Wozzeck - Gute Sänger werden überdröhnt

Karl-Löbl-Kritik

© Ruth Walz

Wozzeck - Gute Sänger werden überdröhnt

Starker Eindruck dank intensiv agierender Singschauspieler, die auf leerer Bühne in differenziert gesetztem Licht oft auch dann gegenwärtig sind, wenn bloß über sie gesprochen, an sie gedacht wird. Denn Regisseur Stéphane Braunschweig setzt sich über Alban Bergs musikalische Imagination und Büchners Text oft hinweg. Ihn bewegt nicht das Sozialdrama, für ihn ist Wozzeck vor allem ein vergeisterter Mensch, der aus Dumpfheit schnell außer sich gerät.

Georg Nigl spielt und singt Braunschweigs Figur überzeugend neben der dominanten Angela Denoke. Sie macht als Marie alle Nuancen dieser Figur glaubhaft – Weib und Mutter, Triebhafte und Verzweifelte. Mit ihrer Stimme gibt sie den kontroversiellen Eigenschaften Farbe und Kontur. Dirigent Daniel Harding (Mahler Chamber Orchestra) sorgt leider nicht für Klangbalance. Er überdröhnt zuweilen die guten Sänger, minimiert deren Wortdeutlichkeit trotz Bergs seismografischer Musiksprache.

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