Bundesliga-Chef schlägt Alarm: "Es geht ums Geld, es geht ums Renommee"
Es mutet auf den ersten Blick paradox an: Österreichs Fußball-Bundesliga ist mit einem angekratzten Image konfrontiert, doch das Publikumsinteresse war in der abgelaufenen Saison 2025/26 gut wie selten zuvor. Im Schnitt pilgerten 8.831 Zuschauerinnen und Zuschauer in die Stadien, nur rund um die Heim-EM 2008 waren es in zwei Saisonen mehr. "Der Zuspruch war sowohl im Stadion als auch an den Endgeräten erfreulich", sagte Bundesliga-Vorstandsvorsitzender Christian Ebenbauer.
Verantwortlich dafür war die passende Dramaturgie. "Wieder in der letzten Runde ein Entscheidungsspiel um den Meistertitel zu haben, ist das Erfreulichste an dieser Saison. Mit Doublesieger LASK war auch für Abwechslung gesorgt. Es war oben und unten bis zuletzt extrem spannend", sagte Ebenbauer nach der vorerst letzten Saison mit Punkteteilung. In der neuen Spielzeit fällt die Halbierung nach der 22. Runde weg, nicht aber die Ligateilung in Meister- und Qualifikationsgruppe. "Durch dieses künstliche Element Spannung zu generieren, hat aus unserer Sicht in den letzten Jahren sehr gut funktioniert. Wir hoffen, dass es nun auch ohne Punkteteilung bis zum Schluss spannend bleibt", sagte Ebenbauer.
Schmerzhafter Absturz in Europa: "Es geht um Geld und Renommee"
Österreichs Bundesligisten sind näher zusammengerückt, haben jedoch im internationalen Vergleich an Boden verloren. Dass einige Topclubs ihre Suche nach der Spielkultur auch in der Liga fortsetzen, verstärkt den Eindruck einer schwächelnden Liga in der Öffentlichkeit. Ebenbauer findet das "bedauerlich", gerade weil die Liga nach Jahren der Red-Bull-Dominanz wieder spannend sei. Die nackten Zahlen aber will auch er nicht leugnen. "Definitiv schmerzhaft" sei es, dass die ÖFB-Vertreter von Platz acht (2021) in der Fünfjahreswertung auf Rang 17 abgestürzt sind. "Es geht ums Geld, es geht ums Renommee". Schlechtere Platzierungen haben zur Folge, dass die Wege für Österreichs Clubs in die lukrativen europäischen Ligaphasen immer weiter und die Chancen weniger werden.
Gemäß dem Liga-Boss bedarf es eines gemeinsamen Kraftakts aller Fußball-Organisationen in Österreich. "Es muss das gemeinsame Ziel von Bundesliga, Clubs, ÖFB und Landesverbänden sein, den sofortigen Turnaround zu schaffen mit dem Ziel, wieder Richtung Platz zwölf zu kommen. Das Minimumziel ist immer Platz 15 und fünf europäische Startplätze." In diesen Regionen verortet Ebenbauer die Liga auch in wirtschaftlichen Belangen. Die Schlimmste sei aber wohl noch nicht ausgestanden. "Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass durch die periodische Verzögerung in der Fünfjahreswertung Platz 17 nicht das Ende der Fahnenstange ist."
Fünfjahresplan läuft aus: Folgt eine Ligareform?
Richtungsentscheidungen im österreichischen Clubfußball warten noch in diesem Jahr. Die Bundesliga hat im März einen Strategieprozess ausgerufen, der bis Jahresende erledigt sein soll. In Arbeitsgruppen wird aktuell ein neuer Fünfjahresplan erarbeitet, nachdem die aktuelle Fünfjahresstrategie mit Ende 2026 endet. Immer wieder einmal wird auch eine Liga-Aufstockung ins Treffen geführt. "Die Diskussion um eine 16er-Liga ist für mich zu kurz gegriffen, es geht um Fragen wie: Wie viele Spieltage verträgt es mit Blick auf die Belastung der Spieler? Wie viele Proficlubs verträgt Österreich? Wie sehen das Ligaformat und die Abstiegsregelungen zwischen den Ligen aus?"
Neben kleineren Bundesligisten gelten ambitionierte Zweitliga-Vereine als treibende Kräfte hinter einer Aufstockung. Für eine Liga-Reform ist laut Satzung eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Bei einer Formatänderung vor 2030 würde auch der Rechteinhaber Sky mitreden. "Bis Jahresende soll Klarheit herrschen", kündigte Ebenbauer an.