Unter Teamchef Deschamps soll Südafrika-Fiasko vergessen gemacht werden.
Vier Jahre nach dem Fiasko von Südafrika soll Frankreichs Fußball-Nationalteam auf der WM-Bühne wieder für positive Schlagzeilen sorgen. Nach dem glücklos agierenden Laurent Blanc ist dessen ehemaliger Teamkollege Didier Deschamps gefordert, "Les Bleus" zu neuen Höhen zu führen. Seit zwei Jahren ist der Weltmeister-Kapitän von 1998 im Amt, er will die Renaissance des Teams in Brasilien vollenden.
Fiasko 2010
Das Bild, das die französische Equipe 2010 abgab, war ein desaströses. Interne Streitereien zwischen Spielern und Teamchef Raymond Domenech gipfelten in einem Trainingsstreik, nach peinlichen Niederlagen gegen Mexiko und Südafrika war bereits nach der Gruppenphase Endstation. Schockiert und entsetzt verfolgte das gesamte Land den verheerenden Auftritt des Teams, das 2006 noch Vizeweltmeister geworden war.
Sogar Politik schaltete sich ein
Staatspräsident Nicolas Sarkozy machte das Debakel zur Chefsache, der Verband sprach Sperren aus. Unter Blanc sollte der Aufschwung erfolgen, "Le President" den zerstrittenen Haufen einen - was nur bedingt gelang. Auch der Viertelfinal-Einzug bei der EM 2012 - das Aus kam gegen Titelverteidiger Spanien - war wenig überzeugend. Publik gewordenen Streitereien in der Kabine erinnerten frappant an den Skandal von Südafrika.
Deschamps gibt offiziell kein WM-Ziel aus
Der ehemalige Mittelfeldrackerer Deschamps übernahm den Posten, die Qualifikation für Brasilien sollte erneut in extremis gelingen. Im Play-off gegen die Ukraine wendete Frankreich nach einem 0:2 im Hinspiel mit einem 3:0 in Paris noch das Blatt. Bei der WM trifft Frankreich in Gruppe E auf die Schweiz, Honduras und Ecuador. Ein Zweikampf der europäischen Teams um Platz eins wird erwartet. Deschamps wollte keine konkrete Prognose abgeben.
Erstes Ziel sei es, das Auftaktspiel gegen Honduras zu gewinnen, danach müsse Etappe für Etappe genommen werden. Es gebe natürlich Ambitionen auf den Titel, sagte der im französischen Baskenland geborene Deschamps, aber es gelte, realistisch zu bleiben. Seit den Titelgewinn 1998 schwankt Frankreich bei Weltmeisterschaften zwischen Hoch und Tief. 2002 und 2010 gewannen die Blauen nicht einmal ein Gruppenspiel, 2006 unterlag man erst im Finale Italien.
Ribery als Leitwolf
Als Frankreichs Anführer gilt Franck Ribery. Der 31-Jährige vom FC Bayern befindet sich nach der verlorenen Wahl zum Weltfußballer aktuell aber in einer Formkrise. Neben Ribery und Marseilles Mathieu Valbuena komplettiert Karim Benzema den Dreier-Sturm. An Real Madrids Speerspitze hielt Deschamps trotz einer Durststrecke von 1.224 Minuten ohne Teamtor fest, ehe Benzema beim 3:0 gegen die Ukraine traf. Nicht ins Aufgebot schaffen dürfte es Samir Nasri. Der als Problemcharakter geltende ManCity-Profi wurde zuletzt nicht mehr berücksichtigt.