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21-jähriger Slowene

Sensation! Debütant Pogacar gewinnt Tour de France

Der Slowene Tadej Pogacar hat am Sonntag zum ersten Mal die Tour de France gewonnen. 

Arm in Arm gingen Tadej Pogacar und Primoz Roglic nach ihrem historischen Duell auf die Tour d'Honneur, dann erreichte der slowenische Nationalfeiertag auf den Champs Elysees seinen Höhepunkt. Nach einem an Dramatik kaum zu überbietenden Finale hat sich Pogacar, das neue Wunderkind des Radsports, als zweitjüngster Gesamtsieger in den Geschichtsbüchern der Tour de France verewigt.
 
"Das ist unglaublich, einfach nicht zu begreifen. Es war mein Traum, einmal bei der Tour zu starten. Jetzt habe ich sie gewonnen", sagte Pogacar. Im Bergzeitfahren hatte er seinem Landsmann Roglic das schon sicher geglaubte Gelbe Trikot noch entrissen. So stand nicht der große Favorit, sondern der junge Mann aus Komenda, der am Montag 22 Jahre alt wird, vor dem Arc de Triomphe im Rampenlicht.
 

Herzschlag-Finale

Paris war fest in slowenischer Hand nach dem historischen Doppelsieg, viele weiß-blau-rote Fahnen waren zu sehen - trotz der Corona-Beschränkungen im Zielbereich. Auch Staatspräsident Borut Pahor war extra eingeflogen. Schließlich hatte das kleine Land auf dem Pracht-Boulevard den wohl größten Erfolg seiner Sportgeschichte zu feiern.
 
Möglich machte ihn Pogacar, der jüngste Sieger seit Henri Cornet (19) im Jahre 1904. Einen Rückstand von 57 Sekunden hatte Pogacar bei seiner famosen Triumphfahrt im Bergzeitfahren von La Planche des Belles Filles am Samstag aufgeholt, tags darauf fuhr er mit 59 Sekunden Vorsprung nach Paris. Nur acht Mal ging es in der 107-jährigen Geschichte des Rennens knapper zu.
 
Roglic wird das kaum trösten. "Im Moment kann ich nicht klar denken, ich habe keinen klaren Plan für die Zukunft. Es ist, als wäre mein Kopf leer", sagte der haushohe Favorit, der mit seinem Super-Team Jumbo-Visma zuvor drei Wochen das Geschehen in demoralisierender Weise bestimmt hatte.
 

Rekordmann Pogacar

Der Mann der Rekorde ist Roglics neun Jahre jüngerer Freund. Er holte neben dem Gelben auch das Gepunktete und Grüne Trikot des besten Bergfahrers und Nachwuchsprofis. Drei Trikots waren zuletzt Merckx 1969 geglückt. Dazu stellte er drei Bergrekorde auf, unter anderem pulverisierte er am Col de Peyresourde die Bestzeit von Alexander Winokurow. Das wirft Fragen auf, zumal sein Umfeld mit Sportdirektor Andrej Hauptman keinen astreinen Ruf genießt und in der Blutdopingaffäre viele Spuren nach Slowenien führen, bisher nicht aber zu Pogacar. "Ich habe eine reine Weste", sagte das Leichtgewicht der ARD.
 
Der Sieg in der prestigeträchtigen letzten Etappe ging an Sam Bennett, der bereits das zehnte Teilstück für sich entschieden hatte. Der Ire setzte sich im Massensprint vor dem Weltmeister Mads Pedersen aus Dänemark und dem Slowaken Peter Sagan durch. Der 29-Jährige krönte damit seine starke Tour.
 

Kein Fahrer positiv getestet

Bereits beim ersten Zwischensprint hatte sich Bennett unterwegs mit einem fünften Rang das Grüne Trikot des punktbesten Fahrers gesichert. Er löste als "Sprintkönig" Sagan ab, der ihm beim Team Bora-Hansgrohe als Topsprinter jahrelang vor der Sonne gestanden hatte.
 
Marco Haller erreichte auf der letzten Etappe Platz 22 und wurde Gesamt-143. Sein österreichischer Landsmann Felix Großschartner landete im Schlussabschnitt auf Platz 96 und im Gesamtklassement an der 63. Stelle.
 
Dass die Tour überhaupt angesichts der rapide steigenden Infektionszahlen - zuletzt waren es mehr als 13.000 pro Tag - die sogenannte "Rote Zone" Paris erreichte, war ein riesiger Erfolg. Nicht ein Fahrer wurde in den drei Wochen positiv auf Corona getestet, das Konzept der Veranstalter ging voll auf. Dass ausgerechnet Tourchef Christian Prudhomme zwischenzeitlich nach einer Positiv-Kontrolle nach Hause musste, war fast schon eine merkwürdige Pointe.