ÖFB-Boss: "Daum ist interessant"

Teamchef-Diskussion

ÖFB-Boss: "Daum ist interessant"

Windtner stärkt im ÖSTERREICH-Interview Constantini den Rücken.

VOTING: Soll der ÖFB Daum als Teamchef holen?

Am Sonntag traf sich unser Team im Hotel Lindner. Gesprächsstoff gab es am Wörthersee genug. Die mögliche Verpflichtung von Starcoach Christoph Daum war das Topthema (ÖSTERREICH berichtete). Kommt der Deutsche, oder bleibt Constantini Teamchef? Laut Präsident Leo Windtner bleibt Didi auf jeden Fall bis zum Ende der EM-Qualifikation. Erst dann wird abgerechnet.

Daum: „Ich bin vom ÖFB kontaktiert worden“
Warum hat dann der ÖFB Kontakt zu Daum aufgenommen? Der Deutsche sagt: „Ich bin kontaktiert worden. Von einem Mann aus dem Umfeld.“ Windtner dazu: „Es entzieht sich meiner Kenntnis, warum Daum so redet. Ich persönlich habe mit ihm nicht gesprochen. Ich bin loyal zu Constantini, man muss ihm eine faire Bewährungschance geben.“

Ob die Didi auch nützen wird? Die harsche Kritik des Präsidenten ( „Er kann nicht im eigenen Saft braten. Man muss schon schauen, was auf der internationalen Bühne abgeht“) soll ihn hart getroffen haben. Und das ständige Hickhack um seine Person. Es gibt daher Gerüchte, dass er heute in der Team-Pressekonferenz zurücktreten wird. Sein Assistent Manfred Zsak: „Das stimmt sicher nicht.“

Windtner hat in ÖSTERREICH erfahren, dass Daum frei ist
Heißt: Vor Mitte Oktober (Ende der EM-Quali) wird es in der Teamcheffrage keine Entscheidung geben. Dann könnte es aber bei Daum, den der Job beim ÖFB durchaus reizen würde („Was in der Schweiz möglich war, muss auch in Österreich möglich sein“), schon zu spät sein. Denn der Deutsche hat neben Österreich auch andere lukrative Anfragen. Windtner: „Ich habe erst durch ÖSTERREICH erfahren, dass Daum auf dem Markt ist und an unserem Team Interesse zeigt.“

Daum würde den ÖFB rund zwei Millionen Euro kosten
Ein Engagement von Wien-Liebhaber Daum („Ich habe an Österreich nur die besten Erinnerungen“) würde den ÖFB jedenfalls einiges kosten, seine Gagenforderungen liegen bei rund zwei Millionen Euro pro Jahr. Darum sagt auch Windtner: „Daum ist zwar interessant. Aber es gibt auch interessante Kandidaten, die gerne Teamchef in Österreich wären.“ Egal, wie die Entscheidung ausfällt, bis spätestens 17. November muss alles geklärt sein, denn da findet in Frankfurt die Terminkonferenz der Österreich-WM-Quali-Gruppe statt. Das ist Teamchefsache. (W. Ruiner)

Seite 2: Das große Interview mit dem ÖFB-Boss

Das große Interview mit dem ÖFB-Boss! Leo Windtner sagt, was wirklich mit Daum läuft und wie sein Verhältnis zu Constantini ist:

ÖSTERREICH: Herr Präsident, Christoph Daum sagt, der ÖFB habe über einen Manager Kontakt zu ihm aufgenommen. Sie dementieren. Wer lügt?
Leo Windtner: Es entzieht sich meiner Kenntnis, warum Christoph Daum das sagt. Ich persönlich habe nicht mit ihm gesprochen – es gibt keinen Kontakt.

ÖSTERREICH: Aber muss man nicht aktiv werden, wenn so ein Mann wie Daum auf dem Markt ist?
Windtner: Daum zählt zur Top-Kategorie. Das hat schon Generaldirektor Ludwig gesagt, oder? Ich habe allerdings erst durch ÖSTERREICH erfahren, dass unsere Nationalmannschaft für Christoph Daum interessant wäre. Er ist auch interessant. Nur: Es gibt viele interessante Trainer – und ich bin loyal zu Didi Constantini.

ÖSTERREICH: Tatsächlich? Warum haben Sie ihn dann so scharf kritisiert?
Windtner: Habe ich gar nicht. Man kann viel aus einem Interview rauslesen – ich habe das mit Didi am Telefon geklärt, will auch nicht mehr näher darauf eingehen.

ÖSTERREICH: Warum nicht?
Windtner: Weil das eine Sache zwischen ihm und mir ist …

ÖSTERREICH: Er hat Sie ebenfalls angegriffen …
Windtner: Auch das haben wir besprochen. Das ist kein Beauty-Contest. Mir geht’s nicht darum, wie ich dastehe. Mir geht es um den Fußball. Ich will etwas weiterbringen, lasse mich von meinem Weg auch nicht abbringen. Und ich stehe dazu: Man darf nicht im eigenen Saft braten. Ich auch nicht. Jeder muss sich weiterentwickeln. Daran werden wir gemessen.

ÖSTERREICH: Bleibt Didi Constantini auch dann Teamchef, wenn unsere Mannschaft am Mittwoch in Klagenfurt beim Test gegen die Slowaken untergehen sollte?
Windtner: Ja. Ich habe ihn 2009 geholt – und das ganz sicher nicht mit dem Ziel, dass ich ihn nach jedem verlorenen Ländermatch hinausschmeiße. Was ich mir wünsche, sind Siege.

ÖSTERREICH: Team-Insider meinen: Nicht einmal die helfen Constantini, weil das Verhältnis zu Ihnen ruiniert ist. Stimmt das?
Windtner: Nein – das stimmt so sicher nicht. Constantini bekommt die Chance, die er verdient. Er muss sich bewähren.

ÖSTERREICH: Hans Krankl sagt in seiner ÖSTERREICH-Kolumne, Sie seien ein ÖFB-Präsident mit viel Fußball-Sachverstand. Und es sei auch legitim, wenn Sie bei schlechten Ergebnissen die Konsequenzen ziehen. Aber man müsse endlich Klartext reden und nicht rumeiern. Ihre Meinung?
Windtner: Wir eiern überhaupt nicht herum. Soll ich Constantini feuern, wenn vierzig Prozent der Qualifikationsspiele noch ausständig sind? Wer sagt, dass wir gegen Deutschland nicht gewinnen? Im Fußball kann doch alles passieren. Noch einmal: Er muss die Gelegenheit bekommen, sich als Teamchef zu bewähren.

ÖSTERREICH: Und falls es gegen Deutschland und die Türkei schiefgeht?
Windtner: So weit denke ich nicht voraus. Ich bin positiv eingestellt.

ÖSTERREICH: Glauben Sie, dass Sie im Fall des Falles gleich einen Topmann als Teamchef finden?
Windtner: Davon kann man ausgehen. Unser Team ist für viele Trainer interessant. So schlecht ist der Ruf des ÖFB nicht.