In Leipzig prämiert: GOLDSTRAND von Katerina Poladjan.
Der Roman Goldstrand wurde dieses Jahr auf der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik als bestes Werk geehrt. Geschrieben hat diese Erzählung die 1971 in Moskau geborene Autorin Katerina Poladjan. Es ist ihr fünfter Roman, 2022 stand sie mit Zukunftsmusik schon einmal auf der Shortlist in Leipzig.
Reise
Die LeserInnen werden auf den rund 160 Seiten auf eine Reise von Odessa über Rom bis hin zu jenem Ort des Titels geführt. Regisseur Eli ist die Hauptfigur und blickt auf seine Vergangenheit zurück, er lässt diese in Rom auf der Couch der „Dottoressa“ analysieren. Seine Kindheit, das Aufwachsen und Erleben bieten allerlei Stoff für besondere Verknüpfungen mit dem Großen Ganzen, das Europa in dieser Zeit beherrschte. Goldstrand setzte sich unter anderem gegen den Roman Im ersten Licht des österreichischen Autors Norbert Gstrein durch, der thematisch - Umbrüche in Europa anhand einer zentralen Figur - ähnlich gelagert ist.
Jury: Selbstbefragung und Erfindung
„Meisterlich führt Katerina Poladjan vor, wie eine Biografie aus Selbstbefragung und Erfindung entsteht, aus Fabulieren und dem Umschiffen von Schmerz“, begründete die Jury die Auswahl. Sie bescheinigte der Autorin zudem eine leichte und zugleich abgründige Sprache. Für Poladjan spielte der Goldstrand im eigenen Leben eine große Rolle: Es war der Ort, an dem sie in den Ferien ihrer Oma begegnen konnte, nachdem sie und ihre Eltern von der Sowjetunion in den Westen geflüchtet waren: „Und da es in der Sowjetunion keinen Individualtourismus gab, mussten wir uns sehr konspirativ immer an diesem Goldstrand in Bulgarien treffen.“ Wundersam. Poladjan gelingt hier eine wundersame, fein gewobene Geschichte zwischen Dichtung und Wahrheit, die genüsslich in einem Rutsch zu lesen ist.