Contador bei Tour de France-Sieg gedopt

A- und B-Probe positiv

Contador bei Tour de France-Sieg gedopt

Der spanische Rad-Star spricht von einer Lebensmittelverunreinigung.

Vier Jahr nach dem US-Amerikaner Floyd Landis hat ein weiterer Radprofi während einer siegreich beendeten Tour de France einen positiven Dopingtest abgeliefert. Beim Spanier Alberto Contador ergab eine am zweiten Ruhetag (21.7.) genommene Probe ein positives Resultat auf das verbotene Beta-Stimulanzium Clenbuterol. Wegen der geringen Konzentration (0,000 000 000 05 Gramm pro Milliliter) will der Weltverband UCI wissenschaftliche Untersuchungen in diesem Fall abwarten, ehe weitere Schlüsse gezogen werden.

Contador: Lebensmittel waren verunreinigt

Contador selbst machte in einer in der Nacht auf Donnerstag veröffentlichten Erklärung eine Lebensmittelverunreinigung für das positive Ergebnis verantwortlich. Das gleiche Argument hatte der deutsche Tischtennis-Nationalspieler Dimitrij Ovtcharov vorgebracht, bei dem vergangene Woche in der A-Probe ebenfalls Clenbuterol nachgewiesen worden war.

Contador erklärte, er sei traurig und enttäuscht. "Aber ich kann jedem in die Augen schauen, weil ich nichts zu verbergen habe", betonte der spanische Sport-Held. "Ich werde kämpfen, um weiter das tun zu können, was ich am meisten liebe. Ich glaube, dass sich die ganze Sache aufklären wird. Ich vertraue auf die UCI und die WADA." Die festgestellte Menge sei überdies so minimal, dass sie absolut keine Wirkung hatte.

Er hatte erst in einem am Mittwoch erschienenen Interview erklärt, Dopingfälle seien Vergangenheit, es habe zuletzt keine positiven Tests gegeben.

Doch nun reiht sich der 27-Jährige, der schon alle drei großen Landesrundfahrten (Tour, Giro d'Italia und Spanien-Rundfahrt) gewonnen hat, selbst in die Reihe der Tour-de-France-Gewinner ein, gegen die Verfahren eingeleitet wurden. Der Däne Bjarne Riis (Sieger 1996) musste unter dem Druck der Beweislast EPO-Doping zugeben. In Proben des siebenfachen Rekordgewinners Lance Armstrong, gegen den aktuell Untersuchungen der US-Behörden laufen, aus dem Jahr 1999 wurden laut Nachforschungen der Sportzeitung "L'Equipe" EPO-Spuren gefunden. Landis wurde der Sieg 2006 wegen Testosteron aberkannt.

In Fuentes-Skandal verwickelt
Unter Verdacht war Contador schon vor seinem ersten Toursieg 2007 geraten. Sein Name stand auf der Liste der in den spanischen Fuentes-Blutdopingskandal von 2006 verwickelten Fahrer, Contador wurde aber von den Behörden reingewaschen. Er sei nur zur falschen Zeit im falschen Team (dem des Spaniers Manolo Saiz) gewesen, rechtfertigte er sich 2007.

In diesem Jahr gewann er für das Team des zurückgetretenen Armstrong, Discovery Channel, erstmals die Tour, nachdem der als sicherer Sieger geltende Däne Michael Rasmussen (ein angeblicher Kunde von Stefan Matschiner) von seinem Team aus dem Rennen genommen worden war. 2008, als sein neuer Rennstall Astana von der Tour ausgesperrt war, siegte Contador im Giro und in der Spanien-Rundfahrt, ehe er 2009 (nach "Stall-Duell" mit Armstrong) neuerlich bei der Tour triumphierte und diesen Erfolg heuer (ohne Etappensieg) wiederholte.

Contador vorläufig gesperrt
Das Umfeld des stärksten Rundfahrtspezialisten der Gegenwart war zuletzt von Landis angeschwärzt worden, der mit seinen Aussagen gegenüber den US-Behörden auch die aktuelle Affäre um Armstrong ins Rollen gebracht hatte. Demnach soll Contadors Coach seit 2007, Pepe Marti, Landis während seiner Tätigkeit im Rennstall US Postal Wachstumshormone verkauft haben.

Der Radsport-Weltverband UCI teilte am Donnerstag bei den derzeit in Geelong stattfindenden Weltmeisterschaften mit, Contador sei, wie im Reglement vorgesehen, vorläufig gesperrt. Der B-Test habe das Ergebnis der A-Probe bestätigt. Contador hat seine Saison bereits beendet, er hat für 2011 einen Vertrag für den Riis-Rennstall Saxo Bank unterschrieben. Der Team-Sponsor will vorerst abwarten, Riis selbst hatte sich vorerst noch nicht geäußert.   

Chinese mit Clenbuterol erwischt
Die Probe war vom Anti-Dopinglabor in Köln untersucht worden, die Konzentration von Clenbuterol sei bei 50 Picogramm gelegen. Laut Qualitäts-Anforderungen der Welt-Anti-Doping-Agentur an ein Labor muss erst das 400-fache dieses Werts nachgewiesen werden können. Die UCI will daher vor den kommenden Untersuchungen, die einige Zeit dauern könnten, keine weitere Stellungnahme abgeben.

Clenbuterol, dem in hohen Dosen anabole Wirkung nachgesagt wird, hat einen kurzzeitigen stimulierenden Effekt, ebenso soll es bessere Sauerstoffaufnahme, Erhöhung von Blutdruck und Aufmerksamkeitssteigerung bewirken. Im April war der chinesische Radprofi Li Fuyu wegen Einnahme von Clenbuterol suspendiert worden.

Zuletzt Landis und Kohl erwischt

In dem Kommunique Contadors hieß es, befragte Experten hielten eine Kontamination durch Lebensmittel für ursächlich. Vor allem, wenn man die Häufigkeit von Dopingtests während der Tour de France in Betracht ziehe. Der Spanier hatte bereits nach der ersten Information über einen positiven Test am 24. August ein "verseuchtes" Lebensmittel als einzige mögliche Ursache genannt.

Contador hat die heurige Tour de France mit einem Vorsprung von nur 39 Sekunden vor dem Luxemburger Andy Schleck gewonnen. Wird er wegen Dopings bestraft, wäre er der zweite Fahrer nach Landis, dem der Sieg aberkannt wird. Dem Österreicher Bernhard Kohl war 2008 der dritte Gesamtrang und der Sieg in der Bergwertung wegen des nachträglichen Nachweises von EPO-Doping (CERA) aberkannt worden.