16. August 2011 09:15

Vom Zauber der Liebe 

Anna Netrebko singt "Iolanta"

Triumph für Netrebkos Iolanta, Erfolg für die Novikova als Nachtigall.

Anna Netrebko singt "Iolanta"
© Kernmayer

Selten zuvor habe ich Anna Netrebko so bewundert wie als Tschaikowskys Iolanta. Weil sie beweist, dass sie Bühne, Dekoration, Kostüm nicht braucht. Allein mit dem Klang ihrer Stimme, mit der instinktiven Sicherheit ihres Tonfalls vermag sie eine Figur glaubhaft, eine Handlung erlebbar zu machen.

Es geht in dieser Oper um eine Königstochter, die blind ist seit ihrer Kindheit. Niemand darf ihr verraten, dass es sehende Menschen gibt. Wenn die Netrebko singt: „Sind uns die Augen wirklich nur gegeben, um zu weinen?“ – dann glaubt man ihrem erschütternden vokalen Ausdruck, dass sie die Umwelt nur fühlen und hören kann.

Strahlend
Und wenn sie durch Liebe zu jenem Menschen, der todesmutig ihr das Licht bringt, zuletzt sehend wird, verändert sich auch die Stimme. Dann wird der Klang strahlend, impulsiv, dann genügen ein paar kleine Gesten auf dem Konzertpodium, eine körperliche Veränderung anzudeuten.

Mit zwei außerordentlichen (Piotr Beczala und Alexey Markov) und vielen guten Partnern lernte das Publikum im überfüllten Festspielhaus Tschaikowskys letzte Oper kennen, der man hier auch in einer vernünftigen szenischen Produktion gern begegnete.

„Le Rossignol“: Eine Parabel von Strawinsky
Zuvor Strawinskys Le Rossignol. Auch das könnte man als Pantomime oder Tanzstück, jedoch nicht als Oper realisieren. In dieser kurzen Parabel (nach dem Andersen-Märchen) bezaubert der liebevolle Gesang der Nachtigall sogar den Tod. Julia Novikova singt ihre gefühlvollen Koloraturen mit großer Anmut und rettet damit dem König von China das Leben. Neben ihr fällt Julia Lezhneva (21) auf, dank beseelten Ausdrucks und einer wunderschönen, elegant geführten Sopranstimme. Ivor Bolton und das Mozarteumorchester, bei Iolanta tüchtig, haben bei Strawinsky leider versagt.


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