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Klassiker

Österreicher in Le Mans um Sieg

Zum 76. Mal finden heuer die 24 Stunden von Le Mans statt. Eine ganze Österreicher-Armada jagt den Sieg.

Zum 76. Mal und wie immer am zweiten Juni-Wochenende geht auch 2008 der Motorsport-Langstreckenklassiker "24 Stunden von Le Mans" in Szene. Diesmal sind in Frankreich so viele Österreicher am Start wie schon lange nicht. Allen voran die Formel-1-Asse Alexander Wurz und Christian Klien, die für Peugeot sogar um den Gesamtsieg kämpfen.

Wurz in den Geschischtsbüchern
Bisher haben mit Jochen Rindt (1965), Helmut Marko (1971) und eben Wurz (1996) als 22-Jähriger und damals jüngster Pilot der Le-Mans-Geschichte drei Österreicher Gesamtsiege in Le Mans geholt. Gestartet wird das Rennen am kommenden Samstag (15.6.) um 15.00 MESZ, Eurosport überträgt live.

Zehntel entscheiden
55 Fahrzeuge gehen südlich der im Nordwesten Frankreichs liegenden Stadt Le Mans an den Start. Der einstige Zuverlässigkeitstest, bei dem ursprünglich nur die Piloten selbst Hand ans Fahrzeug legen durften, hat sich trotz der gewaltigen Distanz längst zu einem Sprintrennen entwickelt, wie auch Wurz weiß. "Es geht trotz der gewaltigen Distanz jede Runde um Zehntelsekunden."

"Einmalig"
Auch für Wurz ist Le Mans der Klassiker schlechthin. "Einmalig wie die Tour de France, man arbeitet neun Monate darauf hin", sieht der Niederösterreicher aktuelle, aber auch historische Bezüge. "Die Tradition, die Katastrophen, das Heroische und Namen wie Steve McQueen. Alles zusammen ein einmaliger Event", so Wurz, der vor zwölf Jahren noch in einem offenen Porsche gewann und nun wie Klien einen geschlossenen Diesel-Peugeot 908 HDi pilotiert.

Diesel
Hauptkonkurrent Audi, der zuletzt vier Mal in Folge gewonnen hat, setzt nach wie vor auf die offenen R10. Die Favoriten fahren allesamt aus Marketinggründen nach wie vor mit Dieselautos. Statt wie in der Formel 1 mit 19.000 Touren sind Klien und Co. nur mit 5.000 U/Min. unterwegs, dafür mit Bärenkraft von unten heraus. Klien: "Auf den Geraden ist das Auto dafür kaum hörbar und klingt fast wie ein Düsenjet."

Peugeot-Team
Wurz und Klien waren zwar gemeinsam bei den Peugeot-Trainingscamps, sitzen im Rennen aber nicht in einem Auto. Während der Niederösterreicher zusammen mit Pedro Lamy und Stephane Sarrazin das Auto mit der Nummer 8 pilotiert, teilt sich Klien den "Neuner" mit Franck Montagny und Ricardo Zonta. Eine gemeinsame Peugeot-Taktik gibt es laut Wurz nicht. "Wir müssen alle maximal anglühen und auf die eigenen Leiberl schauen!" Ein weiterer Sieg zwölf Jahre danach wäre für Wurz "saugeil!" Klien kam beflügelt vom BMW-Doppelsieg in Kanada an die Sarthe. "Du spürst hier auf jedem Meter, dass du auf geschichtsträchtigem Boden unterwegs bist."

Todesfalle
Obwohl nicht zuletzt wegen des tödlichen Unfalls des Österreichers Jo Gartner (1986) die teilweise über Landstraßen führende, 13,6 Kilometer lange Strecke mit der berühmt-berüchtigten Hunaudieres-Geraden durch Schikanen entschärft wurde, ist die Gefahr in Le Mans nach wie vor Dauergast. So hatte Marc Gene im dritten Peugeot, in dem auch Jacques Villeneuve fährt, erst zu Wochenbeginn einen bösen Trainings-Unfall.

"Vor allem die ersten Stint-Runden in der Nacht bringen erhöhte Gefahr für Fehler, meist fährt man da auch etwas langsamer", weiß Wurz. Der von Marko gehaltene Distanz-Rekord von 5.225 Kilometern in Le Mans wird wegen der Umbauten ewig Bestand haben.

Österreicher-Armada
Während Wurz und Klien mit ihren 700 PS starken Diesel-Peugeots in der Prototypen-Klasse LMP1 starten, sind auch in den schwächeren Klassen wieder Österreicher am Start. So etwa Christian Lietz, der im Porsche 911 sogar Titelverteidiger in der GT2 (leicht modifizierte Serien-Sportwagen) ist. Dort fährt auch Horst Felbermayr Sen..

Karl Wendlinger hat in Le Mans sogar schon zwei Klassensiege gefeiert und pilotiert in der GT1 diesmal zusammen mit seinem früheren Formel-1-Teamkollegen Heinz-Harald Frentzen und Andrea Piccini einen Werks-Aston-Martin DBR9 mit der Bond-Nummer 007 und im klassischen Steve-McQueen-Look.

Auch der Tiroler peilt den Klassensieg an. Erster Gegner des Kufsteiners ist mit Olivier Beretta ausgerechnet jener Franzose, mit dem Wendlinger Daytona und zweimal Le Mans gewonnen und 1999 Weltmeister geworden ist. "Wenn du in einem Werksteam bist, sind die Ansprüche sehr hoch", so Wendlinger.