Verdi-Oper

"La Traviata" mit Fehlgeburt in Salzburg

Am Beginn ist "Violetta" hochschwanger. Dann natürlich wieder nicht. Denn es wäre ebenso unpraktisch wie explizit erklärungsbedürftig, warum die von Alexandre Dumas inspirierte Edelkurtisane zwei Stunden lang mit Babybauch schmachten, lieben und leiden sollte. Am Ende aber stirbt die Titelheldin an einer Fehlgeburt. Von Schwindsucht keine Spur. Abgesehen von dieser inszenierten Merkwürdigkeit fand gestern, Sonntag, Abend im Haus für Mozart aber gute Oper statt. Salzburg hat eine neue "Traviata" - das Landestheater zeigt die Verdi-Oper sowohl ästhetisch als auch musikalisch auf beachtlich hohem Niveau.

Diashow "La Traviata" in Salzburg - Szenenbilder

"La Traviata" in Salzburg

Musikalische Leitung: Leo Hussain, Regie: Andreas Gergen, Bühne: Stephan Prattes.

"La Traviata" in Salzburg

Musikalische Leitung: Leo Hussain, Regie: Andreas Gergen, Bühne: Stephan Prattes.

"La Traviata" in Salzburg

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Musikalische Leitung: Leo Hussain, Regie: Andreas Gergen, Bühne: Stephan Prattes.

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Musikalische Leitung: Leo Hussain, Regie: Andreas Gergen, Bühne: Stephan Prattes.

"La Traviata" in Salzburg

Musikalische Leitung: Leo Hussain, Regie: Andreas Gergen, Bühne: Stephan Prattes.

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Vieles funktioniert
Der Salzburger Opernchef und Regisseur Andreas Gergen hat dick aufgetragen und das Drama quasi verdoppelt. Die Geschichte um die vom Pfad der Tugend abgekommene (übers.: "La Traviata"), und jetzt emotional geläuterte Lebefrau ist durch diesen schaurigen Reiz aber nicht berührender geworden. Der freiwillige Verzicht auf die große Liebe im Interesse einer abstrakten und schwach argumentierten Familienehre wurde durch bedeutungsschwangeres Herumspielen mit einer Puppe und schließlich das blutige Gebären eines Fleischklumpens nicht plausibler. Aber Schwamm drüber. Denn unter dem Strich funktioniert vieles in dieser "Traviata"-Inszenierung.

Da sind zuerst die Lebendigkeit und die ästhetische Kraft des zentralen Bühnenbildes von Stephan Prattes. In bis unter die Decke des Kleinen Festspielhauses übereinandergestapelten Räumen wird jene Unzucht getrieben, die unten auf der Bühne für Skandale sorgt. Reporter übertragen das Geschehen via Fernsehen zurück in diese Zellen, in denen ebenso risikolos wie voyeuristisch an den großen Gefühlen mitgenascht werden kann. Damit ist dem Regieteam ein Querverweis auf zeitlose Doppelmoral geglückt, ohne dem Libretto den Arm zu verdrehen.

Als Rückzugsrefugium der verzweifelt Liebenden hat Gergen ein Wohnmobil auf die Bühne gestellt. Dort spielt die Schlüsselszene des Stoffes, nämlich das Liebesopfer. Aber der herzzerreißende Verzicht auf die Liebe des Lebens ist durch den touristischen Globetrotter auf vier Rädern zum Gag degradiert. Auch darunter leidet der neue Verdi in Salzburg.

Doch dann tanzen lüsterne Stiere mit knackigen Hintern (Choreographie: Peter Breuer), und Damen in Strapsen (Kostüme: Susanne Hubrich) vertreiben die Schwermut. Viele Vorhangfahrten suggerieren Tempo, ohne dass den Helden schauspielerische Aktion abverlangt wird, die vom Schmettern ablenken würde. Ja, die Landestheater-"Traviata" ist nicht zuletzt musikalisch gut.

Leo Hussain hat die kompositorisch raffinierte und mit großen, emotional ganz dicht am Seelendrama orientierten Melodien gespickte Partitur deutlich zurückhaltend realisiert. Trotzdem trumpfte das Mozarteumorchester klanglich auf, wo Verdi dafür Platz geschaffen hatte. Ein paar wenige Anfangswackler ärgerten nur kurz, alles in allem: Großartiger Opernsound made in Salzburg. Auch der Chor des Landestheaters hat einen guten Lauf, wie schon in den vergangenen Produktionen zeigt die Formkurve nach oben - gutes Sängerhandwerk.

Gastsolisten
An der Bühnenrampe standen drei Gastsolisten, die am Gesamterfolg von Verdis "La Traviata" in Salzburg erheblichen Anteil hatten. Allen voran "Alfredo" Luciano Ganci, dessen Tenor genau jene heldenhaft schmelzende Italianita vermittelte, ohne die Belcanto nicht funktioniert. Manches geriet intonationstechnisch ein wenig tief, und einer der zentralen Spitzentöne misslang jämmerlich. Und doch: Wer so klingt, darf patzen. "Violetta" Gladys Rossi vibrierte viel und klang nicht ganz so groß wie Ganci. Dennoch: Mit Gladys Rossi hat das Landestheater eine musikalisch und technisch reife Solistin engagiert, der die "Violetta" auf den Leib geschrieben scheint. Michele Calmandi gab einen seriösen, der Rolle entsprechend kontrollierten und gepflegten "Giorgio Germont".

Auch das hauseigene Solistenensemble des Landestheaters hielt mit. So gab Simon Schnorr den erwartet guten "Barone" und Franz Supper einen ebensolchen "Gastone". Auch Emily Righter als "Flora", Karolina Plickova als "Annina", Latchesar Spasov als "Commissionario", der kurzfristig eingesprungene Johannes Wiedecke als "Dottore Grenvil" und Einar Gudmundsson als "Marchese" waren

Mehr Infos
www.salzburger-landestheater.at
 

Autor: APA / Lindenbauer
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