaftskrise werde die Formel 1 nicht stoppen. Zum Ende von Honda meinte Ecclestone dies sei "eine große, große Schande." Unterdessen erklärte Nick Fry, Geschäftsführer des bisher vom japanischen Autobauer finanzierten Formel-1-Teams, es gebe mehrere Übernahme-Interessenten für den Rennstall.

Einheitsmotor von Cosworth
FIA-Präsident Max Mosley veröffentlichte nur Stunden nach der Honda-Entscheidung ein Schreiben, wonach Cosworth den Teams ab 2010 einen Formel-1-Motor zu geringen Kosten anbieten werde. Mosley erläuterte darin, dass der Verband in exklusiven Verhandlungen mit Cosworth, Xtrac und Ricardo Transmissions (XR) sei. Man wolle sowohl Motor als auch Getriebe als Komplettpaket anbieten. "Die Kosten pro Team wären eine Vorauszahlung von 1,68 Mio. Pfund (1,95 Mio. Euro)", so Mosley. Danach würden die Teams je 5,49 Mio. Pfund (6,36 Mio. Euro) pro Saison für den Vertragszeitraum 2010 bis 2012 bezahlen, was nur ein Bruchteil der gegenwärtigen Ausgaben wäre.

Rundum-Paket
"Dieser Preis", so Mosley, "basiert auf der Unterschrift von vier Teams, inkludiert vollen technischen Support bei allen Rennen sowie offiziellen Tests und 30.000 zusätzliche Test-Kilometer." Je mehr Rennställe unterschreiben würden, umso geringer sind freilich die Kosten. Allerdings werde es auch für die großen Hersteller zwei Optionen zur Weiterverwendung ihrer eigenen Maschinen geben. Entweder Eigenbau mit denselben Spezifikationen wie Cosworth oder Weiterverwendung der existierenden Motoren, allerdings mit Einschränkungen in Sachen Entwicklung und einer Art Gleichheitsprinzip für alle Motoren.

Schon 2011 soll dann ein neuer, weiterentwickelter "low-cost"-Motor vorgestellt werden. Die Einführung des sogenannten "Einheitsmotors" ist allerdings sehr umstritten, mit den zusätzlichen Optionen könnten wohl auch Teams wie Ferrari und Toyota zum Einlenken gebracht werden.