Katar könnte WM 2022 verlieren

FIFA plant Neuvergabe

Katar könnte WM 2022 verlieren

Im Zuge diverser Fußballskandale soll nun auch die WM 2022 neu vergeben werden.

Nach der von anhaltenden Korruptionsvorwürfen überschatteten Vergabe der Fußball -WM 2022 nach Katar überlegt die FIFA laut einem Bericht der "Sport Bild" nun offenbar eine Neuvergabe. Die deutsche Sportzeitschrift berief sich in ihrer Mittwoch-Ausgabe dabei auf Informationen aus dem FIFA-Exekutivkomitee. Demnach könnte es im Mai beim nächsten FIFA-Kongress auf Mauritius zu einer neuen Abstimmung kommen.

Empfehlung der Ethik-Kommission
Es wird erwartet, dass die Ethik-Kommission des Weltfußballverbandes empfiehlt, diesen Schritt zu wagen. Dann würden statt wie bisher nur die 24 Mitglieder des Exekutivkomitees alle 209 Mitgliedsverbände über den WM-Austragungsort 2022 abstimmen.

WM-Stimmen sollen gekauft worden sein
Katar, ein Land ungefähr so groß wie Oberösterreich und mit Juni-Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius, setzte sich im entscheidenden Wahlgang im Dezember 2010 gegen die USA mit 14:8 durch - auch deswegen, weil angeblich die Stimmen der Exekutivkomitee-Mitglieder Issa Hayatou (Kamerun), Nicolas Leoz (Paraguay), Julio Grondona (Argentinien), Rafael Salguero (Guatemala) und Jacques Anouma (Elfenbeinküste) vom damaligen asiatischen Verbandschef Mohamed Bin Hammam aus Katar gekauft wurden.

Was wusste Platini?
Zuletzt war auch UEFA-Präsident Michel Platini ins Gerede gekommen. Der Franzose soll sich zehn Tage vor der WM-Vergabe im Pariser Elysee-Palast zu einem geheimen Treffen mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem Prinz von Katar, Tamim bin Hamad al-Thani, eingefunden haben. Laut "France Football" wurde Platini von Sarkozy überzeugt, "aus geopolitischen Gründen" für Katar zu stimmen. Der UEFA-Boss wollte ursprünglich für die USA votieren.

Ex-DFB-Chef Zwanziger sieht Chefermittler Garcia in der Pflicht
Für FIFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger ist eine Neuvergabe der WM 2022 derzeit noch kein Thema. "Diese Frage stellt sich nicht. Erst einmal muss Herr Garcia seinen Bericht präsentieren. Dann stellt sich die Frage, ob andere Bewerber benachteiligt wurden. Alles andere ist pure Spekulation", sagte Zwanziger am Mittwoch der deutschen Nachrichtenagentur dpa.

Der Amerikaner Michael Garcia muss als Chefermittler der FIFA-Ethikkommission die Vorwürfe untersuchen. Der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger sprach sich dabei für eine rasche Arbeit des FIFA-Gremiums aus: "Er muss langsam liefern, denn es stehen Anschuldigungen gegen Personen im Raum und die Öffentlichkeit will Antworten haben."

Vor einer neuen WM-Entscheidung durch den Kongress müssten aber auch noch die FIFA-Statuten geändert werden. Bisher befindet das Exekutivkomitee über die Turnier-Gastgeber. Eine entsprechende Änderung ist Teil des Reformpakets, das auf Mauritius verabschiedet werden soll.