"Schumi soll fahren, solange er Spaß hat"

Gerhard Berger

"Schumi soll fahren, solange er Spaß hat"

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Österreichs ehemaliger F1-Star traut dem Rekordweltmeister sogar wieder Siege zu.

Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2011 ist auch Jahr zwei der Rückkehr von Rekordweltmeister Michael Schumacher. Nach der schwachen Einstiegssaison glauben viele bereits an ein "Schicksals-Jahr" für den 42-jährigen Mercedes-Piloten aus Deutschland. Ganz anders sieht das Gerhard Berger. "Michael braucht sich nicht zu beweisen oder zu bewähren. Er soll fahren, solange er Spaß hat und ihn ein Team nimmt", sagte der ehemalige Grand-Prix-Pilot und Weggefährte Schumachers wenige Tage vor dem WM-Auftakt in Australien.

Jungstars "mit Erfahrung schlagen"
Der zehnfache GP-Sieger ist sogar überzeugt davon, dass Schumacher wieder Rennen gewinnt, wenn er wieder in einem Siegerauto sitzt. Natürlich sei längst die Generation der Rosbergs, Hamiltons oder Vettels gekommen. "Die sind vielleicht nicht mit Speed, aber sicher mit Erfahrung zu schlagen", ist Berger überzeugt. Schumacher würde alles andere als nur zum Spaß herumfahren. "Als siebenfacher Weltmeister hat er verdient, sich so lange im Feld herumzutummeln, so lange er Lust hat und ihn die Teams wollen", lautet der Standpunkt des 51-jährigen Tirolers.

Red Bull für Berger Favorit
Auch für Berger sind 2011 Red Bull und Sebastian Vettel die WM-Favoriten, gefolgt von Alonso im Ferrari. Die große Unberechenbarkeit sieht auch der Österreicher in den neuen, stark abbauenden Reifen, die anstelle der zuletzt dominierenden Aerodynamik nun an die entscheidende Stelle treten und das Feld "durcheinanderwirbeln" könnten.

Reifenpoker
Aber Berger ist überzeugt, dass auch diesbezüglich Red Bull vom Genie des Konstrukteurs Adrian Newey sowie der Klasse seiner Fahrer profitieren wird. "Das aerodynamisch gute Auto von Red Bull wird auch die Reifen mehr schonen. Und wer den richtigen Fahrer hat, der am besten mit dieser Situation umgehen kann und blitzschnell entscheiden kann, wird das Problem am besten bekämpfen. Alle haben das gleiche Problem, die Besten werden es am besten bekämpfen."

Interessant wird für Berger auch wieder das interne Stallduell Vettel gegen Mark Webber. "Mark wird es noch schwerer haben, weil Vettel nun ohne Druck an die Sache herangehen kann und noch stärker geworden ist. Wenn er das umdrehen möchte, muss er vom ersten Rennen weg ganz vorne sein. Es wird eine spannende, fast unmögliche Aufgabe", glaubt Berger.

Die Gefahr, dass die Formel 1 für die Piloten wegen des verstellbaren Heckflügels und dem zurückgekehrten KERS immer mehr zum "Knöpfchenspiel" am Lenkrad wird, sieht Berger weniger. "Auch wir mussten Differenzial, Traktionskontrolle, Motorgemisch, Turbo-Boost, Servobremse und aktive Aufhängung verstellen. Da hat sich nichts verändert, die Komplexität war zu unserer Zeit mindestens auch so groß."

Würdiger Weltmeister
Red Bull ist für Berger ein mehr als würdiger Weltmeister, niemand bräuchte sich von einem "Emporkömmling" auf den Schlips getreten fühlen. "Es hat ja nicht ein Force India die WM gewonnen", so Berger, der weiter ausführte: "Red Bull ist mit der gleichen Kraft an die Sache herangegangen, wie die ganz Großen. Hinter Red Bull steht finanziell eine Macht, die vergleichbar ist mit Ferrari, McLaren, Mercedes."

Der austro-englische Rennstall ist für Berger vielmehr ein ganz außergewöhnlicher F1-Champion. "Weil man trotz allem die die Lockerheit beibehalten hat. Die Fahrer sind nicht hundertmal zensuriert und korrigiert, sie dürfen auch in Jeans auftreten und eine guten Spruch machen." Das Wichtigste aber sei: "Das alles macht sie sympathisch. Red Bull hat es trotz des beinharten Konkurrenzkampfes geschafft, ein sympathischer Weltmeister zu werden."

Probleme bei Toro Rosso
Etwas nachdenklicher beäugt Berger sein endgültig in die - italienische - Selbstständigkeit entlassenes Ex-Team Toro Rosso, bei dem er bis 2008 selbst Teamchef gewesen war und für das Weltmeister Vettel seinen ersten GP-Sieg eingefahren hatte. "Positiv ist, dass sie das 2011er-Auto nicht nachgebaut haben sondern zum Teil ganz eigene Wege gegangen sind", meinte der Tiroler. Natürlich würde man bei Toro Rosso aber darunter leiden, dass man als Ausbildungszentrum für Red-Bull-Nachwuchsfahrer konzipiert sei und auch aufgrund der begrenzten Ressourcen keinen wesentlichen Schritt nach vorne machen könne.

Chance für Ricciardo gefordert
Berger hält zudem den australischen Ersatzfahrer Daniel Ricciardo offenbar für befähigter als die derzeitigen Einsatzfahrer Sebastien Buemi und Jaime Alguersari. "Ricciardo hat seine Chance verdient. Wenn sich die beiden Stammfahrer in den ersten Rennen nicht entwickeln, hoffe ich, dass man Ricciardo die Chance gibt, für einen der beiden einzuspringen."

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