Tag der Wahrheit für Mattersburg

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Tag der Wahrheit für Mattersburg

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Nach dem Finanz-Skandal muss der angeschlagene Klub bis Freitag seine Finanzen der Bundesliga offenlegen.

Wie geht es mit dem SV Mattersburg weiter? Nach dem Finanz-Skandal rund um Ex-Präsident Martin Pucher und dessen Commerzialbank ist die Zukunft des Vereins völlig ungewiss. Die Bank war einer der größten Geldgeber des SVM, soll jedoch jahrelang ihre Bilanzen gefälscht haben. Viele Opfer des Banken-Crashs zittern nun um ihr Erspartes, schickten Pucher Drohungen - der Ex-Vorstand steht jetzt unter Polizeischutz. Der SV Mattersburg versinkt im völligen Chaos - Konkurs und Zwangsabstieg drohen!

Hier alle Infos zum Drama um den SV Mattersburg:

Die Finanz-Schlinge zieht sich enger und enger um Mattersburg, die Uhr tickt unermüdlich: Am (heutigen) Freitag will der Senat 5 der Liga eine Stellungnahme, wie dramatisch die finanzielle Lage der Burgenländer tatsächlich ist. Nach dem Crash von Großsponsor Commerzialbank Mattersburg, der die Rücktritte von Präsident Martin Pucher und von Vize-Präsident Richard Woschitz nach sich gezogen hat, muss dringend eine Geld-Quelle her! Die Suche nach einem Investor läuft auf hochtouren - bislang erfolglos. "Jeder im Verein lässt seine Kontakte spielen", berichtet Coach Franz Ponweiser. Beim Rettungsversuch des burgenländischen Klubs schaltet sich sogar Ex-Kapitän Nedeljko Malic, der im Sommer nach 14 Jahren verabschiedet wurde, ein.

Malic: »Keine Ahnung, was da abgelaufen ist«

Gegenüber der Kleinen Zeitung sagte der 32-Jährige, dass er sofort zur Tat schritt: "Es geht ja nicht nur um einen Sportverein, sondern auch um Arbeitsplätze." Von den jüngsten Ereignissen ist Malic geschockt: "ich habe keine Ahnung, was da abgelaufen ist." Mit Ex-Boss Pucher will er Kontakt aufnehmen: "ich will wissen, wie es ihm geht."

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× Tag der Wahrheit für Mattersburg

Nun soll endlich Klarheit geschaffen werden, wie es um die Finanzen des Klubs genau aussieht. Bis heute muss Klub-Managerin Ines Pucher beim Senat 5 der Bundesliga die Bilanzen offenlegen. Die Tochter von Martin Pucher hat nach der Rücktrittsankündigung ihres Vaters die Kommunikation mit der Liga übernommen.

Bundesliga-Zukunft für SVM steht in den Sternen

Fakt ist jedoch: Es sieht düster für die Burgenländer aus. Gerüchten zufolge sollen Spieler noch auf offene Gehälter warten. Zuletzt trat auch Vizepräsident Richard Woschitz zurück. "Niemand ist da, der handlungsfähig ist", meinte Gerhard Milletich, Präsident des Burgenländischen Fußballverbands. Er sieht einen Bundesliga-Verbleib als "unrealistisch".

Laut Langzeitfunktionär fehlt dem SV Mattersburg Hans-Georg Deischler "einiges" für ein Budget. Wie der nach dem Rückzug von Langzeitpräsident Martin Pucher als Vorsitzender des Vorstands agierende Deischler in einem Medienbericht anmerkte, tappt der Verein selbst mit Blick auf die Finanzen im Dunklen.

Tirol hofft nun auf Liga-Verbleib

Zwar konnte sich Deischler einen ersten Überblick machen, doch will er noch keine Prognosen zur Zukunft der Burgenländer abgeben. Im schlimmsten Fall muss der SVM Konkurs anmelden und würde damit seinen Platz in der Bundesliga verlieren.

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Geht Mattersburg tatsächlich in Konkurs, darf Absteiger WSG Tirol doch in Liga 1 bleiben. Präsidentin Diana Langes-Swarovski: "Für uns wäre das eine große Chance." Derzeit gibt es für die WSG keine Planungssicherheit, man hat nur fünf gültige Spieler-Verträge.

Amtshaftungsklage angekündigt

Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) hat am Freitag im Bilanzskandal um die Commerzialbank Mattersburg eine Amtshaftungsklage des Landes angekündigt. Unterlagen, die dem Land anonym zugespielt worden seien, würden nahelegen, dass "Staatsanwaltschaft und Finanzverwaltung aus meiner Sicht nicht funktioniert haben", so Doskozil. Man strebe einen Musterprozess an.

Konkret gehe es darum, dass die Unterlagen zeigen würden, dass es 2018 bei der Prüfung eines Unternehmens aus dem Bezirk Mattersburg durch das Finanzamt Bruck Eisenstadt Oberwart den Verdacht auf Geldwäsche gegeben habe. "Dieses Unternehmen hat ganz intensive Verbindungen einerseits zur Commerzialbank und andererseits zum SV Mattersburg", betonte Doskozil.

Laut der Niederschrift, die dem Land übermittelt wurde, habe der Unternehmer, der im Aufsichtsrat der Bank sitze und beim SV Mattersburg als Sponsor auftrete, diese Geldwäsche auch "dem Grunde nach zugegeben". Von 2013 bis 2018 sollen insgesamt 424 fingierte Rechnungen mit einer Summe von über 10 Mio. Euro an erfundene Personen ausgestellt worden sein, so Doskozil.

Auch Politiker angeblich involviert

"Er hat gesagt, dass der die zehn Mio. Euro bei Privatbanken in Wien bar erhalten hat und dann in Mattersburg in die Commerzialbank eingezahlt hat", sagte der Landeshauptmann. Laut dem Dokument solle der Unternehmer zudem auch angegeben haben, dass "Persönlichkeiten aus dem gesellschaftlichen Leben und Politiker" involviert seien.

Auch eine Hausdurchsuchung soll es gegeben haben, der Akt sei aber offenbar nicht zur Kriminalpolizei gelangt. "Da hätten die Alarmglocken läuten müssen, aber es hat offensichtlich niemand reagiert", sagte der Landeshauptmann.

Hinzu komme, dass die Staatsanwaltschaft Eisenstadt nach einer Anzeige der Finanzmarktaufsicht 2015 keine Ermittlungsschritte eingeleitet habe. "Da muss man die Frage stellen: Warum ist das passiert? Warum hat man sich die Causa nicht besser angeschaut?", so Doskozil.

Das Land werde deshalb als Geschädigter über die Energie Burgenland und die Regionalmanagement Burgenland "die Frage der Amtshaftung sofort aufgreifen, einen Rechtsvertreter beauftragen und den Weg der Amtshaftung beschreiten", betonte Doskozil. Man werde einen Musterprozess anstreben - "im Sinne unseres Schadens und im Sinne aller anderen Geschädigten".

Der Landeshauptmann geht davon aus, dass das Finanzministerium sich nach dem Einlangen des Prozessbegehrens bei der Finanzprokuratur Gedanken machen werde, "ob es zu einer Abdeckung des kompletten Schadens kommen sollte", oder ob man in eine langwierige Rechtsauseinandersetzung gehe.

Funktionäre des SV Mattersburg am Zug

Weiters sieht Burgenlands Landeshauptmann im Bilanzskandal um die Mattersburger Commerzialbank die Funktionäre des SV Mattersburg am Zug. Sie seien nun berufen, die wirtschaftliche Situation zu erklären. Das Land habe jedenfalls "kein Interesse", einen Bundesligaverein zu führen, sagte Doskozil am Freitag. In Bezug auf die Fußballakademie gebe es erste Gespräche.

Die Akademie soll, ungeachtet der weiteren Entwicklung beim Club, erhalten bleiben. Angedacht ist ein neues Landessportzentrum für das Nordburgenland. Am Freitagnachmittag gebe es diesbezüglich eine erste Runde mit "Teilen der Eigentümer", so Doskozil. Er gehe davon aus, dass die Frage, ob der SV Mattersburg fortgeführt werden könne oder nicht, die Bundesliga noch bis in den August hinein beschäftigen werde.

Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) hat sich in der Causa um die Commerzialbank Mattersburg am Freitag gegen Debatten über die politische Verantwortung verwehrt. "Es beginnt eine Diskussion, die sich nicht mehr um die Fakten kümmert", sagte Doskozil. Die ÖVP legte hingegen nach. Der Gemeindevertreterverband (GVV) richtete einen offenen Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

Doskozil verwehrt sich gegen politisches Hickhack

Hans-Peter Doskozil kritisierte, dass Behauptungen in den Raum gestellt würden. "Jedem ist bewusst, das ist ein Verbrechen, was passiert ist, und jeder schiebt die heiße Kartoffel weiter", betonte der Landeshauptmann. Es werde versucht, die Politik in die Causa hineinzuziehen, stattdessen solle es aber um die Betroffenen gehen.

Die Vorwürfe der ÖVP gegen Landesrat Christian Illedits (SPÖ) seien konstruiert. Er habe keine Geschäftsbeziehungen mit Ex-Bankchef Martin Pucher gehabt. Die Kontakte als Politiker im Bezirk Mattersburg und als Sportlandesrat seien "normale Aufgaben" gewesen. "Das ist der Versuch, nicht nur die Politik hineinzuziehen, sondern auch eine Person zu vernichten", sagte Doskozil. Illedits werde deshalb alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen lassen, um sich dagegen zu wehren.

Die ÖVP Burgenland betonte am Freitag hingegen, dass sich die SPÖ "immer tiefer in Widersprüche" verstricke. Die SPÖ hätte versucht, die Verantwortung für die Aufsicht über die Kreditgenossenschaft, die knapp 90 Prozent der Anteile an der Commerzialbank hält, den ÖVP- und FPÖ-Wirtschaftslandesräten zuzuordnen. Unterlagen würden aber zeigen, dass die Korrespondenzen des Landes mit der Kreditgenossenschaft von der "roten Finanzabteilung" stammten, verwies Landesparteiobmann Christian Sagartz auf einen Bericht des "Kurier".

Der Präsident des Sozialdemokratischen Gemeindevertreterverbands Burgenland (GVV), Erich Trummer, fordert unterdessen in einem offenen Brief an Bundeskanzler Kurz und Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) finanzielle Hilfe und eine gesetzliche Einlagensicherung für Gemeinden. Man behalte sich zudem rechtliche Schritte vor.

Der selbsternannte "Finanzombudsmann" Gerald Zmuegg, der mit der Anwaltskanzlei Christandl & Partner auftritt, bietet Doskozil an, gemeinsam vorzugehen und eine Amtshaftungsklage gegen den Bund einzureichen. Dies sagte ein Sprecher von Zmuegg am Freitag zur APA. Zmuegg hatte vor einigen Tagen angekündigt, man wolle für Geschädigte Geld von der Republik Österreich holen, weil man in der Causa Mattersburger Commerzialbank Fehler auch bei der Aufsicht ortet.

 

 

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