Wieder am Grün

Tiger Woods große Comeback-Show

Die Euphorie ist beim Comeback des Supergolfers Tiger Woods (34) ungebrochen.

Nach den fünf Monaten seines familiären Skandals hätte Tiger Woods kein beeindruckenderes Comeback im Wettkampfgolf geben können. Nach der ersten Runde des 74. US Masters in Augusta gehört er nach einer 68er-Runde als Siebenter der Spitzengruppe an, nur zwei Schläge hinter dem allein führenden amerikanischen Senior Fred Couples (50), dem Masters-Champion von 1992. Es war beim 16. Masters-Antreten Woods' beste Startrunde überhaupt.

Tiger "unglaublich"
"Es ist unglaublich", meinte ein glücklicher Tiger Woods nach seinem vorerst gelungenen Comeback. Erstmals überhaupt hatte er eine Startrunde in Augusta unter 70 Schlägen absolviert. Schon zwei Schläge unter Par wären für ihn ein ein guter Start gewesen, nun sind es nicht zuletzt dank zweier Eagles sogar vier unter Par geworden. "Jeder schien heute weniger Schläge zu brauchen, es sind über 30 Spieler unter Par geblieben. Wenn ich heute gut geputtet hätte, hätte es eine wirklich sehr spezielle Runde werden können", sah Woods Steigerungsmöglichkeiten.

Selbstbewusstsein ist da
Die Unkenrufe, dass Woods nach 1997, 2001, 2002 und 2005 das Masters nach seiner Pause wegen des Sex-Skandals keinesfalls wieder gewinnen könne, werden vorläufig verstummen. Viele hatten vermutet, die langen Wochen und Monate, in denen Woods nur wegen seiner Sexsucht und seiner ehelichen Untreue Schlagzeilen gemacht hatte, würden sich vor allem auf den mentalen Bereich des Spiels negativ auswirken. Weit gefehlt. Der 14-fache Major-Gewinner trat selbstbewusst und mit einer überzeugenden Körpersprache auf. Dass ihn die Fans während der ganzen Runde anfeuerten, machte ihm die Sache noch leichter. "Es war den ganzen Tag unglaublich. In all den Jahren haben mich die Fans hier nie derart laut unterstützt."

Dank an die Fans
Bei jedem Loch tippte sich Woods dankbar in Richtung Publikum an die Kappe und sagte immer wieder "thank you" zu den Fans. Eine enorme Last muss von den Schultern des medial Gescholtenen und von Sponsoren teilweise verlassenen Top-Stars der Szene gefallen sein. Mittlerweile sorgt auch eine neue, nicht ganz unumstrittene Nike-Werbung mit Woods für Aufsehen. Das Video zeigt in schwarz-weiß einen reuigen Tiger Woods, der schweigend seinem 2006 verstorbenen Vater Earl zuhört. Dieser stellt ihm die Fragen "Ich möchte wissen, was du gedacht hast, ich möchte wissen, was du fühlst. Und - hast Du etwas daraus gelernt?" Woods schweigt.

Im Schatten von Woods überzeugte auch der 60-jährige US-Veteran Tom Watson. Der Masters-Champion von 1977 und 1981 spielte noch einen Schlag besser als Woods und liegt an zweiter Stelle. Vergangenen Juli hätte er beinahe zum sechsten Mal das British Open gewonnen - er scheiterte erst im Stechen an seinem Landsmann Stewart Cink.