Bob Geldof als Star zum Anfassen in Wien

Burgtheater

Bob Geldof als Star zum Anfassen in Wien

Es war ein spezieller Abend für viele, für einen aber ganz besonders: Bob Geldof feierte am Mittwoch, 5.10., im Rahmen der "Burg in Concert"-Reihe in Wien seinen 60. Geburtstag, und zwar mit einem Konzert, das sich hören und sehen lassen konnte. Keine ablenkenden Effekte, kein auf Bombast getrimmter Sound, sondern direkte, energievoll vorgetragene Songs aus beinahe vier Dekaden Musikgeschichte. "Das ist das Schöne am Alter: Ich kann Songs spielen, die ich schrieb, als ihr noch nicht geboren wurdet", witzelte der gut gelaunte 60-Jährige mit dem Publikum. Dieses dankte es dem Musiker und Politaktivisten nicht nur mit frenetischem Applaus, sondern auch einer leicht schiefen "Happy Birthday"-Version.

Anheizerin Jem Cooke

Bis es soweit war, durfte die junge Londoner Sängerin Jem Cooke, an der Gitarre unterstützt von ihrem Vater Dave, die Anheizerin geben. Charmante Popperlen mit großer Stimme vorgetragen nahmen die Hörerschaft nach anfänglicher Skepsis für die sympathische Blondine ein, die zwischen kleinen Hustern und klassischen Bluesanleihen auch ihre Deutschkenntnisse zum Besten gab. Ein mehr als gelungener Wien-Einstand für Cooke, deren Songs wie "Little Ray", "Never" oder das liebliche "I Was In Love" wohl auch am 5. Dezember im WUK wieder zu bestaunen sein werden.

Wenig Verschnaufpausen
Danach ließen Geldof und seine sechs Mitstreiter, darunter sein ehemaliger Boomtown Rats-Kollege Pete Briquette, wenig Verschnaufpausen zu und pflügten mehr als solide durch ein stattliches Best-Of-Set, das mit einem seiner größten Solohits, "The Great Song Of Indifference", eröffnet wurde. Bald war klar, hier geht es nicht um aufpolierte, zurückgelehnte oder gar handzahme Musik: Der gebürtige Ire gab den stets zappeligen Rock'n'Roll-Entertainer, der seine Band sowie das Publikum von Anfang an fest im Griff hatte - und es vor allem laut haben wollte.

Bunt gemischt
Neue Stücke seines im Frühjahr veröffentlichen Soloalbums "How To Compose Popular Songs That Will Sell" wie das ungemein zwingend groovende "Systematic 6-Pack" oder das eher ruhige, ob des doch eigenwilligen Gesangs an ein betrunkenes Liebeslied mahnende "Dazzled By You" fügten sich nahtlos in die bunt gemischte Songauswahl. Nur wenige Male gab Geldof einen Kommentar zu den Stücken ab, fragte sich schon eher, wo denn all seine Geburtstagsgeschenke blieben? Ein Blumenstrauß fand schließlich den Weg auf die Bühne (und sollte am Ende durch ein von Burgdirektor Matthias Hartmann überreichtes Bouquet ergänzt werden), was den schlaksigen Geldof einigermaßen beruhigte: "Immerhin gibt es eine nette Person hier."

Ganz groß wurde es bei "One For Me", das aus dem ruhigen Anfangsmotiv zum stampfenden Reißer mutierte, oder dem hypnotischen Eröffnungsstück des aktuellen Albums, "How I Roll". Sein eigenes Geburtstagsständchen sang sich Geldof bei "Mary Of The Fourth Form", dem vielleicht zwingendsten Stück des Abends. Die größte Zustimmung des Auditoriums erfuhr aber erwartungsgemäß "I Don't Like Mondays". "Ihr habt es gehört, jetzt könnt ihr nach Hause gehen", konnte sich der im violetten Anzug auf der Bühne stehende Geldof einen sarkastischen Seitenhieb auf seinen mittlerweile über 30 Jahre alten Hit nicht verkneifen. Gegangen ist aber niemand, war das Ende doch lange noch nicht erreicht.

Zugaben
Denn auch nach den Zugaben wie "Here's To You", "Young And Sober" sowie einer Reprise des "Great Song Of Indifference", die wie so oft an diesem Abend den eigenwilligen Tanzstil des das ganze Konzert über Kaugummi kauenden Geldof hervorrief, durfte im Burgtheater weiter gefeiert werden. Immerhin ließ sich der von der Queen zum Ritter geschlagene Sänger etwa eine halbe Stunde nach dem Auftritt bereits auf der Party blicken, erhielt u.a. von Rudi Dolezal ein gerahmtes Foto und tauchte im Blitzlichtgewitter unter. Gratulationen, Schulterklopfer und Autogrammwünsche ließen da nicht lange auf sich warten.

Star zum Anfassen

Bob Geldof als Star zum Anfassen: Der gestrigen Abend belegte diese These, denn auch wenn der Initiator von "Band Aid" und "Live Aid" oft auf sein humanitäres und politisches Engagement - das in Liedern wie "Scream In Vain" auch zum Ausdruck kommt - reduziert wird, sind seine Fähigkeiten als Songschreiber keinesfalls zu unterschätzen. Egal ob "Joey's On The Street Again", das sehr fröhliche "Silly Pretty Thing" oder B-Seiten wie "Harvest Moon", das Material hat durchwegs Qualität. Und live ist Geldof auch im etwas betagten Rockstaralter nicht zu schlagen. Da stört es auch nicht, wenn die Reihen des Burgtheaters zur großen Geburtstagssause nicht auf den Platz gefüllt waren.
 

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