Iranische Kanonenboote haben am Samstag nach Angaben einer britischen Behörde auf einen Tanker in der Straße von Hormuz geschossen.
Wie die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) mitteilte, berichtete der Kapitän des Tankers von einem Angriff durch zwei Kanonenboote der Iranischen Revolutionsgarden rund 37 Kilometer nordöstlich des Oman. Kurz zuvor hatte der Iran seine Entscheidung zur Öffnung der Straße von Hormuz für den Schiffsverkehr rückgängig gemacht.
Ohne Vorwarnung hätten die Boote "auf den Tanker geschossen". Der Tanker und die Besatzung sind demnach in Sicherheit, die Behörden ermitteln.
Nach Angaben eines Schiffverfolgungsdienstes gab es in der Straße von Hormuz einen Schusswechsel zwischen den Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) und indischen Handelsschiffen. Wie der Dienst TankerTrackers.com unter Berufung auf den maritimen Notrufkanal berichtet, drängten iranische Einheiten zwei Schiffe gewaltsam zurück. Betroffen sei unter anderem ein VLCC-Supertanker, der zwei Millionen Barrel (rund 272.000 Tonnen) irakisches Rohöl transportiert.
Iranische Blockade wegen US-Blockade
Die iranische Armeeführung begründete die neuerliche Blockade der immens wichtigen Schifffahrtsstraße laut Staatsmedien mit der anhaltenden US-Blockade iranischer Häfen. Die Straße von Hormuz stehe nun erneut "unter strenger Führung und Kontrolle der Streitkräfte", so lange die USA nicht die freie Schifffahrt zum Iran ermöglichten, hieß es.
Teheran hatte am Freitag nach dem Inkrafttreten einer Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon eine Öffnung der Straße von Hormuz für Handelsschiffe bekannt gegeben. Durch die Meerenge verläuft normalerweise ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgaslieferungen. Die Märkte reagierten zunächst erleichtert, der Ölpreis sackte ab, der zuvor wegen der Blockade weltweit massiv angestiegen war.
US-Präsident Donald Trump hatte die Öffnung begrüßt, kündigte aber zugleich an, die US-Blockade iranischer Häfen bleibe bis zu einem Abkommen mit Teheran über ein endgültiges Kriegsende bestehen. Daraufhin drohte der Iran mit einer erneuten Sperrung der Meerenge.
Die US-Streitkräfte hätten seit Beginn ihrer Blockade in dieser Woche bisher 21 Schiffe zum Umkehren aufgefordert, teilte indes das für die Region zuständige US-Zentralkommando CENTCOM in der Nacht auf Samstag auf X mit. Dazu veröffentlichte es eine Aufnahme von einem im Arabischen Meer patrouillierenden US-Lenkwaffenzerstörer.
Bald weitere Verhandlungsrunde?
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar war die Straße von Hormuz de facto durch die iranischen Revolutionsgarden weitgehend gesperrt. Am vergangenen Wochenende war eine erste Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ohne Ergebnis zu Ende gegangen.
Nach Angaben Trumps könnte es bald zu einer zweiten Verhandlungsrunde kommen. Eine Friedensvereinbarung mit dem Iran sei "sehr nah", sagte er am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Es gebe bei den Gesprächen "überhaupt keine Knackpunkte" mehr.
Zuvor hatte Trump in seinem Onlinedienst Truth Social erklärt, die USA würden "den ganzen Atomstaub bekommen, geschaffen durch unsere großartigen B2-Bomber". Damit bezog er sich auf das angereicherte Uran des Iran und die Angriffe der USA auf iranische Atomanlagen im Juni vergangenen Jahres. Bereits am Donnerstag hatte Trump gesagt, der Iran habe "zugestimmt, uns den Atomstaub zurückzugeben". Am Freitagabend kündigte Trump sogar an, das iranische Uran in die USA zu bringen. "Wir werden es bekommen, indem wir in den Iran reingehen, mit vielen Baggern", sagte Trump in einer Rede in Phoenix im US-Staat Arizona. "Wir werden es sehr bald zurück in die USA bringen."
Der Iran dementierte dagegen eine angebliche Bereitschaft zur Übergabe seines angereicherten Urans. "Das angereicherte Uran des Iran wird nirgendwohin transferiert", stellte der iranische Außenamtssprecher Esmail Baghaei am Freitag klar.