Nur 25% haben einen sicheren Job

Studie

Nur 25% haben einen sicheren Job

Internationale Arbeitsorganisation beklagt wachsende Unsicherheit.

Nur ein Viertel der Arbeitskräfte weltweit hat einen sicheren bezahlten Arbeitsplatz. Drei Viertel haben hingegen befristete oder Zeitverträge, informelle Jobs ohne Vertrag oder gehen unbezahlter Familienarbeit nach. Dies geht aus dem am Dienstag in Genf veröffentlichten Jahresbericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hervor.

Nur mehr 42% in unbefristeten Arbeitsverhältnissen
 "Auch wenn diese Formen der Arbeit Menschen in einigen Fällen helfen können, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, reflektieren diese neuen Tendenzen die Unsicherheit, die die Arbeiter in der Welt heute trifft", kritisierte ILO-Generaldirektor Guy Ryder bei der Vorlage des Berichts "Die dynamische Natur von Arbeitsplätzen". Selbst von den Lohn- und Gehaltsempfängern hätten heute nur noch 42 Prozent einen unbefristeten Vertrag.

Weg vom klassischen Modell
Der Trend gehe weg vom klassischen Beschäftigungsmodell, bei dem sich Arbeitnehmer in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis zum Arbeitgeber befinden, Löhne und Gehälter empfangen, stabile Arbeitsplätze haben und Vollzeit arbeiten, erklärte die ILO. Gerade in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften büße dieses Standardmodell seine beherrschende Stellung immer mehr ein. Der Organisation zufolge sind im Laufe der vergangenen zehn Jahre außerdem die Lohnunterschiede zwischen ständig und temporär Beschäftigten stark gestiegen.

Der ILO-Jahresbericht, der 180 Länder und 84 Prozent der Arbeitskräfte weltweit untersucht, weist überdies auf große internationale Ungleichheiten hin. In den entwickelten Wirtschaftsnationen sowie in Zentral- und Südosteuropa seien etwa acht von zehn Arbeitnehmern Angestellte. In Südasien und in Afrika südlich der Sahara seien es hingegen etwa zwei von zehn. Die übrigen arbeiteten auf eigene Rechnung oder innerhalb ihrer Familie. Die Zunahme unsicherer Arbeitsverhältnisse gehe vielfach mit einer "Zunahme von Ungleichheiten und Armut" einher, warnte ILO-Chef Ryder.

Teufelskreis
Dadurch drohe sich auch der Teufelskreis von schwacher weltweiter Nachfrage und der langsamen Schaffung neuer Arbeitsplätze zu verstetigen, der seit der Finanzkrise die weltweite Wirtschaft und viele Arbeitsmärkte charakterisiere, sagte Ryder weiter.

Seine Organisation forderte die Regierungen in aller Welt daher auf, Arbeitskräfte besser gegen Willkür und ungerechte Behandlung zu schützen. Dies gelte auch für Europa, wo der Schutz der Arbeitnehmer seit der Finanzkrise im Jahr 2008 grundsätzlich zurückgefahren worden sei. Die Krise habe zu einem starken Anstieg der Teilzeitarbeit geführt, insbesondere bei Frauen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen weltweit im Jahr 2014 auf 201 Millionen Menschen an - das waren 30 Millionen mehr als vor der Finanzkrise von 2008.

Eine positive Entwicklung stellte die ILO bei Arbeitskräften fest, die unter der Armutsgrenze leben. Hätten vor 20 Jahren noch die Hälfte der Arbeitskräfte weltweit weniger als zwei Dollar (1,76 Euro) pro Tag verdient, habe dies 2014 nur noch auf ein Viertel zugetroffen. Zehn Prozent der Arbeitskräfte müssten allerdings mit Tageslöhnen unter 1,25 Dollar auskommen, hieß es in dem Jahresbericht.