Ein 45-Jähriger soll im vergangenen Oktober mit einer untergetauchten Komplizin in drei Juwelierläden in Wien Uhren im Wert von 24.390 Euro gestohlen haben.
Vor Gericht stritt er die Vorwürfe in einer teils turbulenten Verhandlung am Donnerstagnachmittag ab. Es handle sich um eine Verwechslung. Zeugen konnten ihn nicht eindeutig identifizieren. Die Richterin will die Aufnahmen aus Überwachungskameras analysieren lassen, um festzustellen, ob es sich um den Angeklagten handelt.
Dem Mann wird schwerer gewerbsmäßiger Diebstahl vorgeworfen. Die dafür vorgesehene Höchststrafe von drei Jahren Freiheitsentzug könnte um die Hälfte höher ausfallen, da die Staatsanwaltschaft auf eine Strafschärfung nach Rückfall pocht. Laut der Richterin ist der Georgier in Deutschland bereits 19 Mal rechtskräftig verurteilt worden, großteils wegen Diebstählen, aber auch wegen sexueller Belästigung. Auch das stritt der Mann ab. In Österreich sei er bisher unbescholten, fügte die Richterin hinzu.
Zudem sei der 45-Jährige laut eigenen Angaben 2008 im Zuge des Kaukasuskrieges in seiner Heimat wegen "Amtsmissbrauchs" verurteilt worden, weil er "nicht den Russen beistehen" wollte. Er wurde in Frankreich festgenommen und sitzt in der Justizanstalt Josefstadt in Untersuchungshaft. Er ist unter verschiedenen Namen und Geburtsdaten polizeibekannt.
Nach Komplizin wird gefahndet
Bei den Diebstählen soll ihm eine weitere Georgierin geholfen haben. Nach ihr wird international gefahndet. Auf Aufnahmen von Überwachungskameras aus den betroffenen Geschäften ist zu sehen, wie eine Frau Mitarbeiter der Juwelierläden in ein Gespräch verwickelt, sodass ihr Begleiter unbemerkt die Beute einstecken kann. Gestohlen wurden zwei Uhren der Marke Rolex und eine Uhr der Marke Cartier.
Die geladenen Zeuginnen und Zeugen konnten nicht mit Sicherheit sagen, dass es sich bei dem Mann um den Angeklagten handelt. "Er kommt mir zu klein vor", sagte eine Angestellte. Eine entsprechende Auswertung der Videos, die die Identität klären soll, lag noch nicht vor. Auch die Beantwortung eines Rechtshilfeersuchen aus Georgien war noch ausstehend.
"Halten'S den Mund, sonst schmeiße ich Sie raus!"
Die Verhandlung gestaltete sich als schwierig, da der Angeklagte immer wieder auf Georgisch das Wort ergriff und ausschweifend oder sehr emotional auf Fragen antwortete. Die Richterin drohte mehrmals, ihn aus dem Verhandlungssaal entfernen zu lassen. "Halten'S jetzt den Mund, sonst schmeiße ich Sie raus!", ließ sie ihn wissen. "Ich weiß nicht mal, ob ich in Österreich bin", sagte der Mann, der darauf pochte, noch nie zuvor im Land gewesen zu sein. Der Witwer habe vier Kinder, die momentan alleine in Georgien seien.
Zudem leide er unter einem Magengeschwür und einer Leberzirrhose. Deswegen habe er sich zum Tatzeitpunkt auch in Georgien in einem Spital befunden, erklärte sein Verteidiger Sebastian Lesigang. Ein Dokument, das das beweisen soll, zeigte der Angeklagte im Saal herum. Laut georgischen Behörden sei er aber zuletzt im Juli 2025, also vor den Taten, ausgereist, erklärte die Richterin. Der Mann bekannte sich weder schuldig noch teilschuldig oder nicht schuldig. Auf die mehrmalige Nachfrage der Richterin antwortete er sehr erhitzt und ausschweifend. "Ich habe mir sowieso keine Antwort erwartet", resignierte diese. Die Verhandlung wird am 24. März fortgesetzt.