Posse um die Weltmeister-Teambosse

Wolff: 'Mr. Grumpy Marko ist unsere stärkste Waffe'

Hamilton vs. Verstappen. Hinter dem Nervenduell um die WM tobt ein Kleinkrieg der Bosse.  

Nachdem Max Verstappen vergangenen Sonntag seinen Rivalen Lewis Hamilton in Monza abgeschossen hatte, gingen auch in der Chefetage die Wogen hoch. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach von einer "Notbremse" und fordert, dass die Regelwächter in Zukunft härter einschreiten: "Wenn immer dann die Notbremse gezogen wird, wenn der eine sieht, dass der andere davonfährt, muss man das schon in den Griff bekommen ..." Ganz zu schweigen von der Gefahr. Laut Wolff hätte Hamilton den Crash ohne Cockpit-Schutz Halo kaum überlebt. Der Boss wunderte sich ebenso wie sein Pilot, dass Verstappen nach dem Crash davonspazierte, ohne sich zu erkundigen, ob mit Hamilton eh alles okay wäre.

Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko dazu: "Hamilton hat den Retourgang eingelegt und versucht, weiterzufahren. Aber dann wird eine Show abgezogen, dass der arme Hamilton plötzlich verletzt ist usw." Kaum ein Rennwochenende, an dem sich der Wiener Toto Wolff (49) und der Grazer Helmut Marko (78) nicht einschenken. Wolff: "Wenn es um eine WM in der Formel 1 geht, dann ist man nicht am Schmusen."

»Es geht um die WM, da ist man nicht am Schmusen«

Der frühere Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda war sowohl mit Wolff als auch mit seinem ehemaligen Rennfahrerkollegen Marko freundschaftlich verbunden. Nach dem Tod der Legende 2019 wurde das Klima zunehmend rauer. Ob in der Flügel-Frage (Stopp der Red-Bull-Flexiwings auf Mercedes-Druck) oder beim Personal -es werden die Ellbogen ausgefahren. So hat Red Bull für den Aufbau der neuen Powertrain-Motorfirma von Mercedes den Chef-Ingenieur und weitere Top-Mitarbeiter abgeworben. Dabei war angeblich nicht einmal Geld die Haupt-Motivation. "Wir sind ein cooles Team, bei dem Leidenschaft im Vordergrund steht", so Marko, der Wolff noch eine mitgibt: "Unter Niki Lauda wäre das Mercedes nicht passiert, der war näher dran an seinen Motor-Leuten." Wolff kontert: "Mr. Grumpy", wie er Marko bezeichnet, "ist unsere stärkste Waffe. Niki hat immer gesagt: Jede Attacke von außen festigt unser Team." Auch das sitzt.

Attacken reitet Marko bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Als Wolff im Mai von der Cranfield University der Ehrendoktor-Titel verliehen wurde, meinte Jurist Marko süffisant: "Ich würde gerne wissen, wofür ..." Und als Wolff vor der Sommerpause glaubhaft zu versichern versuchte, dass Mercedes bereits die volle Konzentration auf die Saison 2022 und das neue Reglement gerichtet habe und keine Updates mehr bringen würde, meinte Marko: "Denen darf man kein Wort glauben." (okk)