Krieg im Libanon

Netanyahu lässt Beirut angreifen

LEBANON - APRIL 12: (----EDITORIAL USE ONLY - MANDATORY CREDIT - 'KOBI GIDEON - GPO / HANDOUT' - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS----) Prime Minister of Israel Benjamin Netanyahu visits an Israeli military unit stationed in the occupied territory of southern Lebanon on April 12, 2026. (Photo by Kobi Gideon - GPO/Anadolu via Getty Images)
© Anadolu via Getty Images
Präsident Aoun: Verhandlungen sicherer als Krieg - Israelischer Soldat getötet - Meinl-Reisinger übt scharfe Kritik an Israel wegen Offensive
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Mit dem Vormarsch israelischer Bodentruppen im Libanon und möglichen neuen Angriffen im Raum von Beirut eskaliert der Krieg in dem kleinen Mittelmeerland weiter. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte neue Angriffe auf Ziele der Hisbollah in Beiruts Vororten an, woraufhin viele Bewohner die Flucht ergriffen. Im Norden Israels ertönten unter neuem Beschuss der Miliz immer wieder Warnsirenen.

Netanyahu und sein Verteidigungsminister Israel Katz wiesen die Armee an, "terroristische Ziele der Hisbollah" in Beiruts Vororten anzugreifen, wie es in einer Mitteilung von Netanyahus Büro hieß. In einer Videobotschaft sagte Netanyahu anschließend, es werde keine Situation geben, in der die Hisbollah israelische Orte und Bürger angreife, während ihr Hauptquartier in Beirut verschont bleibe. Verteidigungsminister Israel Katz wiederum drohte: "Wenn es im Norden keine Ruhe gibt, wird es auch in Beirut keine Ruhe geben."

Israels Armee

Die als Dahiyeh bekannten Vororte gelten als Hochburg der Hisbollah, sind aber auch dicht bewohnt. Seit Mitte April eine Waffenruhe verkündet wurde, griff Israels Armee dort seltener an - laut Medienberichten auf Wunsch der US-Regierung. Israelische Medien berichteten nun unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, Washington habe grünes Licht gegeben für neue Angriffe im Raum der Hauptstadt.

Tote und Schäden nach Angriff nahe einem Krankenhaus

Im Tagesverlauf wurden bei einem israelischen Luftangriff nahe einem Krankenhaus in der Küstenstadt Tyrus nach libanesischen Angaben mindestens zwei Menschen getötet. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete, dass nach einer ersten Zählung 23 Personen verletzt worden seien. Der Strom auf der Intensivstation sei infolge des Angriffs ausgefallen.

Auf Bildern in sozialen Medien war zu sehen, wie die Räume des Krankenhauses zum Teil komplett verwüstet wurden. Lokale Medien berichteten, es seien massive Schäden entstanden. Die Kühlräume der Halle, in denen sich Leichen der im Konflikt Getöteten befanden, seien zertrümmert. Das gegenüber dem Krankenhaus gelegene Gebäude wurde Berichten zufolge von drei Raketen getroffen und dadurch nahezu komplett zerstört. Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht.

Nach jüngsten Angaben des Gesundheitsministeriums wurden im Libanon seit Ausbruch der aktuellen Eskalation Anfang März 3.433 Menschen getötet und mehr als 10.000 weitere verletzt.

Präsident Aoun: Verhandlungen sicherer als Krieg

Der libanesische Präsident Joseph Aoun will trotz der sich weiter zuspitzenden Lage zwischen Israel und der Hisbollah an Gesprächen mit der israelischen Regierung festhalten. "Verhandlungen sind sicherer als Krieg", sagte er vor einem Ausschuss der libanesischen Privatwirtschaft. Er betonte, Gespräche würden keine unmittelbaren Ergebnisse liefern, sondern benötigten Zeit.

Vorwürfe, Verhandlungen kämen einer Kapitulation gleich, wies Aoun zurück. Gespräche seien vielmehr ein Mittel, Kriege mit möglichst geringem Schaden zu beenden. Trotz möglicher Verzögerungen und Hindernisse halte die Regierung an ihrem Kurs fest. Krieg bringe keiner der beteiligten Seiten ein positives Ergebnis.

Israel warf er vor, die Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens nicht ausreichend unterstützt zu haben. Nach den Vereinbarungen hätte Israel fünf weiterhin besetzte Positionen im Südlibanon räumen müssen. Stattdessen habe das Land seine Militäroperationen und den Beschuss von Ortschaften unter Berufung auf Selbstverteidigung fortgesetzt, sagte Aoun.

Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) bezeichnete die Ausweitung der Offensive als "besorgniserregend". "Die Ankündigung von Angriffen auf Beirut verurteilen wir scharf. Das ist ein massiver Bruch des Waffenstillstands und eine weitere Eskalation", teilte sie in einer Aussendung mit. Zugleich bekräftigte sie die Forderung nach einer Entwaffnung der Hisbollah und pochte auf die Sicherheit der UNO-Soldaten im Libanon, die "höchste Priorität" für Österreich habe.

"Wir halten das nicht mehr aus"

Die libanesische Armee versuchte an den Grenzen zu Beiruts Vororten, angesichts der vielen fliehenden Menschen den Verkehr zu leiten. Einer von ihnen sagte, Eltern würden so schnell wie möglich ihre Kinder aus Schulen in dem Gebiet abholen, um die Gegend umgehend zu verlassen. Ein Bewohner namens Imad machte - wie viele Libanesen - die Hisbollah und ihren Anführer Naim Kassim verantwortlich. "Genug Schweigen. Wir halten das nicht mehr aus", sagte er der dpa.

Der UNO-Sicherheitsrat sollte am Montag auf Antrag Frankreichs zu einer Dringlichkeitssitzung zur Lage im Libanon zusammenkommen. Netanyahu hatte die Einnahme der mittelalterlichen Burg Beaufort im Süden des Libanon am Sonntag als "entscheidenden Wendepunkt" bezeichnet. Seine Anweisung laute nun, die Kontrolle über Gebiete, "die unter der Kontrolle der Hisbollah standen", zu vertiefen und auszuweiten.

Weitere Tote im Südlibanon

Bei einem israelischen Angriff in der Nacht wurden laut der libanesischen Staatsagentur NNA im Südlibanon acht Menschen getötet und 19 weitere verletzt. In Nordisrael gibt es derzeit wegen des Beschusses mit Raketen und Drohnen aus dem Nachbarland immer wieder Luftalarm. Israels Armee meldete auch einen weiteren getöteten Soldaten im Südlibanon. Israelischen Medien zufolge kam der Soldat bei einem Drohnenangriff der Hisbollah in der Nacht ums Leben.

Zwischen Israel und dem Libanon gilt seit Mitte April offiziell eine Waffenruhe, die von der pro-iranischen Hisbollah allerdings nicht anerkannt wird. Die Miliz, die im Libanon auch ein maßgeblicher politischer Faktor ist, setzt ihre Angriffe auf Israel fort, Israels Armee rückte in den vergangenen Tagen immer weiter in den Süden des Libanon vor.

Iran sieht den Libanon als Bestandteil von Vereinbarung

Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, erklärte, die israelischen Angriffe im Libanon verzögerten auch den diplomatischen Prozess zur Beendigung des Krieges zwischen den USA und dem Iran. Eine Waffenruhe im Libanon sei ein integraler Bestandteil jeder Vereinbarung.

Die USA haben nach den Worten eines Regierungsvertreters im Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon darauf gedrängt, dass die pro-iranische Miliz all ihre Angriffe auf Israel einstellt. "Im Gegenzug würde Israel von jeglicher Eskalation in Beirut absehen", sagte der US-Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. Demnach sprach US-Außenminister Marco Rubio mit Aoun und Netanyahu über die laufenden Verhandlungen. Die Hisbollah fordert, dass Israel zuerst die Angriffe einstellt.

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