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Reizklima

Rapid in der Krise

Frust sitzt in Hütteldorf tief. Nach dem 0:2 gegen Altach steckt Rapid schwer in der Krise. Im UEFA-Cup muss Besserung her.

Bei den Grün-Weißen herrschte nur noch Ratlosigkeit. Eine Halbzeit lang hatte Rapid die Gäste aus Altach fast an die Wand gespielt, auch nach der Pause noch mehrere Torchancen erarbeitet. Und stand am Ende doch mit leeren Händen da. „Wenn du so viele Chancen vergibst, denkst du nur noch ,Was ist da denn los?'“, meinte Goalie Helge Payer verständnislos.

Versagt
Trainer Peter Pacult schlug in die gleiche Kerbe: „Wir hatten ja doppelt so viele Chancen wie gegen Mattersburg. Aber am Ende haben wir uns drei, vier Mal selbst angeschossen.“ Dabei hatten die vergeblichen Versuche der Hütteldorfer, Altach-Goalie Mario Krassnitzer zu überwinden, teilweise schon etwas von Unfähigkeit. Überhastet, ungenau, unkonzentriert.

Anderlecht im Kopf?
Fakt ist, dass der Rekordmeister es mal wieder verabsäumt hat, sich ganz oben in der Tabelle festzusetzen. Am bevorstehenden UEFA-Cup-Match gegen Anderlecht soll das aber nicht gelegen haben, meint Pacult. „Ich habe keinen Gedanken an Anderlecht verschwendet – und die Spieler auch nicht. Die volle Konzentration galt Altach. Sonst hätten wir uns nicht so viele Chancen herausgespielt“, sagt der Coach.

Schlapp
Dennoch: Es ist nicht allein die mangelnde Chancenverwertung, die Rapid derzeit kriseln lässt. Schon seit Wochen fehlt dem Team der letzte Biss. Eigentliche Leistungsträger wie Branko Boskovic oder Mario Bazina wirken seltsam gehemmt.

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Die nackten Zahlen: Nur vier Punkte aus den letzten fünf Liga-Matches und schlappe 3:9 Tore. Aus den Vergleichen mit den Abstiegskandidaten Innsbruck (1:1) und Altach schaute nur ein mickriger Zähler heraus. Auffallend zudem: das gereizte Klima innerhalb der Mannschaft. Nach der Altach-Pleite beorderte Pacult seinen Topstar Steffen Hofmann im Befehlston in die Kabine („Steffen, sofort!“) – vor der wartenden Journlistenschar.

Trotzreaktion?
Dennoch hoffen jetzt alle auf eine Trotzreaktion im Duell mit Anderlecht am Donnerstag (20.45 Uhr, live auf ORF1) . Genauso wie nach dem blamablen 1:5 gegen Sturm Graz, als die Rapidler anschließend in Brüssel ein 1:1 holten und sich damit eine super Ausgangs­position erarbeiteten. „Ein gutes Team macht aus, dass es solche Rückschläge wegstecken kann“, meint Payer.

Zum Glück für Rapid konnte sich die Konkurrenz bisher nicht entscheidend absetzen. „Die anderen lassen heuer auch viele Punkteliegen. Der Meister wird am Ende nicht viele Zähler am Konto haben“, sagt Payer.

Mag sein, aber das nutzt Rapid wenig, wenn der Rekordmeister nicht endlich mal eine echte Positiv-Serie hinlegt.

Von Tobias Schild/ÖSTERREICH