So verbrachte Lauda die letzten Monate

Neue Biografie

So verbrachte Lauda die letzten Monate

Freunde und Wegbegleiter schildern Laudas Kampf gegen die Krankheit. 

Vor fast einem Jahr starb Österreichs Renn-Legende Niki Lauda. Der 70-Jährige hatte nach der Lungentransplantation im Sommer 2018 - er lebte bereits mit der zweiten transplantierten Niere - mit allen seinen Kräften gekämpft, um wieder ein normales Leben führen zu können. Doch auch modernste Medizin und die im internationalen Spitzenfeld agierenden Ärzte am Wiener AKH konnten ihn nicht retten. 
 
 

"Er sah wirklich nicht gut aus"

In einer neuen Biografie werden nun die letzten Monate der Formel-1-Legende beleuchte.  Freunde und Wegbegleiter erinnern sich in „Es ist nicht einfach, perfekt zu sein“ an ihre letzten Kapitel Laudas Lebens. Erste Kapitel wurden nun veröffentlicht.
 
Gerhard Berger, ein enger Freund von Niki Lauda, erinnert sich an den Beginn der Krankheit im Mai 2018. „Niki war auf seiner Yacht, die im Hafen lag. Er rief mich an und sagte, dass es ihm nicht gut gehe, und bat mich, einen Arzt für ihn zu finden. Als ich ihn fragte, was ihm fehle, sagte er, dass er sich eine Lungeninfektion zugezogen und Atemprobleme habe. Ich sah nach ihm, er wirkte sehr angeschlagen.“
„Ich rief die rechte Hand von Prinz Albert an und bat ihn um Hilfe. Man brachte Niki ins Krankenhaus, gab ihm Antibiotika und Spritzen und kümmerte sich um ihn. Am nächsten Morgen ging ich durchs Fahrerlager und sah Niki in einer Ecke im Schatten stehen. ‚So ist es besser, ich muss arbeiten.‘ Das war typisch Niki. Aber er sah wirklich nicht gut aus.“
 
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Im Privatjet zurück nach Wien

Mercedes-Teamchef Toto Wolff schildert, was sich wenige Monate später –auf einem Ibiza-Urlaub im Juli 2018-  abspielte. „Wir tranken ordentlich; es war ein richtiger Männerabend, an dem wir uns noch mal wie junge Kerle fühlten. Mir schien, als ob Niki wieder diesen … wie soll ich sagen … sechsten Sinn hatte, den ich schon erwähnt habe. Er schien zu ahnen, was ihm bevorstand… Am nächsten Morgen sagte er, dass es ihm richtig schlecht gehe und wir ihm helfen müssten, nach Wien zurückzukehren.“
 
„Wir flogen zu viert in meinem Flugzeug zurück, und Gernot brachte ihn anschließend gleich ins Krankenhaus. Man teilte uns mit, dass seine Lungenfunktion auf zehn Prozent gesunken sei. Das blöde Virus hatte die Lunge angegriffen. Im Krankenhaus wurden ihm beide Lungenflügel transplantiert.“
 
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Letzter Besuch im Krankenhaus

Nach der Operation schien sich Lauda wieder zu erholen. Buch-Autor Maurice Hamilton schreibt dazu: „Die umgehend durchgeführte Transplantation führte zu einer erheblichen Verbesserung seines Zustands.“ Im Dezember 2018 konnte Lauda sogar wieder Interviews geben. „Ich wusste, dass es schwer werden würde, sehr schwer. Unter diesen Bedingungen konnte ich nur eins tun: kämpfen. Angst hatte ich nie. Ich war ja in den Händen von Spezialisten.“ 
 
2019 wollt Lauda dann sogar wieder auf die Rennstrecken zurückkehren, daraus wurde aber bekanntlich nichts mehr. Gerhard Berger schildert die letzten Wochen der Legende: „Ich war wohl einer der wenigen, die ihn im Krankenhaus besuchen durften. Seiner Familie kam ich dabei sehr nahe. Ich muss sagen, dass Lukas unglaublich war. An jedem einzelnen Tag war er dort, im Krankenhaus in Zürich, obwohl seine Familie in Barcelona lebte. Die ganze Zeit über blieb er am Bett seines Vaters und war für ihn da. Er hätte sich nicht besser um ihn kümmern können. Lukas ist ein Sohn, wie man ihn sich nur wünschen kann.“