Vettel: Noch keine Zeit für WM-Feier

Weltmeister im Stress

Vettel: Noch keine Zeit für WM-Feier

Auf Vettel wartete nach Titelverteidigung nicht Party- sondern Interview-Marathon.

Die Sonne war über Japan längst untergegangen, als Sebastian Vettel noch immer nicht sein letztes Interview gegeben hatte. Erst Stunden nach der Zieldurchfahrt schaffte es der mit 24 Jahren und 98 Tagen jüngste Formel-1-Doppelweltmeister der Geschichte am Sonntagabend in Suzuka zurück in die Red-Bull-Garage zum Foto mit dem Team. Viel Zeit zum Feiern blieb auch danach nicht, denn schon Montagfrüh flogen der frischgebacken Champion und eine Handvoll Ingenieure zu Terminen nach Tokio.

Diashow: Vettel ist zum zweiten Mal Weltmeister

Vettel ist zum zweiten Mal Weltmeister

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    Mega-Party nach Konstrukteurs-Titel
    Was für ein Unterschied zum Vorjahr, als nach dem dramatischen Finale in Abu Dhabi alle Dämme gebrochen waren. 329 Tage später war Vettel schon wieder Champion. Als neunter Fahrer, dem so etwas gelungen ist. "Macht euch keine Sorgen. Jetzt holen wir uns noch den Konstrukteurstitel und dann werden wir schon ordentlich feiern", versprach Teamdirektor Helmut Marko bereits im neuen Weltmeister-Shirt.

    Hezterei zum nächsten GP
    Auf diesem wurde allerdings nicht auf den "Doppelweltmeister" Bezug genommen. "Sebastian Vettel. F1 Driver World Champion" stand auf der Vorderseite des dunklen Shirts, in das sich die gesamte Crew gekleidet hatte. Wirklich "festlich" war die Szenerie zu Vettels Krönung zunächst wahrlich nicht. Die Teams packten in aller Eile die Container für den Weitertransport nach Korea, und selbst nach seinem Interview-Marathon fand Vettel so schnell keine Zeit zum Anstoßen. Die Renn-Nachbesprechung mit den Ingenieuren hatte selbst an diesem speziellen Tag Vorrang.

    "Sprachloser" Vettel quasselte ohne Ende
    Vettel unterstrich damit nur seine professionelle Einstellung. Zuvor hatte er in einer phasenweise sehr launig geführten FIA-Pressekonferenz freilich einen Stapel emotionaler Bemerkungen losgelassen, obwohl er sich zunächst selbst als "sprachlos" bezeichnet hatte. "Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden. Wir hatten ein fantastisches Jahr. Und das Beste daran ist, es geht noch weiter", hatte Vettel dort seiner Freude Ausdruck verliehen.

    Man habe bei Red Bull zwar mittlerweile gewusst, wie man eine Meisterschaft gewinnt, "wir haben uns aber nicht darauf verlassen", erklärte der alte und neue Champion. "Wenn man versucht, auf dem Top-Level zu sein und zu bleiben, sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Da gab es eine Handvoll Leute, die mir die Kraft und den Rückhalt gegeben haben, um stark zu sein."

    Team musste Vettel bremsen
    Er hätte sich selbstredend gerne als Rennsieger den vorzeitigen WM-Titel gesichert, gab Vettel zu. Am Ende hatte aber sogar das Team ein wenig gebremst. Vettel, um die Reifen zu schonen. Den folgenden Teamkollegen Mark Webber, damit dieser seinen Teamkollegen nicht mehr angreift.

    Auffallend war, dass Vettel mehrmals das aktuelle Auto als "nicht so gut" wie das vorjährige bezeichnete. "Deshalb war es nicht so einfach wie viele glaubten für uns. Aber wir haben nach einem guten Start den Lauf behalten."

    "Verdammte Deutsche"
    Den heitersten Teil erreichte die Pressekonferenz, als Vettel auf einige der durchschlagenden Erfolge seines Landsmannes Michael Schumacher angesprochen wurde. "Verdammte Deutsche", sagte Sieger Jenson Button lachend. Der dritte Saisonsieg war für den Engländer zwar eine süßsaure Sache, nicht zufällig hat der immer stärker werdende Ex-Weltmeister aber gerade erst um eine sagenhafte Summe bei McLaren verlängert.

    Auch mit dem als jüngster Doppel-Champ entthronten Fernando Alonso gab es ein Verbal-Scharmützel am Podium. "Wir werden nun sehen, wer der jüngste Dreifach-Weltmeister wird", gab der spanische Ferrrai-Pilot zu Protokoll. "So viel ich weiß, ist Michael Schumacher der jüngste Siebenfach-Weltmeister", konterte Vettel gut gelaunt.

    "Schön und seltsam"
    Vorzeitig Weltmeister zu sein, sei "so schön wie seltsam", sagte Vettel kurz darauf wieder etwas ernster. "Letztes Jahr war es nach der Zielflagge alles vorbei. Diesmal ist es anders, in einer Woche gibt es schon wieder ein Rennen. Es wird Zeit brauchen, das zu verstehen. Wahrscheinlich in einer stillen Stunde, mit Leuten, die mir am Herzen liegen. Vielleicht hilft der ein oder andere Drink heute Abend."

    Bis es zu dem kam, verging am Sonntag in Japan freilich ganz schön viel Zeit. Im Rennstrecken-Hotel hat man die meisten Karaoke-Hütten, in denen sich schon einige legendäre WM-Partys abgespielt haben, abgerissen. Die einzig verbliebene war in den Tagen vor dem Rennen nur mäßig besucht worden. Und am Montag musste Vettel schon ganz früh aus den Federn.