Serbiens Präsident bedauert EM-Eklat

Hooligan-Terror

Serbiens Präsident bedauert EM-Eklat

Serben-Präsident Tadic telefonierte nach Hooligan-Eklat mit Berlusconi.

Serbiens Präsident Boris Tadic hat am Mittwochabend in einem Telefonat mit dem italienischen Premierminister Silvio Berlusconi sein Bedauern wegen der Ausschreitungen beim EM-Qualifikationsmatch in Genua ausgedrückt. Serbische Hooligans hatten am Dienstagabend den Abbruch der Partie zwischen Italien und Serbien erzwungen. Tadic und Berlusconi betonten, dass die Ausschreitungen auf Randalierer zurückzuführen seien. "Die Ausschreitungen werden keinerlei Auswirkungen auf die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und Serbien haben", stellte Berlusconi nach Angaben italienischer Medien klar.

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Randalierer weiter in Haft
In Genua befinden sich noch acht serbische Randalierer in Untersuchungshaft. Ihnen werden u.a. Verwüstungen und Gewalt gegen die Polizei vorgeworfen. Am Donnerstag wurde erneut Ivan Bogdanov befragt, der die Ausschreitungen organisiert haben soll. Vermummt hatte er im Stadion Marassi die serbischen Hooligans aufgehetzt, Feuerwerkskörper auf das Spielfeld zu werfen und die Sperrgitter zu durchbrechen. "Ich habe nichts gegen Italien, ich liebe meine Heimat", berichtete der 29-jährige Arbeitslose mit einer Vergangenheit als Soldat in Serbien. Bereits am Mittwoch waren zwei Serben wegen der Vorfälle in Genua zu einem Jahr bzw. drei Monaten Haft verurteilt worden.

Fast 100.000 Euro Schäden
Die Schäden der schweren Ausschreitungen in Genua betragen rund 80.000 Euro, berichtete die Genueser Bürgermeisterin Marta Vincenzi. "400 als Fußballfans verkleidete Kriminelle haben unsere Stadt verwüstet, jemand wird dafür zahlen müssen", meinte die Bürgermeisterin. Sie habe bereits Rechtsanwälte beauftragt, sich mit der Frage der Entschädigung für die Verwüstungen in der Hafenstadt zu befassen. Die Bürgermeisterin kritisierte aber auch den italienischen Innenminister Roberto Maroni. Die Polizei habe nicht alle Vorbeugungsmaßnahmen ergriffen, um der Stadt die Ausschreitungen zu ersparen.

19 Fans bei Heimreise verhaftet
19 serbische Fans, die nach den schweren Ausschreitungen beim EM-Qualifikationsmatch Italien gegen Serbien in ihre Heimat zurückkehren wollten, sind von der serbischen Polizei an Grenzübergängen in Kroatien und Ungarn festgenommen worden. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA befinden sich unter den Festgenommenen einige Randalierer, die an den Gewaltakten in Genua federführend beteiligt gewesen sein sollen.

Die aus Genua zurückkehrenden Fans seien von der serbischen Polizei gründlich kontrolliert worden. Überdies seien einige Fanbusse an der serbisch-ungarischen Grenze in Horgos angehalten und an der Weiterfahrt gehindert worden.

Italien fordert "abschreckende" Strafen
Der italienische Innenminister Roberto Maroni hat abschreckende Strafe für den Hooligan-Führer Ivan Bogdanov gefordert, der die Ausschreitungen in Genua organisiert haben soll. Dem 29-Jährigen wird vorgeworfen, die serbischen Hooligans zur Gewalt aufgerufen zu haben. So waren Feuerwerkskörper auf das Spielfeld geworfen worden, und es gab Versuche, die Sperrgitter zu durchbrechen. "Die Wahrheit ist, dass wir in Genua eine Katastrophe wie im Brüsseler Heysel-Stadion riskiert haben. Nur das professionelle Verhalten unserer Sicherheitskräfte hat eine Tragödie verhindert", sagte Maroni im Interview mit der italienischen Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" am Donnerstag.

Maroni erklärte, er werde sich an UEFA-Präsident Michel Platini wenden, damit sich ganz Europa an die italienische Gesetzgebung zur Bekämpfung der Gewalt im Fußball ein Beispiel nehme. "Würde in ganz Europa unser System gelten, hätten diese Kriminellen erst gar nicht nach Italien einreisen können", betonte der Minister.

Hooligans bleiben in italienischer U-Haft
Bogdanov und die weiteren sieben serbischen Hooligans, die sich noch in Genua in Untersuchungshaft befinden, werden nicht mit Schnellverfahren verurteilt, sondern sollen vorerst weiterhin in U-Haft bleiben. Damit wollen sich die Genueser Staatsanwälte mehr Zeit für die Ermittlungen nehmen, berichtete Staatsanwältin Cristina Camaiori am Donnerstag. Den Serben werden unter anderem Verwüstungen und schwere Gesetzesübertretungen die öffentliche Sicherheit betreffend vorgeworfen.