Ärger über verpasstes "Handball-Cordoba"

EM-Quali

Ärger über verpasstes "Handball-Cordoba"

ÖHB-Herren holen Remis, verspielen Sieg in Schlusssekunden.

Zum ersten Mal in der Handball-Geschichte haben Österreichs Herren in einem Pflichtspiel einen Punkt gegen Deutschland erobert. Trotz der historischen Leistung überwog nach dem 26:26 am Mittwochabend zum Auftakt der EM-Qualifikation in Göppingen bei der ÖHB-Auswahl der Ärger. "Wir hatten den Sieg schon in der Tasche. Deshalb ärgere ich mich und bin mehr enttäuscht als glücklich", bilanzierte Magnus Andersson nach seinem ersten Spiel als österreichischer Teamchef.

"Müssen daraus lernen"
"Wir müssen aus diesem Spiel lernen, aus den guten und aus den schlechten Sachen", erklärte Andersson, auf dessen Team am Samstag in Wiener Neustadt mit Island bereits der nächste große Brocken wartet. Zu den guten Sachen gehörten das einmal mehr große Kämpferherz der Mannschaft sowie die herausragenden Leistungen von Tormann Nikola Marinovic (u.a. sechs gehaltene Siebenmeter) und Regisseur Viktor Szilagyi. Auch Flügel Robert Weber und der wurfgewaltige Rückraumakteur Roland Schlinger überzeugten.

Überraschend starke Abwehr
Sogar für Andersson überraschend war die gute Performance der Abwehr im 6-0-System. Denn in der dreitägigen Matchvorbereitung hatte das Abwehrverhalten dem Schweden Kopfzerbrechen bereitet. "Da hatte ich ehrlich gesagt ein bisschen Angst", gestand Andersson. Und auch Marinovic meinte: "Ich hatte Sorgen, dass wir rasch in Rückstand geraten und dann bei dieser sensationellen Stimmung in Göppingen ordentlich unter die Räder kommen."

Verspielter Sieg
Doch das geschah nicht zuletzt dank Marinovic nicht. Stattdessen lagen die Österreicher von Anfang an voran, zu Beginn 4:0, zur Pause sogar 14:8. Die Deutschen schafften nur einmal im gesamten Match den Ausgleich - sechs Sekunden vor Schluss durch Adrian Pfahl.

Referees halfen Deutschland
Das Verspielen des Vorsprungs hatte für Andersson mehrere Gründe. U.a. die Rote Karte für Markus Wagesreiter in der 39. Minute sowie die zahlreichen Strafminuten, die die norwegischen Referees sehr ungleichmäßig verteilten (16 für Österreich, 4 für Deutschland). "Diese vielen Minuten in Unterzahl haben sehr viel Kraft gekostet, vielleicht hat das zu den wichtigen dummen Fehlern in der Schlussphase geführt", sagte Andersson.

Punkt verschenkt
Der entscheidende Schnitzer passierte Janko Bozovic, der mit einem Passfehler den letzten Angriff der Deutschen ermöglichte. "Wir haben das Spiel dominiert und schenken den Deutschen dann einen Punkt. Das ist immens ärgerlich", bilanzierte Szilagyi. Auch Deutschlands Teamchef Heiner Brand, der verletzungsbedingt einige Schlüsselspieler vermisst hatte, musste gestehen: "Dieser Punkt ist sehr, sehr glücklich für uns. Österreich hat dominiert."