"Three Lions" mit Fragezeichen zur EM

Porträt England

"Three Lions" mit Fragezeichen zur EM

Hodgson kurzfristig zum Teamchef bestellt. Chelseas Terry als Zankapfel.

Mit "Englishman" Roy Hodgson am Ruder will England die Turbulenzen der vergangenen Monate mit Startschuss des EM-Turniers vergessen machen. Der 64-Jährige wurde vom englischen Verband (FA) knapp einen Monat vor dem EURO-Startschuss als Nachfolger von Fabio Capello präsentiert. Unter dem Italiener hatte das Mutterland des Fußballs souverän die achte EM-Teilnahme unter Dach und Fach gebracht. Bezeichnenderweise wurde Capello aber ein Disput um Kapitän John Terry zum Verhängnis. Denn hinter den Kulissen rumorte es in der FA gewaltig.

Wirbel um Rooney und Terry
Fragezeichen über die Titelchancen der "Three lions" wirft in England nicht nur die kurzfristige Bestellung des neuen Teamchefs auf. Superstar Wayne Rooney ist in den ersten beiden Gruppenspielen gegen Frankreich und Schweden gesperrt und darf erst gegen Gastgeber Ukraine ran. Dazu kamen Rassismus-Vorwürfe gegen den deshalb als Kapitän abgelösten Terry. Dass dieser mit Rio Ferdinand eine sattelfeste Innenverteidigung bilden soll, ist pikant. Terry hat angeblich Ferdinands Bruder Anton rassistisch beleidigt.

Kritik an Neo-Teamchef
Der von der englischen Presse aufgrund der Ausbootung des haushohen Favoriten Harry Redknapp nicht gerade freundlich begrüßte Hodgson ("Der Ja-Sager im Blazer", Daily Mirror) soll es für England nun richten. Das Potenzial beim Weltranglisten-Siebenten wäre gegeben. Bereits in der Vergangenheit bugsierte sich der Weltmeister von 1966 aber oftmals selbst aus dem Rennen. Sprichwörtlich wurde das schon traditionelle Versagen vom Elfmeterpunkt oder das Torhüterproblem, das England auch bei der WM 2010 heimsuchte. In Südafrika beklagten die Briten im Achtelfinale gegen Deutschland (1:4) dann auch noch einen nicht gegebenen Treffer.

"Altes" England
Von damals ist der Stamm immer noch dabei. Rooney gehört mit seinen 26 Jahren schon zu den jüngsten im Team, das auf einige Routiniers vertrauen darf. Neben Ferdinand (33) und Terry (31) haben auch Frank Lampard (34), Ashley Cole (31), Steven Gerrard (31) oder der vom inzwischen abgelösten Interimscoach Stuart Pearce zum Kapitän bestimmte Scott Parker (31) den 30er bereits hinter sich gelassen. Zu den jüngeren Akteure gehört Keeper Joe Hart (25) von Manchester City. Als einziger Legionär dürfte Torhüter Scott Carson von Bursaspor im EM-Kader aufscheinen.

Warum nun ausgerechnet Weltenbummler Hodgson die chronische Erfolglosigkeit Englands bei Großereignissen beenden soll, bleibt offen. Seit 1966 träumt England angeführt von der zu Extremen neigenden Yellow Press von einem großen Titel - die Enttäuschung war seither immer gleich groß. Als beste Resultate stehen je ein Halbfinale bei der WM 1990 und der EM 1996 zu Buche, wo jeweils im Elfmeterschießen gegen Deutschland das Aus kam. Für Österreich und die Schweiz 2008 hatten sich die Engländer erst gar nicht qualifiziert.