Verfahren

Graf und Totschnig im Doping-Zwielicht

Österreichs Anti-Doping-Agentur (NADA) macht Ernst und leitet gegen einige Sportler Doping-Verfahren ein.

In den nächsten Wochen werden ein paar prominente ehemalige Spitzensportler Post von der NADA im Briefkasten finden. Grund: Die Anti-Doping-Agentur geht gegen jene Sportler vor, die im Zeitraum von 2003 bis 2006 Kunden der Wiener Blutbank Humanplasma gewesen sein sollen. Das ist jene Firma in Wien-Alsergrund, die im Zentrum des heimischen Blutdoping-Skandals steht. Die NADA beruft sich auf Akten der SOKO Doping. Mit Namen ist man vorsichtig, doch ÖSTERREICH weiß von einer Liste mit mindestens 14 Sportlern.

Die Liste
Keine Überraschung: Darunter finden sich u. a. Steffi Graf, Olympia-Zweite über 800 m in Sydney 2000, der gefallene Tour-de-France-Held Bernhard Kohl, aber auch Georg Totschnig, unser "Sportler des Jahres 2005".

Ex-Weltklasseläuferin Graf hatte zugegeben, im Herbst 2003 eigenblut bei Humanplasma abgegeben, aber vor ihrem Rücktritt 2004 nicht rückgeführt zu haben. Ihre Aussage bereut sie im Nachhinein fast schon wieder. Graf vor kurzem zu ÖSTERREICH: "Natürlich frage ich mich, ob es gescheit war, so ehrlich zu sein. andere, die alles abstreiten, kommen wieder davon." Und weiter: "es ist gut, dass das ganze aufgeklärt wird. Dann ist hoffentlich endlich Ruhe."

Medaille futsch?
Fakt ist: Die Betroffenen können nur nach den damals gültigen Regeln belangt werden. Das aktuelle Anti-Doping-Gesetz ist erst sei August 2008 in Kraft. Trotzdem: Es droht der Verlust von Medaillen und Titeln.

Die 14 Sportler
Folgende Sportler müssen jetzt mit einem Doping-Verfahren der NADA rechnen. Für sie alle gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Leichtatheletik
Stephanie Graf

Radsport
Bernhard Kohl, Georg Totschnig, Christian Pfannberger, Gerrit Glomser, Josef Kugler n LangLauf: Christian Hoffmann

Rudern
Martin Kobau, Bernd Wakolbinger, Raphael Hartl, Christof Uhl, Wolfgang Sigl, Helmut Jurtschitsch

Triathlon
(Mountainbike) Michael Weiss