EM-Spiele in Österreich statt Ukraine

Deutscher Politiker fordert

EM-Spiele in Österreich statt Ukraine

Timoschenko-Aufregung immer größer. UEFA plant (noch) keine Spiel-Verlegungen.

Kein Boykott und keine Spielverlegungen - der Sport sieht derzeit keine Veranlassung, an der Austragung der Fußball-EM in der Ukraine zu rütteln. Die von einem deutschen Politiker angedachte Verlegung von Spielen nach Österreich oder Deutschland wies die UEFA als Veranstalter zurück. "Das bekäme man in so kurzer Zeit nicht hin", erklärte UEFA-Turnierdirektor Martin Kallen in der "Süddeutschen Zeitung" (Montag-Ausgabe).

Der Innen- und Sportminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht, hatte am Wochenende verlangt, einem Staat wie der Ukraine, "in dem rechtsstaatliche Grundsätze missachtet werden", mit einer EM nicht die Plattform zu bieten, seine Missstände zu überdecken. "Man sollte überlegen, ob neben dem Austragungsort Polen nicht auch in Österreich oder Deutschland gespielt werden kann", sagte Stahlknecht der "Mitteldeutschen Zeitung".

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    UEFA wartet zu und "beobachtet"
    Die UEFA will davon vorerst nichts wissen. Dabei wird wegen des umstrittenen Umgangs der ukrainischen Regierung mit der inhaftierten früheren Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und seit den Bombenanschlägen am Freitag in Dnjepropetrowsk öffentlich darüber diskutiert, ob die EM (8. Juni bis 1. Juli) in dem osteuropäischen Land über die Bühne gehen soll.

    "Wir beobachten die Situation ganz genau, jeden Tag", versicherte Kallen. Derzeit gebe es keinen Grund für Änderungen. Der Schweizer, der schon bei der EURO 2008 in seinem Heimatland und in Österreich als Turnierchef fungiert hatte, erklärte die Sicherheit aber zu einem entscheidenden Punkt. "Wenn die Situation zu gefährlich wird, dann würde das nicht durchgeführt", betonte Kallen. "Wir organisieren ein Fußball-Fest, und nichts anderes."

    EURO komplett verschieben?
    Österreich und Deutschland sind als Alternativen derzeit aber kein Thema - obwohl in beiden Ländern mit der EM 2008 und davor der WM 2006 erst kürzlich große Turniere stattgefunden hätten und daher die Infrastruktur vorhanden sei, wie Stahlknecht betonte. Sollte eine EM - aus welchen Gründen auch immer - nicht durchführbar sein, gebe es laut Kallen nur eine Möglichkeit: "Dann müsste man an eine Verschiebung des Turniers denken, in ein anderes Jahr."

    ÖFB-Boss Windtner: Einspringen nicht möglich
     "Die Gerüchte, dass Österreich für die Ukraine einspringen könnte, sind absolut illusorisch", erklärte Präsident Leo Windtner.  "Erstens ist eine mögliche Absage oder Verlegung Thema der UEFA und liegt somit klar außerhalb unseres Kompetenzbereiches, und zweitens wäre eine EM-Endrunde, trotz aller Erfahrung aus der EURO 2008, aus organisatorischer Sicht in dieser Kurzfristigkeit definitiv nicht realisierbar."

    Barroso boykottiert EURO
    EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, ein bekennender Fußballfan, wird wegen der Lage in der Ukraine bis auf weiteres nicht in das Land reisen. "Nach jetzigem Stand hat Barroso keine Absicht, in die Ukraine zu reisen oder an irgendwelchen Veranstaltungen in der Ukraine teilzunehmen", sagte seine Sprecherin Pia Ahrenkilde Hansen am Montag in Brüssel.

    "Wir hoffen, dass wir Entwicklungen sehen werden, die zu einem Ende dieser sehr, sehr ernsten Lage beitragen können", sagte sie. Die Mitglieder der EU-Kommission hätten keinen offiziellen Beschluss zu einem politischen Boykott der Ukraine getroffen. Die EU-Behörde habe aber "sehr, sehr große Sorgen über das, was derzeit in der Ukraine passiert".

    Weitere Absagen
    Nach mehreren anderen europäischen Staatsoberhäuptern haben nun auch der tschechische Präsident Vaclav Klaus und sein slowenischer Amtskollege Danilo Türk ihre Reisen zu einem geplanten Gipfeltreffen Mitte Mai in der Ukraine abgesagt. Klaus-Sprecher Radim Ochvat sagte am Montag der Deutschen Presse-Agentur (dpa), der Hauptgrund für die Absage seien Bedenken angesichts der Inhaftierung der Ex-Regierungschefin und Oppositionsführerin Julia Timoschenko.

    Zuletzt hatten bereits mehrere andere Präsidenten ihre Teilnahme an der Konferenz zentraleuropäischer Staatschefs Mitte Mai in Jalta abgesagt, unter anderen Bundespräsident Heinz Fischer und sein deutscher Amtskollege Joachim Gauck.

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