Nach Derby-Eklat

»Grottenschlecht«: Ex-Meister rechnet mit Rapid ab

2008 feierte SK Rapid Wien den bislang letzten Meistertitel – mittendrin: Stefan Maierhofer. Der Stürmer traf in 49 Pflichtspielen 31-mal für Grün-Weiß. Heute blickt der einstige Publikumsliebling mit deutlich weniger Romantik auf seinen Ex-Klub. 

Auslöser seiner deutlichen Worte ist der jüngste Derby-Eklat gegen die FK Austria Wien. Als Familienvater fehle ihm dafür jedes Verständnis. „Es darf nicht sein, dass Feuerwerkskörper in den Familiensektor geschossen werden. Das hat mit Fußball überhaupt nichts zu tun. Das möchte niemand sehen. Warum müssen solche Ausschreitungen immer beim Wiener Derby passieren? In Linz, Salzburg und Graz gibt es das nicht. Wenn die Fans unzufrieden sind, dann sollen sie zum Training kommen und protestieren", betonte "Major". 

Geisterspiele und Seitenhiebe

Besonders ärgert ihn, dass es aus seiner Sicht immer wieder dieselben kleinen Gruppen seien, die für großen Schaden sorgen. Der Verein müsse diese Personen konsequent und dauerhaft aus dem Stadion verbannen – halbherzige Maßnahmen reichten nicht. „Der Verein bekommt die Probleme mit den Fans nicht in den Griff. Es sind nicht viele, die für Ärger sorgen. Vielleicht eine Handvoll, maximal 100. Die muss man für immer aus dem Stadion verbannen. Wie in England."

Auch die jüngsten Sanktionen – Sektorsperren bei Topspielen und hohe Geldstrafen – sieht der Ex-Teamspieler kritisch. Diese summieren sich zwar finanziell, lösen aber nicht das Kernproblem. Wirklich schmerzhaft wären seiner Meinung nach nur Geisterspiele mit massiven Einnahmenverlusten. Erst wenn es wirtschaftlich spürbar werde, entstehe echter Veränderungsdruck.

MAierhofer
© Gepa

Nach dem Derby wurden die Hütteldorfer am Dienstag vom Bundesliga-Strafsenat zudem zu 100.000 Euro Geldstrafe verurteilt. „Rapid hat mittlerweile Hunderttausende Euro an Strafen gezahlt. Andererseits wird um Spenden für das Frauen-Team gebeten, wie ich gehört habe“, setzte der 43-Jährige einen Seitenhieb.

»Die Mannschaft spielt grottenschlecht«

Doch die Folgen reichen für ihn über das Finanzielle hinaus. Ständige Nebengeräusche und Krisenmanagement raubten dem Klub Substanz. Wer ständig „Brandherde löschen“ müsse, verliere Fokus und Energie. Und dennoch erkennt er eine paradoxe Chance: Trotz durchwachsener Leistungen ist Rapid im Titelrennen noch dabei. „Rapid hat eine Titelchance, so kurios das klingt. Die Mannschaft spielt grottenschlecht und ist immer noch dabei. Das sagt alles. Ich fürchte allerdings, dass es noch zehn oder mehr Jahre dauern wird, bis Rapid nach 2008 wieder Meister wird – falls sich nichts ändert.“

Sein Fazit ist zugleich Mahnung: Ohne klare Linie, konsequentes Handeln und Ruhe im Umfeld droht dem Rekordmeister eine noch längere Durststrecke. Für Maierhofer ist klar: Nur mit Struktur und Durchgreifen kann Rapid wieder ganz nach oben zurückkehren.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
Auf sport24 finden Sie täglich die aktuellen Berichte und News aus der Welt des Sports – von Fußball bis Tennis, von Formel1 bis US-Sports. Dazu gibt es die Ergebnisse, Daten und Tabellen im Überblick. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten