Maier:

Südpol-Abenteurer

© Kernmayer

Maier: "So überstehe ich minus 69 Grad"

Die Herausforderung war von Anfang an nach dem Geschmack des Herminators. Darum zögerte er auch keine Sekunde, als ihm die Hauptrolle in der Doku-Soap von ORF und ZDF angeboten wurde. Ab sofort geht’s Schlag auf Schlag. Am 6. Dezember, einen Tag vor seinem 38. Geburtstag, wird Hermann Maier Richtung Südpol aufbrechen. Erst geht es nach Südafrika. Von Kapstadt wird der Olympiasieger dann mit einer russischen Militärmaschine weiter zur Forschungsstation Novo in die Antarktis geflogen. Dort will sich Maier in einem Trainingscamp für den Wettlauf (Startschuss ist am 25. Dezember) den letzten Feinschliff verpassen.

ÖSTERREICH: Herr Maier, spüren Sie schon das Kribbeln? Ist es ein Gefühl, als ob Sie im Starthaus der Streif in Kitzbühel stehen würden?

HERMANN Maier: Es ist ähnlich, aber ich verfalle nicht in Panik. Bis zum Schluss versuchst du, dich ideal vorzubereiten. Bei so einem Abenteuer musst du bestens präpariert sein, da du vor Ort wenige Möglichkeiten hast, dich zurückzuziehen. Dir bleibt nur dein Zelt.

ÖSTERREICH: Wie schauen Ihre letzten Vorbereitungen aus?

Maier: Ich stelle meine Ausrüstung zusammen, richte alles her, was man da unten so braucht. Das Um und Auf ist, dass man gegen die extreme Kälte gerüstet ist.

ÖSTERREICH: Mit welchen Temperaturen rechnen Sie?

Maier: Der Kälterekord liegt bei minus 69 Grad. Aber so schlimm wird’s hoffentlich nicht werden. Derzeit liegen die Temperaturen bei minus 38, mit Wind bei minus 48 Grad. Ich rechne mit minus 40.

ÖSTERREICH: Klingt halb so schlimm. Das haben Sie bei Weltcuprennen doch auch erlebt, oder?

Maier: In Lake Louise hat es das auch gegeben. Und in Norwegen bin ich Abfahrten bei minus 31 Grad gefahren. Der Unterschied ist: Im Weltcup kannst du in die warme Stube gehen, aber je näher du zum Pol kommst, desto kälter wird es. Wenn es hart auf hart geht, du schon müde bist, dann musst du erst dein Zelt aufstellen. Du kannst nicht irgendwo reingehen und dich duschen.

ÖSTERREICH: Ihr Partner Tom Walek führt als Ö3-
Mikromann die Leute aufs Glatteis. Wie groß ist die Gefahr, dass er diesmal selbst ausrutscht?

Maier: Er schlägt sich gut. Von der Ausdauer her wird das für ihn kein Problem, immerhin ist er Ironman-Teilnehmer. Aber die Kälte, die wird ihm Respekt einflößen. Davon bin ich überzeugt.

ÖSTERREICH: Was reizt Sie so am Wettlauf zum Südpol? Brauchen Sie noch immer den Wettkampf?

Maier: Es ist für mich ein willkommenes Abenteuer. Das ist kein Winterurlaub, wo jeder hinfahren kann. Trotzdem hat es mit Ski und Schnee zu tun. Du kommst in eine Gegend, in die du normalerweise nicht kommst. Expeditionen zum Südpol sind sehr selten. Einmal am weitesten weg zu sein, eine Gegend zu erkunden, wo noch nicht viele waren, das ist der Reiz. Es passt der Zeitpunkt, da ich mich noch in guter körperlicher Verfassung befinde.

ÖSTERREICH: Obwohl Sie jahrelang Raubbau an Ihrem Körper betrieben haben?

Maier: Es geht mir wirklich gut, ich bin topfit. Seit ich das Trainingspensum zurückgeschraubt habe, sind die Schmerzen weg. In meiner aktiven Zeit als Rennläufer musste ich meinen Körper richtig stählen, damit er den Belastungen standhalten konnte.

ÖSTERREICH: Dieses Wochenende steigen die Weltcuprennen in Lake Louise. Sie haben 2008 dort Ihren 54. und letzten Sieg gefeiert. Hatten Sie damals gewusst, dass Sie aufhören?

Maier: Nein. Ich wusste nur, dass nicht mehr so viele Siege daherkommen würden. Aber ans Aufhören habe ich dazumal keine Gedanken verschwendet.

ÖSTERREICH: Was geht in Ihnen vor, wenn Sie heute ein Skirennen im Fernsehen verfolgen?

Maier: Für mich ist das eine angenehme Berieselung. Ich kenne alles: die Vorbereitung am Start, das ganze Prozedere. Vor allem bei den Amerika-Rennen ist es gemütlich, sich am Abend vor den Fernseher zu setzen und die Rennen zu verfolgen. Ich genieße das. Bei uns wird es ohnehin so früh finster.

ÖSTERREICH: Ihre Ex-Kollegen wie Michael Walchhofer schwärmen vom neuen Cheftrainer Mathias Berthold. Er scheint einen guten Draht zu den Athleten zu haben...

Maier: Die meisten waren den anderen Stil von Toni Giger gewohnt. Wenn das über so viele Jahre läuft, wird ein Wechsel umso wichtiger. Ein Skifahrer lebt von der Abwechslung. Das soll aber nicht die Erfolge von Giger in Frage stellen. Gut ist, dass Berthold viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, so Druck von den Läufern nimmt. Im letzten Winter sind viele daran gescheitert.

ÖSTERREICH: Sind eigentlich die Umbauarbeiten an Ihrem Haus am Attersee abgeschlossen? Haben Sie Ihr Traumhaus?

Maier: So groß war der Umbau gar nicht. Als gelernter Maurer hab ich viel selbst Hand angelegt. Umso mehr freut man sich über das Ergebnis. Es ist zwar praktisch, wenn man viel selber machen kann, aber man hat dann praktisch auch nie frei.

ÖSTERREICH: Sie haben eine Einladung, bei der WM im Februar in Garmisch als Vorläufer zu starten. Wird es ein Comeback geben?

Maier: Sicher nicht. Da hätte ich nicht aufhören brauchen. Das war nie ein Thema. Ich starte doch nicht als Vorläufer. Wenn, dann fahre ich ordentlich.

Autor: Walter Unterweger
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