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Bullen-Streit

Mateschitz verspricht Gleichberechtigung

Bullen-Boss stellt klar: "Es gibt keine Nummer 1!"

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz hat im Stallduell seines Formel-1-Teams um den möglichen Weltmeistertitel Gleichberechtigung für beide Fahrer versprochen. "Wir haben keine Nummer eins und keine Nummer zwei. Beide Piloten bekommen Autos auf dem völlig gleichen Stand", versicherte der 66-jährige Steirer in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" (Montag-Ausgabe). Seine Piloten Sebastian Vettel und Mark Webber waren zuletzt mehrfach öffentlich aneinandergeraten.

"Flügel-Affäre"
Seinen Höhepunkt hatte das Duell zuletzt in Silverstone erfahren, als Webber nach der "Flügel-Affäre" seinen dritten Saisonsieg eingefahren hatte. Dabei war dem Australier vor dem Qualifying noch der neue Frontflügel abgenommen und auf Vettels Auto montiert worden - was ihn naturgemäß nicht sonderlich erfreute. Laut Mateschitz habe es sich um keine Bevorzugung gehandelt. Teamchef Christian Horner hätte lediglich gemeint, dass der neue Flügel dem Fahrverhalten von Vettel besser entspreche.

"Der Unterschied zwischen altem und neuem Flügel war marginal, zeitlich fast nicht messbar", betonte Mateschitz. "Das alles wird viel mehr dramatisiert, als wirklich dahinter steckt." Üblicherweise werde der Teambesitzer in derartige Entscheidungen miteinbezogen. "Wir telefonieren ständig, im konkreten Fall war ich aber nicht eingebunden. Die Sache wurde leider falsch kommuniziert, teamintern wie medial", bedauerte Mateschitz. "Hier ist eine Bagatelle zum großen Problem gemacht worden."

Ärger Webbers verständlich
Den Ärger von Webber könne er verstehen. "Er ist dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind", erklärte Mateschitz. Dass sich der 33-Jährige nach seinem Sieg über Boxenfunk sarkastisch als "Nummer-zwei-Pilot" bezeichnet hatte, hielt der Red-Bull-Boss allerdings für "überflüssig". In die Schlichtung des Konflikts im Bullenstall hatte sich der Energydrink-Milliardär dann auch selbst eingeschaltet. "Das geht gar nicht anders", meinte Mateschitz vor dem elften Saisonrennen am Wochenende in Hockenheim.

Jagd auf McLaren
Webber und Vettel liegen nach zehn von 19 Läufen hinter dem McLaren-Duo Lewis Hamilton und Jenson Button auf den WM-Rängen drei und vier. 17 Punkte fehlen Webber auf Leader Hamilton, 24 sind es bei Vettel. Seinen Optimismus hat Mateschitz ob des schnellen Autos nicht verloren. "Wenn Sie mich heute fragen, wer Weltmeister wird, sage ich, einer unserer beiden Piloten", sagte der 66-Jährige in der "Kleinen Zeitung". "Aber die Box darf sich nicht einmischen, denn damit fangen die Probleme erst an."

Stallorder würden nicht seinem Verständnis von Rennsport entsprechen. "Es gibt keinen programmierten Weltmeister", betonte Mateschitz. "Unsere beiden Piloten wissen, dass sie a) den anderen schlagen müssen und b) sich dennoch gegenseitig brauchen, um der Konkurrenz möglichst viele Punkte wegzunehmen." Sollte das Duell noch so hart geführt werden, einen Maulkorb werde er Vettel und Webber nicht verpassen. "So etwas wäre nicht unser Stil", erklärte Mateschitz. "Jeder kann die Wahrheit sagen."