Rapid-Austria

Wiener Derby

Austria bleibt mit Nullnummer Tabellenführer

Die Austria bleibt an der Tabellenspitze. Eine Nullnummer gegen Erzrivalen Rapid hat ausgereicht.

Ende 2006 krebsten die Wiener Vereine am Tabellenende der T-Mobile-Bundesliga herum, im heurigen Fußball-Herbst geht es im ewig jungen Duell zwischen Austria und Rapid um die Spitzenposition. Der Cupsieger holte am Sonntag in Horr-Stadion zwar nur einen Punkt, bleibt aber Spitzenreiter. Rekordmeister Rapid hat den Erzrivalen in der Tabelle nach dem 284. Derby nicht überholen können.

FK Austria Magna - SK Rapid Wien 0:0

Austria und Rapid haben sich am Sonntag zum Abschluss der 20. T-Mobile-Bundesliga-Runde in einem mäßigen Duell der Erzrivalen 0:0 getrennt. Nach dem dritten Derby-Remis in Folge, einem schmeichelhaften für die Hausherren, weisen die Violetten als Tabellenführer (35 Punkte) weiter drei Zähler Vorsprung auf die zweitplatzierten Grün-Weißen (32) auf.

Austria nur bis zur 25. Minute stärker
Vor 11.000 Fans im ausverkauften Horr-Stadion war die Austria nur in der Anfangsphase bis zur 25. Minute tonangebend, danach waren die Rapidler am Drücker und dem dritten Derby-Sieg der Geschichte im Austria-Heimstadion sehr nahe. Zudem sah Austria-Regisseur Acimovic in der 66. Minute nach einem Foul von hinten gegen Hofmann die Rote Karte. Vor dem Derby wurden die Violetten von der Bundesliga für den Herbstmeister-Titel geehrt. Und die stark ersatzgeschwächte Austria, die u.a. ohne Safar, Metz, Sariyar, Blanchard, Sulimani, Standfest und Pichlmann auskommen musste, legte auch einen tollen Start hin und hätte bereits nach 115 Sekunden führen können. Nach Gercaliu-Corner setzte sich Ertl per Kopf durch und Acimovic donnerte den Ball aus drei Metern an die Latte.

Das Spiel
Vor den Augen von Austria-Mäzen Frank Stronach, Teamchef Josef Hickersberger und einem Spion von Austrias nächstem UEFA-Cup-Gegner Helsingborg (Donnerstag, 20:15 Uhr) schlenzte dann Acimovic den Ball mit dem Außenrist drüber (13.). Doch damit war es mit der violetten Herrlichkeit vorbei. Bei einem Dober-Kopfball nach Hofmann-Freistoß wurde Rapid erstmals gefährlich (25., knapp daneben). In der Folge konnten sich die Hütteldorfer immer besser entfalten und machten Druck. Bazina scheiterte aus 17 Metern an Fornezzi (33.) und Kavlak vergab nach Korkmaz-Querpass ebenso frei stehend aus nur 13 Metern, schoss knapp am rechten Eck vorbei (41.). Und kurz vor der Pause parierte Fornezzi einen Freistoß-Kracher von Dober aus über 30 Metern (45.). Auch nach dem Wechsel blieben die Gäste deutlich gefährlicher. Kavlak tankte sich auf der rechten Seite durch, scheiterte an Fornezzi und Heikkinen setzte den Nachschuss knapp daneben (52.). Die Austria bettelte förmlich ums Gegentor, doch auch Kulovits schoss nach Hofmann-Vorlage knapp daneben (56.).

Austria mit positiver Derby-Bilanz
Zehn Minuten später wurde es dann für die Austria noch prekärer. Denn Spielgestalter Acimovic foulte Hofmann im Mittelkreis von hinten und Schiri Stuchlik zeigte dem Slowenen Rot (66.). Rapid-Coach Peter Pacult brachte mit Hoffer einen zusätzlichen Stürmer und spielte voll auf Sieg, doch Austrias Abwehrschlacht im eigenen Stadion war erfolgreich. Rapid schnürte den Gegner ein, doch brauchbare Chancen blieben trotz Überzahl auch in der fünfminütigen Nachspielzeit aus. Damit bleibt die Derby-Bilanz für die Austria im Horr-Stadion deutlich positiv: 10 Siege, 10 Remis und 2 Niederlagen.

Austria: Fornezzi - Ertl, Bak, Schiemer, Majstorovic - Mair (85.Lafata), Acimovic, Troyansky, Gercaliu (75. Lasnik) - Kuljic (64. Aigner), Okotie
Rapid: Payer - Dober, Tokic, Patocka, Thonhofer (70. Hoffer) - Kavlak (88. Fabiano), Kulovits (58. Boskovic), Heikkinen, Korkmaz -Hofmann - Bazina
Rote Karte: Acimovic (66., Foul)
Gelbe Karten: Bak, Ertl bzw. Tokic, Korkmaz
Beste Spieler: Fornezzi, Gercaliu, Acimovic bzw. Korkmaz, Kavlak, Patocka
Derby-Bilanz: 284. Duell (Liga, Cup und Supercup): 104 Austria-Siege, 63 Remis, 117 Rapid-Siege, Torverhältnis 468:548

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Heuer nur remis
0:0, 2:2 - die jüngsten zwei Vergleiche zwischen Violett und Grün endeten jeweils remis und die Gesamtbilanz der vergangenen 10 Derbys ist mit je drei Siegen bei vier Unentschieden ausgeglichen, eine Prognose war daher im Vorfeld wie immer schwierig. Freilich waren beide Lager optimistisch und auf Sieg eingestellt, steht doch der Nummer-1-Status in der Bundeshauptstadt und dazu in der Tabelle auf dem Spiel. Für beide galt es, in den restlichen vier Runden bis zur Winterpause vorne dranzubleiben.

Prestige-Duell
"Das Derby ist das Prestige-Duell in Österreich schlechthin. Ich genieße diese Rivalität sehr, gerade gegen Rapid zählt ein Tor fast doppelt, speziell für die Fans. Wir werden Rapid ordentlich einheizen, am besten wieder mit einem Treffer von mir", sagte Stürmer Hannes Aigner, der zuletzt vor fast einem Monat am Verteilerkreis zum 2:2 ausgeglichen hatte. Dieses Tor wäre für ihn enorm wichtig gewesen, weil er es in dieser Saison nicht immer ganz leicht gehabt habe. Der 26-jährige Tiroler stand nur sechsmal in der Startelf.

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Austria zuversichtlich
"Wir wollen die Führung erfolgreich verteidigen und wenn möglich sogar auf sechs Punkte ausbauen. Mit viel Engagement, Herz und den Fans im Rücken werden wir alles unternehmen, um als Sieger vom Platz zu gehen", kündigte Georg Zellhofer trotz der Personalnot an. Weil alle Stürmer zur Verfügung stehen, hatte er die Qual der Wahl. "Es ist daher denkbar, dass wir die Flucht nach vorne antreten". Und Generalmanager Thomas Parits ergänzt im Vorfeld des Spieles: "Die Rapidler dürfen nicht verlieren, sonst sind sie sechs Punkte hinten, daher lastet der Druck auf ihnen."

Länderspielpause verdaut
Peter Pacult stimmte dieser Einschätzung zu. "Jede Situation ist für Rapid eine große Herausforderung, das Derby ist eine ganz besondere. Wir haben die Spielrhythmus-Unterbrechung durch die Länderspiele gut verdaut, waren vorher schon gut in Schuss. Und ich hoffe, wir knüpfen an unsere Leistungen in den jüngsten zwei Heimspielen an und können auch diesmal voll punkten", nannte der Rapid-Feldherr seine Erwartungen. Die Tabellensituation sei für ihn nicht so entscheidend, wie das Spiel selbst.

In einem Derby würden immer Dinge passieren, die es in anderen Partien nicht gebe. Beide Vereine seien immer gewillt, drei Punkte zu holen. Er erwartet ein interessantes Derby, "damit sich die Fans nicht zu warm anziehen müssen." Dass das Duell der beiden Wiener Vereine vom Keller- im Herbst 2006 zum Spitzen-Derby im Herbst 2007 avancierte, führt Pacult auf den jeweils guten Liga-Start hin. "Es wäre schön, würden wir auch am Ende vorne sein". Jedenfalls könne man den finanziell großen Verein aus dem Westen ärgern.

Nichts entschieden
Pacult glaubte, dass das jetzige "Tabellengedränge" vielleicht noch dichter wird. "Die knappen Abstände sind positiv für die ganze Liga. Es wird nicht - wie in der vorigen Saison - hinter Red Bull Salzburg nur um die Plätze zwei bis fünf gespielt, sondern es ist alles permanent zusammen."

Kaum Ausfälle bei Rapid
Im Gegensatz zum 47-jährigen Zellhofer hatte der ein Jahr ältere Pacult neben Katzer und M. Sara keine weiteren Ausfälle zu beklagen. Das Trainer-Duell mit den derzeitigen Arbeitgebern hat es bisher übrigens seit Herbst 2006 schon fünfmal gegeben, wobei die Bilanz bei drei Remis mit je einem Erfolg ausgeglichen ist. Und noch eine Bemerkung zur Statistik: Die Austrianer haben aus ihren jüngsten fünf Liga-Partien nur fünf Punkte, die Rapidler aus sechs Partien jedoch immerhin elf Zähler geholt.