Harnik-Club feuert Trainer Gross

Deutschland

Harnik-Club feuert Trainer Gross

Co-Trainer Jens Keller nun Interimscoach von Stuttgart.

Martin Harnik, der am Dienstagabend in Belgien Österreich nach dramatischem Spiel in der Nachspielzeit mit seinem Tor zum 4:4 einen Punkt in der EM-Qualifikation rettete, hat wenige Stunden danach einen neuen Clubtrainer bekommen. Sein Verein, der VfB Stuttgart, entließ am Mittwoch den Schweizer Christian Gross und setzte interimistisch Assistent Jens Keller ein. Gross war nur zehn Monate im Amt gewesen.

Kuzres Gastspiel
Damit endete auch das zweite Engagement von Gross im Ausland vorzeitig, nachdem er 1998 nach ebenfalls zehnmonatiger Amtszeit von Tottenham Hotspur den Blauen Brief erhalten hatte. Der 56-Jähriger erlebte im Schwabenland ein Londoner Deja-vu. Mit drei Niederlagen in Serie legte die Gross-Truppe den schlechtesten Saisonstart der Club-Historie hin. Nach drei weitere Nullern und sieben Runden fand sich der Meister auf den letzten Tabellenplatz wieder.

Seit Wochen Trainerdiskussion
Die Trainerdiskussion kam schon seit Wochen auf, obwohl sich die Vereinsleitung noch vor zehn Tagen vor Gross gestellt hatte. "Er sitzt auch gegen Schalke auf der Bank", hatte Präsident Erwin Staudt noch zu Beginn der Länderspiel-Pause versichert. In den vergangenen Tagen erfolgte die Kehrtwende. Insider wollten gewusst haben, dass zwischen Gross und Fredi Bobic, dem Heldt-Nachfolger als Sportdirektor, die Chemie nicht gestimmt habe.

"Bobic hat auch seine Vorstellungen und seine Ziele. Dabei arbeitet er mit einem Trainer zusammen, den er nicht ausgesucht hat", merkte Gross an. Dazu kam dass der Coach im Sommer mit Jens Lehmann und Mittelfeldstrategie Sami Khedira zwei wichtige Spieler verloren hat, die nicht adäquat ersetzt wurden. Zuletzt monierte der Eidgenosse: Der Club setze die Prioritäten auf den Bau des Stadions und nicht auf den Bau eines neuen Teams.

Trainerfriedhof Stuttgart
Gross ist der dritte entlassene Stuttgart-Trainer seit dem Meistertitel 2007. Meistermacher Armin Veh wurde nicht einmal anderthalbe Jahre nach dem Titel entlassen. Sein Nachfolger Markus Babbel führte den VfB von November 2008 an bis 2009 an die Spitze zurück, wurde Liga-Dritter, aber im Dezember 2009 beurlaubt. Jetzt ging es Gross genau wie den beiden Deutschen vor ihm. Keller gibt am Samstag auf Schalke gegen den dortigen Vizemeister auf neu verlegtem Rasen seinen Einstand. Die "Blauen" sind derzeit Vorletzte, nur einen Punkt vor dem VfB.