Dürre & Hitze

Katastrophale Erntebilanz in der Steiermark

Ein Traktor pflügt ein trockenes, staubiges Feld unter wolkigem Staub auf einem Getreideacker.
© Apa
Anhaltende Trockenheit und extreme Temperaturen haben bei zahlreichen Kulturen zu massiven Einbußen geführt. Während die Versorgung vorerst gesichert scheint, wächst die Sorge vor weiteren Dürrejahren, steigenden Lebensmittelpreisen und dem Aus für zusätzliche landwirtschaftliche Betriebe.
OE24 auf Google bevorzugen

Steiermark. Die Ernte 2026 zählt zu den schlechtesten in der Geschichte der steirischen Landwirtschaft. Monatelange Trockenheit und außergewöhnlich hohe Temperaturen haben auf den Feldern tiefe Spuren hinterlassen. Zahlreiche Kulturen erlitten erhebliche Schäden, teilweise kam es sogar zu vollständigen Ernteausfällen. Landwirtschaftskammer-Präsident Andreas Steinegger spricht vom schwierigsten Jahr der vergangenen Jahrzehnte.

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung der klimatischen Bedingungen. Die durchschnittliche Monatstemperatur lag laut Landwirtschaftskammer um vier Grad Celsius über dem üblichen Wert. In einzelnen Gemeinden blieb der Niederschlag nahezu vollständig aus. Die Folgen treffen sowohl Ackerbaubetriebe als auch Grünlandbauern und Obstproduzenten.

Trotz der dramatischen Situation geht die Landwirtschaftskammer davon aus, dass die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln vorerst aufrechterhalten werden kann. Dabei soll auch ein kurzfristiger Austausch innerhalb Österreichs helfen. Ein weiteres vergleichbares Dürrejahr könnte die Situation jedoch erheblich verschärfen.

Massive Ernteausfälle bei Erdäpfeln und Äpfeln

Wie schwer die Landwirtschaft betroffen ist, zeigen die Erntezahlen. Besonders dramatisch fällt die Bilanz bei Erdäpfeln aus. Hier liegen die Erträge rund 50 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Auch im Obstbau sind die Verluste erheblich. Bei Äpfeln wurde ein Rückgang von etwa 35 Prozent verzeichnet. Bei gentechnikfreiem Soja beträgt das Minus rund 20 Prozent. Noch stärker trifft es die Grünlandwirtschaft. In besonders exponierten Lagen fehlen bis zu 70 Prozent des üblichen Futterertrags. Auch die steirischen Spezialkulturen Kren und Käferbohne haben unter den außergewöhnlichen Wetterbedingungen gelitten.

Zusätzlich begünstigte die anhaltende Hitze die Ausbreitung von Schädlingen und verschärfte damit die ohnehin angespannte Lage auf den landwirtschaftlichen Flächen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind für viele Betriebe bereits deutlich spürbar. Fehlende Erträge bedeuten geringere Einnahmen, während gleichzeitig zusätzliche Kosten für Futtermittel und andere notwendige Maßnahmen entstehen.

Landwirtschaft sucht nach Lösungen

Angesichts der immer extremeren Wetterbedingungen setzt die Landwirtschaftskammer verstärkt auf Forschung und Anpassungsmaßnahmen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung und Erprobung von Pflanzensorten, die mit Trockenheit und hohen Temperaturen besser zurechtkommen. Darüber hinaus sollen landwirtschaftliche Betriebe gezielt beraten werden, um ihre Bewirtschaftung an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen.

Sorge vor steigenden Lebensmittelpreisen

Neben den unmittelbaren Ernteverlusten befürchtet die Landwirtschaftskammer langfristige strukturelle Folgen. Steinegger rechnet damit, dass angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen weitere landwirtschaftliche Betriebe ihre Tätigkeit einstellen könnten. Besonders gefährdet seien jene Bauernfamilien, die bereits seit längerer Zeit über eine Betriebsaufgabe nachdenken. Wiederkehrende Ernteausfälle und steigende Produktionskosten könnten eine endgültige Entscheidung beschleunigen.

Auch Konsumentinnen und Konsumenten müssen sich möglicherweise auf Veränderungen einstellen. Zwar dürften die Auswirkungen der schlechten Ernte kurzfristig nicht überall unmittelbar spürbar sein, langfristig könnten jedoch höhere Lebensmittelpreise folgen. Steinegger verweist darauf, dass wiederholte Extremwetterereignisse die Produktionskosten zunehmend in die Höhe treiben. Diese Mehrbelastungen könnten sich letztlich auch auf die Verkaufspreise auswirken.

Kammer ortet dringenden Handlungsbedarf

Die Landwirtschaftskammer sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf. Forschung, angepasste Bewirtschaftungsmethoden und gezielte Beratung sollen helfen, die heimischen Betriebe widerstandsfähiger zu machen. Die Erntebilanz 2026 zeigt allerdings deutlich, wie stark die steirische Landwirtschaft bereits heute von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen ist.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden