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Charlize auf Männerfang in Young Adult

Interview

Charlize auf Männerfang in Young Adult

Eine Frau, bildschön, doch frei von Skrupeln aller Art, fährt in die Provinz ihrer Kindheit. Diese Mavis (großartig: Charlize Theron) ist frisch geschieden und hat sich jetzt in den Kopf gesetzt, ihre alte Teenager-Liebe zurückzugewinnen. Koste es, was es wolle. Dass ihr Ex längst zum Ehemann und Vater wurde, ist ihr egal.

Hier der Trailer zum Film

Ein Film über Menschen
Das ist der Plot des Berlinale-Hits Young Adult, der am 23.2 in Österreich anläuft. Regie-Star Jason Reitman (34), der für das hochfliegende Clooney-Drama Up in The Air drei Oscar-Nominierungen bekam, inszeniert die Story als sehr dunkle Farce über eine Frau, die nicht merkt, wie sie sich allmählich lächerlich macht: "Ich wollte einen Film über einen Menschen drehen, der es nicht schafft, sich zu ändern."

Liebe
"Ich liebe diese Figur", sagt Reitman über die bornierte Schönheit Mavis - und er schwärmt von seiner Hauptdarstellerin: "Bei Charlize Theron hat man nie das Gefühl, dass sie einem etwas vorspielt. Sie beherrscht die Kunst, ganz in einer Rolle aufzugehen und realistisch zu sein."

Themen

Jason, Sohn des Hollywood-Regisseurs Ivan Reitman (Ghost Busters), bevorzugt bei seinen Filmen die schwierigen Stoffe: "Ich gehe immer weiter weg von der Komödie und will mich Themen widmen, die mir selber unbehaglich sind. Denn Probleme sind einfach interessanter als angenehme Situationen."

 

ÖSTERREICH traf Reitman bei der Berlinale zum Interview.

ÖSTERREICH:Was hat Sie an der sehr ungewöhnlichen Romanze „Young Adult“ gereizt?

Jason Reitman:Ich wollte einen Film über Menschen drehen, die sich nicht ändern können. In meinem letzten Film „Up In The Air“ bekamen die Protagonisten zum Schluss die Chance, sich zu ändern, aber ich glaube, in der Realität  geschieht das nicht. Denn es ist verdammt schwer, seinem Leben eine neue Richtung zu geben.

ÖSTERREICH:Aber in „Up In The Air“ hatten Sie mit dem einsamen Vielflieger George Clooney einen Sympathieträger. In „Young Adult“ ist es sehr schwer,  die verbohrte Männerjägerin Charlize Theron so richtig gern zu haben.

Reitman: Das ist interessant! Clooney spielt einen Mann, der von Berufs wegen Leute feuert und der die Ansicht vertritt, die Menschen sollten keine engen Beziehungen eingehen. Die Zuschauer mögen ihn. Charlize hingegen spielt eine verliebte Frau, die ihren Ex-Freund zurückhaben will. Und die Zuschauer mögen sie nicht. Aber ich habe sie mit ihrer Hertnäckigkeit und ihren Tricks ins Herz geschlossen. Ich liebe diese Figur! Sie interessiert mich viel mehr als ihr Ex-Freund mit seiner kleinen Familie. Die sind - auf eine mutige Art – langweilig mit ihrem Leben in der Provinz..

ÖSTERREICH:Warum haben Sie die Hauptrolle mit Charlize Theron besetzt?

Reitman: Charlize beherrscht die Kunst, ganz in einer Rolle aufzugehen und ihre Figuren mit großer Ehrlichkeit total realistisch zu machen. Wenn man ihr zuschaut, hat man nicht das Gefühl, dass sie spielt. Ich wollte keine Karikatur, keine dümmliche Figur als Protagonistin. Und diese Gefahr besteht bei Charlize nicht.

ÖSTERREICH:Wie schon bei Ihrer Teenager-Komödie „Juno“ stammt das Drehbuch wieder von der Ex-Stripperin Diablo Cody, die damals den Oscar gewann.

 

Reitman:Das ist ein großes Glück für mich – ihre Storys machen meine Filme viel interessanter. Dabei haben wir haben bei der Herstellung des Films gar nicht viel miteinander zu tun. Sie schreibt ihr Script, und wenn sie fertig ist, arbeiten wir vielleicht zwei Wochen gemeinsam an der Story. Danach drehe ich den Film. Das klappt ganz vorzüglich! Ihre Bücher haben eine außerordentlich hohe Qualität, und sie drückt Gefühle aus, die ich noch nie artikulieren konnte.

ÖSTERREICH:Wie schaffen Sie es dann, aus einem sehr persönlichen Diablo-Cody-Buch einen sehr persönlichen Jason-Reitman-Film zu machen?

Reitman: Es ist komisch: Wenn ich an meine Filme denke, kommen sie mir immer total autobiografisch vor. Natürlich gilt das nicht im direkten Sinn – ich war nie ein Tabak-Lobbyist wie in „Thank You For Smoking“ oder ein schwangeres Teenager-Mädchen wie in „Juno“ (lacht).  Doch ich fühle mich eng verbunden mit den Sorgen und den Kämpfen der Figuren. Es kommt mir so vor, als wären das meine eigenen Probleme. Wäre es anders, könnte ich die Filme gar nicht machen.

ÖSTERREICH: Ihre Figuren scheinen stets direkt aus dem wirklichen Leben entsprungen zu sein.

Reitman: Das sehe ich  auch so. Ich gehe immer weiter weg von der Komödie. Es interessiert mich viel mehr, wenn der Humor aus der Realität destilliert wird. Und ich will mich Themen widmen, die mir selber unbehaglich sind. Denn Probleme sind einfach interessanter als angenehme Situationen. Niemand will auf der Leinwand Figuren sehen, die einfach nur glücklich sind.

ÖSTERREICH:In diesem Zusammenhang: Wie beurteilen Sie die Filme Ihres Vaters Ivan Reitman, der Komödien wie „Ghostbusters“ oder „Kindergarten Cop“ drehte?

 

Reitman:Seine Filme haben das Ziel, die Leute fröhlich zu machen.. Das liegt vielleicht an der unterschiedlichen Art, in der mein Vater und ich aufwuchsen. Mein Vater stammt aus einer Familie von Holocaust-Überlebenden. Als er vier Jahre alt war, flohen meine Großeltern mit ihm aus der kommunistischen Tschechoslowakei und sie kamen nach Kanada – in ein Land, dessen Sprache sie nicht verstanden. Sie hatten nichts, mein Großvater betrieb eine Autowaschanlage. Da ist es doch verständlich, wenn mein Vater den Wunsch hat, die Leute glücklich zu machen.

ÖSTERREICH:Und wie war es bei Ihnen?

Reitman:Ich hingegen wuchs in sehr komfortablen Verhältnissen in Beverly Hills auf. Daraus wuchs vielleicht mein Bestreben, unbequeme Filme zu machen. Und weil meine Filme viel Geld eingespielt haben, bekomme ich relativ leicht die Budgets für neue Projekte. Allerdings: Wenn der Erfolg einmal ausbleibt, ist das rasch vorbei. Dann muss ich mich nach etwas anderem umsehen. Als nächstes drehe ich „Labor Day“, einen Film, den ich selbst geschrieben habe. Kate Winslet und Josh Brolin sind die Hauptdarsteller. Im juni fangen wir an: Das wird ein düsteres Drama, keine Komödie.

ÖSTERREICH:Wie sehen Sie die aktuelle Lage der Filmszene?

Reitman: Es passieren derzeit viele aufregende Dinge. Am wichtigsten sind die kleinen, billigen Digitalkameras, die viel dazu beitragen, das Independent-Kino zu demokratisieren. Dank dieser Kameras werden wir neue Filmemacher erleben, die aus dem Nichts kommen und zu wichtigen Stimmen dieser Generation werden. Einfach deshalb, weil sie mit winzigen Budgets Filme drehen können, ohne jemand um Erlaubnis fragen zu müssen.

Interview: Gunther Baumann

„Young Adult“.Von Jason Reitman. Mit Charlize Theron, Patton Oswalt. Ab 23. Februar in Österreichs Kinos.

 

 

 

 

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