Julia Scheib ist in diesem Olympia-Winter zu einer echten Größe in Österreichs Sportlandschaft avanciert und hat große Pläne.
Überdimensional ist momentan das Konterfei der steirischen Skirennfahrerin auf einem 36 Stockwerke hohen Turm direkt am Wiener Donauufer zu sehen. Im Format 28 x 13 m lacht die beste Riesentorläuferin der Welt im Jänner dem Pendlerverkehr auf der viel befahrenen Süd-Ost-Tangente entgegen.
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Ihr Helmsponsor Rauch rechnet mit über 10 Millionen sogenannten Kontakten durch die PR-Aktion am "XL Spider Rock". Scheib sieht das Projekt als Auszeichnung für ihre bisherige Traumsaison mit drei Siegen und insgesamt fünf Podestplätzen. Ihr Profil als eine Sportlerin, die keinen Hehl aus ihren Ambitionen macht, hat sie schon vor den Erfolgen geschärft. Auch im nun großen Rampenlicht wolle sie weiter für "das Ehrliche" stehen, sagte Scheib, die seit einigen Monaten denselben Manager wie Marco Odermatt hat, zur APA. "Es wird sehr viel gespielt, man weiß oft nicht, was ist echt und was nicht. Ich versuche immer, authentisch zu sein. Es ist mir auch von anderen wichtig, dass man sieht und spürt, woran man ist."
Teuerung im Skisport beschäftigt
Ihren Sport - besser: den Spitzen-Skisport - sieht sie angesichts von Herausforderungen wie des Klimawandels nicht als Auslaufmodell. "Ich kenne mich da auch viel zu wenig aus", macht Scheib bei diesem Thema lieber einen Ausweichschwung. "Ich mache mir eher Gedanken, weil das Skifahren so teuer geworden ist. Ich hoffe, dass auch in Zukunft die Kinder die Chance haben, Skifahren zu lernen. Dass die Eltern sich das noch leisten können."
Sie würde aber auch heute einer 12-jährigen Julia Scheib "absolut" noch einmal zu einer professionellen Ski-Karriere raten, sagte die 28-Jährige, die Kreuzbandrisse und das Pfeiffersche Drüsenfieber überwinden musste. "Klar hat es zähe Momente gegeben. Man investiert alles und opfert auch manche Sachen dafür. Aber ich würde es genauso wieder machen." Denn das Skifahren zieht sie weiterhin in ihren Bann. "Wenn ich Freifahren gehe, genieße ich jeden Schwung."
Scheib kann FIS-Expansionsplänen etwas abgewinnen
Auch deshalb kann sie dem Globalisierungsgedanken des Obersten im Internationalen Skiverband FIS - künftig etwa verstärkt in Asien aufzutreten - etwas abgewinnen. "Es heißt World Cup, da ist die Idee, weltweit zu fahren, total legitim. Vielleicht sehe ich es auch durch die rosarote Brille, weil ich den Sport irrsinnig cool finde. Ich will jetzt keine anderen Sportarten kleinreden, aber im Skisport ist schon sehr viel Action dahinter." Action, die ihrer Meinung nach ihren Sport auch in anderen Teilen der Welt noch populärer machen könnte. Der Rennkalender müsse dann aber gut überlegt sein, so Scheib. "Dass wir dann nicht von A nach B fliegen. Das muss auch im Sinne der Sportler sein."
Am Sonntag präsentiert sie sich in Zauchensee ein letztes Mal in diesem Winter dem österreichischen Publikum - erstmals in dieser Saison im Super-G. "Irgendwann muss man starten. Sonst habe ich wieder genau das, was mich die letzten Jahre gestört hat: Lange, manchmal zu lange Pausen, zwischen den Rennen im Riesentorlauf", sagte Scheib. Das zusätzliche Risiko nimmt sie in Kauf. "Ich gehe mit einem klaren Ziel dort hin: Dass ich technisch sehr gut fahre und gut am Ski stehe, dann ist das auch alles sicherer."
Olympia-Medaille "natürlich" das Ziel
Ihr Fokus liegt aber darauf, als erste Österreicherin exakt zehn Jahre nach Eva-Maria Brem wieder den Riesentorlauf-Weltcup heimzufahren. "Aktuell habe ich die Nase vorne. Aber es sind noch vier Rennen. Es wird noch vieles passieren." Dazwischen warten ihre ersten Olympischen Spiele. Sie wisse, dass die Ski-Nation in Cortina d'Ampezzo einiges von ihr erwartet. "Mit der Bilanz muss man sich natürlich eine Medaille zum Ziel setzen. Es wird aber ein sehr spezielles Rennen werden, weil natürlich geht da jeder all in. Wir werden uns da nichts schenken." Sie stellt sich auf viel Trubel ein. "Ich hoffe, dass ich es trotzdem schaffe, meine Ruhe zu bewahren und mich vielleicht ein bisschen abzukapseln."