Kunsthalle: Patay übernimmt  Leitung

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Kunsthalle: Patay übernimmt Leitung

Die Kunsthalle Wien wird nach den Aufregungen der vergangenen Monate neu geordnet. Der unabhängige Verein wird in eine GmbH im Eigentum der Stadt umgewandelt. Dessen Aufsichtsrat soll unter der Führung von Sonja Hammerschmid, Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität, künftig die finanzielle Gebarung kontrollieren. Der umstrittene Direktor des Hauses, Gerald Matt, ist mit 1. Jänner 2012 für drei Monate bei vollen Bezügen dienstfrei gestellt. In dieser Zeit verantwortet Kunsthaus-Geschäftsführer Franz Patay interimistisch die Geschicke der Kunsthalle. Die noch auszuschreibende neue kaufmännische Geschäftsführung wird künftig der künstlerischen Leitung gleichgestellt. Das teilte die rot-grüne Koalition am Freitag mit.

Dieses Paket, das auch die vollkommene Loslösung der Kunsthallen-Tochter KÖR (Kunst im öffentlichen Raum) sowie die Einhaltung von sogenannten Corporate-Governance-Kriterien (für eine seriöse und transparente Unternehmensführung) beinhaltet, sickerte bereits am Mittwoch durch. Die Details stellten Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) und der Kultursprecher der Wiener Grünen, Klaus Werner-Lobo, im Wiener Museum auf Abruf - statt in der Kunsthalle selbst - vor. Auch außerhalb der Koalition stieß die Umwandlung des Vereins in eine GmbH am Freitag auf breite Zustimmung, nur hinsichtlich der Zukunft von Gerald Matt schieden sich selbst innerhalb der Koalition die Geister.

"Wir versuchen bis Ende März eine möglichst lückenlose Aufklärung - ergebnisoffen", betonte Mailath-Pokorny und äußerte grundsätzliche Zufriedenheit mit der inhaltlichen Arbeit von Matt. Werner-Lobo dagegen hält den künstlerischen Zenit des seit 1996 aktiven Kunsthallenleiters für "überschritten". "Es ist kein Geheimnis, dass unsere Lust, Gerald Matt wieder als Direktor der Kunsthalle zu sehen, endenwollend ist", so Werner-Lobo. "Aber unsere Lust ist auch nicht groß, ihn bei vollen Bezügen bis Ende der Vertragszeit spazieren zu schicken." FPÖ und BZÖ begrüßten in ersten Reaktionen das "Schachmatt" und forderten einen endgültigen Abgang des Direktors.

Matt will seinen Vertrag erfüllen
Diesen plant Matt allem Anschein nach jedoch nicht. Er kritisierte in einer Stellungnahme der Kunsthalle die "Partei- und Machtpolitik der Grünen" und betonte, er habe "stets korrekt für die Kunsthalle Wien gearbeitet" und plane dementsprechend auch, seinen bis Ende 2014 laufenden Vertrag zu erfüllen. Auch der Vorstand der Kunsthalle sprach ihrem Direktor das Vertrauen aus, die temporäre Dienstfreistellung sei nur "aus politischen Gründen und auf Druck" angeordnet worden. Man werde auch erst in Verhandlungen hinsichtlich der Überführung des Vereins in eine GmbH eintreten, so Kunsthallen-Präsident Thomas Häusle. Mailath-Pokorny hatte angekündigt, die Überführung solle am 26. Jänner im Gemeinderat beschlossen werden.

Grüne: "Notbremse"
Die Grünen verbuchten die Neuregelung unterdessen als Erfolg der Regierungsbeteiligung. "Ich habe die Entscheidung getroffen, die Notbremse zu ziehen", sagte Werner-Lobo, für den hinsichtlich der Vorwürfe gegen Matt - u.a. der Einsatz von Mitarbeitern der Kunsthalle für private Zwecke, Verrechnung privater Dienstleistungen über die Kunsthalle sowie frisierte Besucherzahlen - nun die Gerichte am Zug sind. "Aber uns geht es nicht nur um strafrechtliche Angelegenheiten, sondern auch um kulturpolitische Mindeststandards." Mailath-Pokorny sprach da lieber von einem "Turbo" statt von einer "Notbremse" und versprach, dass man sich bis Ende März um eine "lückenlose Aufklärung" kümmern werde.

Dafür sollen unter anderem die neuen Organe sorgen, ab 1. Februar soll die GmbH tätig werden. Dass die Überführung des Vereins in die GmbH ein "komplexes Verfahren" und "einiger Aufwand" sei, wollte Mailath-Pokorny indes nicht verhehlen. "Die Alternative wäre aber, weiter zu warten, bis ein rechtskräftiges Urteil abgegeben ist", bat der Kulturstadtrat um Verständnis. Die Stadt Wien wird die zukünftige Eigentümerin der Kunsthalle sein, als Kontrollorgan fungiert ein neuer Aufsichtsrat mit Sonja Hammerschmid an der Spitze. "Wir treten nicht an, um die besseren Kuratoren zu sein, sondern um die Geschäfts- und Subventionsgebarung zu prüfen", erklärte sie. Patay freute sich indes auf die "komplexe Herausforderung".

Im Aufsichtsrat der GmbH sitzt mit Ottakringer-Chef Siegfried Menz nur mehr ein Mitglied des bisherigen Vereinsvorstands, neben Hammerschmid und Menz werden auch Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner, Kulturamtsleiter Bernhard Denscher, der freie Kurator Martin Fritz sowie Betriebsräte der Kunsthalle im Aufsichtsrat sitzen. Der bisherige Verein soll in einen Freundesverein für die Kunsthalle ohne städtische Subventionen umgewandelt werden. Für Mailath-Pokorny ist diese Neuordnung eine gute Lösung: "Ich bin im Grunde gegen Crash-Varianten. Man muss nicht irgendwas gegen die Wand fahren, um einen konstruktiven Neuanfang zu starten."
 

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