Kanadas Eishockey-Team brennt auf Start

Olympia

Kanadas Eishockey-Team brennt auf Start

Olympiasieger und Österreich-Gegner vor Auftakt.

Olympiasieger Kanada bleibt in Sotschi wenig Zeit, um sich auf den Start ins Olympische Eishockey-Turnier vorzubereiten. Das ausschließlich aus NHL-Spielern bestehende und von NHL-Trainern geführte Team Canada wurde erst am Montag in Sotschi erwartet, am Donnerstag steht schon das Norwegen-Spiel auf dem Programm, am Freitag (jeweils 18.00 Uhr MEZ) das Match gegen Österreich.

Damit die Eingewöhnungsphase so kurz wie möglich ausfällt und für Crosby und Co. alles bestens vorbereitet ist, ist Ralph Krueger seit vergangener Woche in Sotschi. Der langjährige Erfolgstrainer der VEU Feldkirch, der die Vorarlberger zwischen 1994 und 1998 zu fünf Meistertiteln in Folge und 1998 sensationell zum Triumph in der European Hockey League geführt hatte, gehört dem Trainerstab von Kanada an und führte eine neunköpfige Vorhut an.

Zwei Trainingstage
Cheftrainer Mike Babcock und den Spielern bleiben nur zwei Trainingstage, um sich auf das größere europäische Eis, die internationalen Regeln und vor allem die Zeitumstellung einzustellen. "Alle Top-Mannschaften haben diese Situation und auch Österreich hat drei Spieler, die integriert werden müssen. Die Zeitumstellung wird wahrscheinlich das wichtigste sein", erklärte Krueger.

Dass das alles nicht in so kurzer Zeit perfekt klappen kann, weiß der 54-jährige Deutsch-Kanadier. "Man nützt die erste Woche, um sich auf das vierte Spiel vorzubereiten. Du musst das vierte Spiel gewinnen, egal wer du bist. Alle haben eine Woche, sich darauf vorzubereiten", sagte Krueger. Entweder geht es für jede Mannschhaft im Spiel vier um die Viertelfinal-Qualifikation, oder es steht - für die vier besten Teams der Vorrunde - schon das Viertelfinale an.

Daher wird Österreich noch nicht auf einen Titelverteidiger in Top-Form treffen. "Wir erwarten gar nicht, dass wir gleich am Anfang bereit sind. Das ist unrealistisch", offenbarte Krueger.

Gegner beobachtet
Er hat in den vergangenen Tagen intensiv die Gegner beobachtet, auch die Österreicher. "Wir bereiten uns auf jeden Gegner gleich vor, und Österreich gehört dazu. Ihre Stärke ist die kämpferische Seite. Die Spieler müssen den Wechsel von der Liga zum Tempo hier finden. Sie sind einen ganz anderen Level gewöhnt. Aber dass Österreich hier ist, sagt, dass es eine Manschaft ist, die man ernst nehmen muss. Respekt haben wir sicher", betonte er.

Für den langjährigen Schweizer Teamchef und ehemaligen Cheftrainer der Edmonton Oilers selbst ist Sotschi das 16. Großturnier, zum vierten Mal ist er bei Olympia dabei. Diesmal allerdings nicht als Chef, weshalb Krueger das Turnier mehr genießen kann. "Sicher, das ist ganz anders", sagte er. "Ich muss sogar ruhig bleiben, ich kann nicht emotional beraten". Als Headcoach dagegen geht es nicht ohne Emotionen.

Für Kanada zählt nur Gold, ebenso wie für Russland. Vor vier Jahren hat Kanada in Vancouver dem enormen Druck standgehalten, das Eishockey-Turnier bei den Heimspielen zu gewinnen, nun sollen es Owetschkin und Co. nachmachen. Krueger weiß, wie schwierig das ist: "Im Eishockey hatten wir mit Kanada bei Olympia (2010) und Schweden bei der WM (2013) die ersten zwei Heimsiege seit 1986. Da brauche ich gar nicht erwähnen, was es für eine Challenge ist, ein Heimturnier zu gewinnen. Da muss der Trainer mehr Psychologe als Trainer sein."

Ob die NHL auch in vier Jahren für Pyeongchang 2018 eine Pause einlegt, damit ihre Stars an Olympia teilnehmen können, steht noch nicht fest. Geht es nach den Spielern, sind sie auch in Südkorea dabei, meint Krueger. "Ich weiß nur, dass die Spieler es lieben. Was das für den Prozess bedeutet, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es nicht einen Spieler gibt, der nicht gerne kommt. Olympische Spiele sind das größte Sportereignis, das wir erleben können, das vergisst man ein Leben lang nicht", sagte Krueger.