04. September 2009 10:15
© SWR/Hans-Joachim Pfeiffer
Mal kaiserliche Prinzessin, dann wieder französische Femme fatale: Romy
Schneider hatte viele Gesichter. „Ihr entziffert mich nie“, warnte sie
Biografen schon zu Lebzeiten. Schauspielerin Jessica Schwarz (32) geht das
Wagnis dennoch ein: Am 11. November schlüpft sie im ORF-Hauptabendfilm Romy
in die Rolle der Filmikone.
TV-AUSTRIA traf die Deutsche, die ihre Karriere 1993 als Bravo-Girl
startete, zum Interview über ihr Idol.
TV-AUSTRIA: Wie nähert man sich einer Schauspielikone wie Romy
Schneider an?
Jessica Schwarz: Toll ist bei ihr, dass es
irrsinnig viel Material gibt. Romy Schneider hat alles in Tagebüchern
festgehalten. Die habe ich gelesen, dazu Biografien, Bildbände,
Dokumentationen. Ich habe Menschen getroffen, die sie kannten. Und ich habe
ihr Parfum eine Weile getragen während des Drehs. Bis ich dann nicht mehr
konnte und nur mehr Kopfschmerzen hatte. Es war ein sehr, sehr starkes
Parfum (lacht).
TV-AUSTRIA: Viele Schauspielerinnen hätten wohl den direkten
Vergleich gescheut. Hatten Sie nie Bedenken?
Schwarz: Doch,
natürlich. Romy ist eine Frau, die in so vielen Köpfen ist. Jeder hat so
seine Gefühle über sie, jeder sein eigenes Bild. All diese Romys zu
erfüllen, ist fast nicht machbar. Da musste ich meine eigene Interpretation
finden. Und entweder man glaubt die mir, oder man wird mich dafür hängen!
TV-AUSTRIA: Wie war Ihr Verhältnis zu Romy vor dem Filmdreh? Sahen
Sie sie als Idol?
SChwarz: Sie war immer mein großes Vorbild. Während meiner Modelzeit
meinten einige Visagisten, du hast Ähnlichkeit mit Romy Schneider. Da habe
ich mir die Filme angesehen. Sissi schon in jüngeren Jahren. Ich war ein
Durchschnittsmädchen mit Barbie-Puppen und Prinzessinnenträumen vom Ritter
mit dem Schimmel oder dem Prinzen mit dem Pferd. Ich habe mir immer mit
einer Freundin mein Bettzeug mit einem Gürtel umgeschnallt – große, dicke
Daunendecken und meine schönste Bettwäsche – und bin durch die Gärten
gewandelt (lacht.)
TV-AUSTRIA: Sehen Sie persönliche Parallelen zu Romy? Oder auch
Seiten, die Sie nicht nachvollziehen können?
Schwarz: Ich kann ihre Versagensängste als Schauspielerin verstehen,
gerade jetzt. Sonst sind wir, glaube ich, beide sehr offene Menschen ohne
Vorurteile und mit einem großen Gerechtigkeitssinn. Klar denkt man sich
auch, vielleicht hätte sie da oder dort einfach mal mehr den Mund aufmachen
müssen und sagen, was sie denkt. Aber Romy wollte immer eine gewisse
Harmonie herstellen. Da passiert es natürlich, dass man viel schluckt und
verdrängt. Das war sicher ein schwacher Punkt.