Eine der großen Stimmen des deutschen Schlagers geht hart mit ihrer eigenen Branche ins Gericht
Claudia Jung, seit Jahrzehnten eine feste Größe im Musikgeschäft, kritisiert die Entwicklung der Szene scharf – und stellt die Zukunft langlebiger Karrieren grundsätzlich infrage.
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Die 61-Jährige, die seit den späten 1980er-Jahren Erfolge feiert und mit zahlreichen Gold- und Platin-Auszeichnungen geehrt wurde, spart in einem aktuellen Interview mit Das Neue Blatt nicht mit deutlichen Worten. Aus ihrer Sicht hat sich das Geschäft grundlegend – und zum Schlechteren – verändert. Streaming habe die Regeln neu geschrieben, nachhaltige Karrieren seien dabei auf der Strecke geblieben.
„Gerade in der heutigen Zeit ist das, glaube ich, gar nicht mehr möglich, Karrieren auf die Beine zu stellen, die so eine lange Halbwertszeit haben“, sagt Jung. Sie selbst habe noch von einer Ära profitiert, in der Lieder entstanden seien, „die sich in die Köpfe der Menschen eingebrannt haben“. Heute dominiere ein anderer Mechanismus: „Es ist nur raushauen, raushauen, weil Streaming viel wichtiger geworden ist als Radio.“
"Kommen und Gehen"
Besonders provokant fällt ihr Blick auf die Zukunft aus. Claudia Jung hält es für möglich, dass Stars wie Helene Fischer oder Beatrice Egli die letzten wirklichen Dauergrößen des Genres sein könnten. „Ich traue mich fast zu sagen, dass Helene Fischer oder Beatrice Egli vielleicht die Letzten sind, die wirklich noch in die Zeit reingeschossen sind, dass man in ein paar Jahren noch von ihnen hört.“ Für viele andere gelte hingegen: „Ansonsten ist alles nur noch ein Kommen und Gehen.“
Ihre Kritik richtet sich dabei nicht nur gegen wirtschaftliche Strukturen, sondern auch gegen inhaltliche Trends. Jung vermisst erzählerische Tiefe und anspruchsvolle Texte. „Ich mag ganz besonders die Texte, die so ein bisschen Kopfkino anmachen, die Stories erzählen“, betont sie. Zu simple, sich ständig wiederholende Inhalte empfinde sie hingegen als „ermüdend und langweilig“.
Besonders kritisch sieht die Sängerin zudem den häufigen Alkoholfokus in aktuellen Schlagersongs. „Außerdem finde ich den ständigen Aufruf zum Saufen, also zum Alkoholmissbrauch, sehr fragwürdig in der heutigen Zeit“, sagt Jung. Ihre Abrechnung mit der Branche ist damit mehr als Nostalgie – sie ist ein warnender Befund über ein Genre im rasanten Wandel.