Diskussionen über Schaaf verschärfen sich

Werder-Krise

Diskussionen über Schaaf verschärfen sich

Stuttgart gewinnt gegen Freiburg - Hertha BSC steigt wieder auf.

Nach knapp 14 Jahren als Coach ist Werder-Institution Thomas Schaaf längst nicht mehr unantastbar. Eine kurzfristigen Trainerwechsel schließt der taumelnde deutsche Fußball-Bundesligist der Österreicher Sebastian Prödl, Marko Arnautovic und Zlatko Junuzovic nach dem neunten Spiel ohne Sieg en suite zwar aus, doch die Krise verschärft sich nach dem 0:3 gegen Wolfsburg am Samstag weiter. Schaaf reagiert mit einer härteren Gangart und stellte sich sogar selbst infrage.

"Wenn ich im Weg stehen sollte, gehe ich gerne zur Seite, das ist überhaupt nicht das Problem", sagte Werders-Trainer-Institution bei "Sky". Zwar sagte Schaaf dies nicht einfach so, sondern auf eine konkrete Frage zu seiner Zukunft, doch die Aussage stand im Raum. Wirft Schaaf nach 14 Jahren als Werder-Trainer tatsächlich das Handtuch? Nein, (noch) nicht, lautet die Antwort wohl. "Ich versuche meinen Job zu machen, meine Arbeit so zu machen wie in den letzten Jahren auch", sagte Schaaf später relativierend.

Auch Geschäftsführer Thomas Eichin kann sich eine überstürzte Reaktion Schaafs nicht vorstellen und scheint auch keine Lust haben, ein Rücktrittsangebot seines Trainers im Fall der Fälle annehmen zu wollen. "Wenn sich jeder so viele Gedanken machen würde und so viel Leidenschaft, so viel Arbeit und Kampfeslust an den Tag legen würde, hätten wir heute ein anderes Spiel gesehen", befand Eichin.

Am Sonntag sah sich Bremens Medien-Direktor Tino Polster genötigt, noch einmal zu versichern: "Nach meinem Kenntnisstand kann ich ausschließen, dass es heute und morgen eine Sitzung der Geschäftsführung geben wird."

Dass Schaaf alles andere als amtsmüde ist, bekamen seine Spieler nach dem Debakel gegen Wolfsburg zu spüren. Wenige Minuten nach der Schmach rief der Coach sein Team in die Kabine, teilweise wurden die Profis aus Interviews heraus gerissen. "Der Trainer hat deutliche Worte gefunden", berichtete Kapitän Clemens Fritz über den wohl heftigen und energischen Auftritt Schaafs.

"Ich denke, dass sich die Art der Trainingsführung und die Art generell in dieser Woche sicherlich ändern wird. Da bin ich mir ganz sicher", kündigte Eichin nach der Sitzung an und behielt recht. Am Sonntag scheuchte Schaaf entgegen der sonstigen Gepflogenheiten den gesamten Kader bei Intervallläufen über den Platz. Zudem wurde der sonst trainingsfreie Montag gestrichen.

Noch haben die Hanseaten fünf Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge, doch die Art und Weise, wie der frühere Champions-League-Dauergast mittlerweile auftritt, vergrößert die Angst vor dem ersten Bundesliga-Abstieg seit 1980. Er mache sich sehr wohl Sorgen um den Klassenverbleib, räumte Eichin ein: "Wenn man das Spiel heute sieht und die erste Halbzeit sieht, ja."

Stuttgart vermasselte Freiburg mit Sieg Sprung auf Platz 4
Der VfB Stuttgart hat vier Tage nach dem umjubelten Cup-Finaleinzug auch in der deutschen Fußball-Bundesliga gegen den SC Freiburg gewonnen. Mit dem ungefährdeten 2:1 (2:0) schafften die Schwaben, bei denen Martin Harnik durchspielte, zudem den dritten Heimsieg binnen einer Woche. Christian Gentner (33. Minute) und Vedad Ibisevic (42.) nutzen vor 50.600 Zuschauern Abwehrpatzer der Gäste. Der späte Anschlusstreffer gelang Ivan Santini (88.).

Die Freiburger verpassten nach drei Ligasiegen hintereinander neben der Einstellung des Vereinsrekords auch den Sprung am FC Schalke 04 vorbei auf den vierten Platz, der zur Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League berechtigt.

Hertha BSC fixierte vorzeitig Aufstieg in Bundesliga
Hertha BSC ist zurück im deutschen Fußball-Oberhaus. Mit einem 1:0 (0:0) gegen den designierten Absteiger SV Sandhausen der Österreicher Michael Langer und Daniel Beichler machte der Hauptstadtclub schon in der 30. Zweitliga-Runde den sechsten Sprung in die Bundesliga perfekt - so früh wie nie zuvor. Mit 66 Punkten kann Tabellenführer Hertha in den ausstehenden drei Runden nicht mehr von einem direkten Aufstiegsrang verdrängt werden. "Das ist die Krönung einer überragenden Saison", sagte Manager Michael Preetz.

Vor 52.135 Fans im heimischen Olympiastadion, wo Hertha in der laufenden Saison noch nicht verlor, bestimmten die Berliner klar das Geschehen. Aber sie taten sich gegen den Vorletzten, bei dem Langer im Tor und Beichler bis zur 67. Minute am Platz stand, schwer. Mit einer Fünfer-Abwehrkette und einem Vierer-Abwehrriegel verteidigte Sandhausen, die Chancen der Hausherren hielten sich zunächst in Grenzen. Sandro Wagner scheiterte ebenso an Langer (25.) wie Änis Ben-Hatira (81.). Ronny donnerte einen Freistoß neben das Tor (66.). Als Adrian Ramos an den Pfosten köpfte, staubte Einwechselspieler Pierre-Michel Lasogga dann zur Entscheidung ab (85.).

Für die Verantwortlichen und die Fans der Hertha geht die Achterbahnfahrt damit weiter. Seit dem Wiederaufstieg 1997 hatten die Berliner 14 Saisonen im deutschen Fußball-Oberhaus gespielt, sich dabei achtmal für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert. Allerdings stehen jüngst auch zwei Abstiege innerhalb von drei Jahren zu Buche.

Pacult mit Sieg
Einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf feierte Peter Pacult mit Dynamo Dresden. Nach dem 1:0-Heimerfolg im Ostderby gegen Energie Cottbus baute man den Vorsprung auf Sandhausen und den zweiten direkten Abstiegsplatz schon auf acht Punkte aus und blieb bis auf einen Zähler an Bochum dran, das derzeit den letzten Platz belegt, der den Klassenerhalt garantiert.

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