Austro-Kino

"Bruno - Der junge Kreisky": Die Jugend des Sonnenkönigs

"Bruno - Der junge Kreisky"
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Harald Sicheritz hat einen Film über die Wandlung eines jüdischen Bürgersohns zum Jungarbeiterführer gedreht - Ab 2. Oktober im Kino
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Ein schüchternes, aber beharrliches Bürgersöhnchen mit tadellosem Benehmen und sozialrevolutionären Ideen will unbedingt zur Arbeiterjugend, weil dort nicht nur geredet, sondern auch gehandelt wird. Was Harald Sicheritz in dem Film "Bruno - Der junge Kreisky" erzählt, klingt wie ein Märchen, sieht über weite Strecken auch so aus, ist aber "bis ins Detail wahr", versichert der Regisseur. Nach der Premiere am Dienstag im Gartenbaukino folgt am Freitag der Kinostart.

Zwei Filmprojekte über den alten Kanzler, der als "Sonnenkönig" für die SPÖ nicht nur dreimal die Absolute eroberte (1971, 1975, 1979), sondern auch nahezu absolutistisch regierte, hatte der 1958 geborene Regisseur abgelehnt. Die Idee, einen Film über die prägenden Jugendjahre des späteren Parteiführers und damit auch über die Erste Republik zu drehen, habe ihn fasziniert, so Sicheritz, der das Drehbuch gemeinsam mit Fritz Schindlecker und der Historikerin Helene Maimann verfasste.

"Bruno - Der junge Kreisky"
"Bruno - Der junge Kreisky" © Hersteller

Entlang der historischen Wahrheit

Letztere ist Garantin dafür, dass mit dem Biopic keine Geschichtsklitterung oder Verherrlichung betrieben wird. So nimmt man zur Kenntnis, das vieles, was einem an Handlung und Begleitumständen überrascht, wohl der historischen Wahrheit entspricht - von der frühen Hingezogenheit des jüdischen Bürgersohns zum Proletariat über seine charmante Bubenhaftigkeit im Umgang mit Frauen bis hin zu seiner Bereitschaft, sich im politischen Kampf auch der Gefahr auszusetzen.

Kreiskys auch international Aufsehen erregendes Auftreten bei seinem Prozess und seine Haft mit einem Kommunisten und einem Nationalsozialisten in der gemeinsamen Zelle, sind verbürgt. Sein solidarisches Verhalten auch gegenüber politischen Gegnern hat ihm wohl, wie es der Film zeigt, den Kopf gerettet und die Emigration ermöglicht. Mit der Wahl von Bolivien aus einer ihm vorgelegten Liste möglicher Zielländer endet der Film. Kreisky gelangte im Herbst 1938 jedoch nach Schweden und blieb dort 12 Jahre im Exil. Seine Heimkehr war auch in den eigenen Reihen durchaus umstritten - das ist aber eine andere Geschichte (und möglicherweise ein anderer Film).

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"Bruno - Der junge Kreisky" © Hersteller

Großer Aufwand, ungelüftetes Geheimnis

"Bruno - Der junge Kreisky" konzentriert sich mit großem Ausstattungsaufwand (Szenenbild: Patrick Steve Müller, Kostümbild: Monika Buttinger) auf die Hingabe eines jungen Mannes an eine Idee, die durch die Umstände keineswegs naheliegend erscheint. Dem Geheimnis dahinter kommt der Film nicht auf die Spur. Nils Arztmann in der Titelrolle bleibt nicht nur in Herkunft und Habitus ein von den "echten" jungen Arbeitern verlachter Fremdkörper, in seinen Kopf lässt der Film nicht hineinschauen. Dass daran auch seine Eltern (Marie-Therese Futterknecht und Juergen Maurer) scheitern und ihnen die Verwandlung ihres Buben unerklärlich bleibt, ist ein liebenswerter Randaspekt.

"Bruno - Der junge Kreisky"
"Bruno - Der junge Kreisky" © Hersteller

Stattdessen darf der junge Kreisky in einer Affäre mit dem Dienstmädchen (Maresi Riegner) ebenso seine Anständigkeit beweisen wie im Staatspolizei-Verhör. Doch Sicheritz deutet eine Entwicklung an: Je höher Kreisky sich in der Parteihierarchie hinaufarbeitet, desto mehr passt er dazu. Eine Aussprache mit Otto Bauer (Johannes Silberschneider) wirkt im Kontrast zwischen bürgerlicher Gemütlichkeit und besprochener Schreckensvision für Partei und Land fast schon als Satire.

Justizpalastbrand und Bürgerkrieg

Die einschneidenden Ereignisse der österreichischen Zeitgeschichte adäquat einzubinden, gelingt dem Film (Kamera: Thomas Kürzl, Montage: Paul Michael Sedlacek) nicht. Das blutige Einschreiten der Polizei vor dem Justizpalast, ein erschreckendes und prägendes Erlebnis für den jungen Kreisky, wird mit entfärbten Close-ups, die den jungen Mann inmitten von Aufruhr und Tod zeigen, ästhetisiert, die Folgen des Bundesheer-Einsatzes im Bürgerkrieg durchschreitet Kreisky in einer von penibel arrangierten Bränden und Trümmern geprägten Szene wie der junge James Dean die New Yorker Vorstadt. Beide Versuche wirken missglückt.

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"Bruno - Der junge Kreisky" © Hersteller

Der Nachspann und das mit viel Liebe gestaltete Buch zum Film würdigen die Errungenschaften der "Ära Kreisky". Keine Frage: Das Leben und Wirken des 1990 gestorbenen Staatsmannes hat viel Gutes bewirkt, Bleibendes hinterlassen und ist wohl noch lange nicht auserzählt. Unfreiwillig erzählt "Bruno - Der junge Kreisky" allerdings auch davon, wie schwer es die einstige Massenpartei hat, ihre weiter gültigen und wichtigen Inhalte in der heutigen Zeit passend und packend zu vermitteln.

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