oe24-Interview
Wolff: "Gott sei Dank bin ich falsch gelegen"
Vier Überseerennen, Nachtschichten in Las Vegas und gleich danach das Finale in Abu Dhabi bescherten dem F1-Jahr 2023 das anstrengendste Ende aller Zeiten. Für Silberpfeil-Chef Wolff ging‘s mit durchgetakteten Terminen in London und im Werk in Brackley weiter. Dazwischen meldete sich der 51-jährige Wiener per Telefon.
"Ich bin bis heute Schreibtisch-Polizei"
oe24: Toto, in der „Zeit“ erzählen Sie, wie Sie sich bei Ihrem Beginn als Geschäftsführer bei Mercedes daran gestoßen haben, dass im Eingangsbereich benützte Kaffeetassen herumstanden ...
TOTO WOLFF: Genau genommen waren es gerippte braune Becher mit altem Kaffee drinnen. Ross (Teamchef-Vorgänger Brawn, d. Red.) hat mir gesagt: ,Alte Kaffeebecher spielen keine Rolle, wenn es darum geht, ein Auto schneller zu machen‘. Ich bin bis heute die Schreibtischpolizei. Bestimmte Kandidaten wissen, dass ich zumindest einmal im Monat bei Ihnen vorbei schau ...
oe24: Angesichts der neuerlich holprigen Saison gibt es auch sonst viel Arbeit, oder?
WOLFF: Spätestens im April war uns klar, dass wir mit unserem extravaganten Konzept mit den schlanken Seitenkästen falsch gelegen sind und wir mussten das Design ändern. Danach hatten wir ein paar Resultate, aber das Auto war einfach zu instabil.
oe24: Lässt sich das für 2024 verhindern?
WOLFF: Wir müssen einfach mehr Performance aus dem Auto herausholen. Ob uns das gelingt, wird man an der Stoppuhr sehen. Alles andere bis dahin ist In-die-Kristallkugel-Schauen.
"Handshake mit Horner gab's vielleicht vor dem letzten Rennen 2021"
oe24: Fast richtig gelegen sind Sie heuer nach dem ersten Grand Prix, als sie prophezeiten, dass Red Bull alle Rennen gewinnen würde ...
WOLFF: Gott sei Dank bin ich falsch gelegen, wenigstens Singapur haben sie nicht performt. Aber letztlich konnte der Kombination Auto-Fahrer der Rest nicht einmal nahe kommen, geschweige denn auf Siege hoffen. Die waren in einer eigenen Galaxie. Und alle logischen Argumente deuten darauf hin, dass die auch 2024 wieder ganz stark sein werden.
oe24: Nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi geisterte ein Foto durch die sozialen Medien, auf dem Sie Ihren „Lieblingsfeind“ Chris Horner von Red Bull freundschaftlich umarmen. Seid ihr plötzlich best Buddys?
WOLFF: Das war beim Rausgehen aus dem Fahrerlager. Da war eine nette Truppe um Mark Mateschitz, seiner Mutter und ein paar Leuten, die ich gut kenne. Ich bin dazu gekommen und hatte einen lustigen Austausch mit Geri (Halliwell, der Gattin von Horner., d. Red), und da kam das Foto zustande. Freunde? Das letzte Handshake gab‘s vielleicht 2021 vor dem letzten Rennen. Aber du musst die Leistung deines Mitbewerbers anerkennen. Ich hab Respekt vor dem, was das Red-Bull-Team geschafft hat.
PS: Die Compliance-Vorwürfe betreffend, wollte es Toto beim Statement von Susie Wolff belassen.
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